Mittwoch, 23. Mai 2012

Vier Unfallopfer waren eingeklemmt




Spektakulärer Unfall: Auto stürzte in die Enz.
Spektakulärer Unfall: Auto stürzte in die Enz.

Vaihingen (rkü). Die ganz großen Einsätze hatte die Vaihinger Feuerwehr im Jahr 2009 nicht zu bewältigen. Dennoch war sie in vielen Fällen gefordert, um Leben zu retten oder bedeutende Sachwerte zu schützen. Allein viermal musste die Feuerwehr Menschen befreien, die nach schweren Verkehrsunfällen in ihren Fahrzeugen eingeklemmt waren.

„Wir waren im vergangenen Jahr nur bei fünf Unfällen“, erinnert sich Feuerwehrkommandant Thomas Fais im Hinblick auf die Hauptversammlung der Wehr heute Abend. „Aber die hatten es in sich.“ Viermal waren die Unfallopfer beim Eintreffen der Feuerwehr noch in den Fahrzeugwracks eingeklemmt oder eingeschlossen. Einmal hatte ein nachfolgender Lastwagenfahrer die Unfallfahrerin bereits aus ihrer misslichen Situation befreit. Das war im November, als eine junge Frau zwischen Enzweihingen und Vaihingen mit ihrem Auto in die Enz gestürzt war. „Auch wenn wir noch so schnell gewesen wären – bis wir hätten da sein können, wäre es wohl zu spät gewesen“, gibt der Feuerwehrkommandant zu bedenken. Bei den anderen Unfällen musste die Feuerwehr mit schwerem Gerät ran, um die Insassen aus dem verbeulten Blech zu befreien. Fais: „Ein herkömmlicher Geländewagen hat einen stabilen Rahmen, aber keine Knautschzone. Wenn der Rahmen bei einem heftigen Aufprall nachgibt, sieht es für die Insassen nicht gut aus.“ Das war beispielsweise im Mai der Fall, als zwischen Ensingen und Horrheim ein Landrover frontal gegen einen Baum prallte und der Fahrer schwer verletzt eingeklemmt wurde. Ein Unfall mit einem Eingeklemmten ereignete sich auch im Juli während des Jubiläumsfests der Vaihinger Feuerwehrabteilung. Das Jubiläum soll hier nicht weiter beleuchtet werden, da die VKZ zu diesem Thema bereits am 12. Dezember ein ausführliches Interview mit Fais und Abteilungskommandant Thomas Korz veröffentlicht hat.

Insgesamt wurden die Feuerwehrleute in Vaihingen und Stadtteilen beinahe 150-mal alarmiert. Bei den Brandeinsätzen im vergangenen Jahr war die Feuerwehr mit völlig unterschiedlichen Szenarien konfrontiert. Gleich in der Neujahrsnacht brannte ein Haus in der dicht bebauten Altstadt. Die Feuerwehr konnte den Brand auf das Haus in der Auricher Straße begrenzen. Als Strohballen zwischen Aurich und Nussdorf brannten, gab es hoch lodernde Flammen, aber nur einen geringen Schaden. Der Ballenhaufen wurde auseinander gezogen und mit großen Mengen Löschwasser geflutet. Ein völlig anderes Bild bot sich im Oktober beim Brand in der Vaihinger Realschule. Es brannten nur ein Plastikmülleimer und ein Handtuchhalter, ebenfalls aus Plastik. Das kleine Feuer verursachte immensen Schaden. „Gemeldet war Rauchentwicklung in der Schule“, erinnert sich Fais. „Das bedeutete Vollalarm für die Abteilung Stadt.“ Als die Feuerwehrleute sich unter Atemschutz bis zum Brandherd vorgearbeitet hatten, genügten wenige Liter Wasser zum Löschen. Doch fast das gesamte Gebäude war verraucht, die Klassen mussten für mehrere Monate in Container umziehen.

Aufwendige Einsätze stellen für die Feuerwehr eine Herausforderung dar. Die Fehlalarme, die noch dazu kommen, können zum regelrechten Problem werden. 15- mal lösten im vergangenen Jahr die Brandmeldeanlagen aus, die bei zahlreichen Firmen installiert sind, um Brände schon in ihrer Entstehungsphase zu erkennen und frühzeitig die Feuerwehr zu alarmieren. Oft lösen diese Anlagen aus, ohne dass ein Schadenfeuer vorliegt – beispielsweise weil es im Produktionsprozess zur Bildung von Dampf oder Staub kommt und die automatischen Melder dies als Rauchentwicklung fehlinterpretieren. Die so verursachten Fehlalarme sind vor allem für all jene Feuerwehrleute ärgerlich, die während ihrer Arbeitszeit alles stehen und liegen lassen, um den vermeintlichen Brand zu löschen. „Standardmäßig fährt bei uns immer ein vollständiger Löschzug an“, erklärt Fais. „Dazu gehören zwei Löschfahrzeuge und die Drehleiter.“ Bei Fehlalarmen muss der Betreiber der Brandmeldeanlage die Einsatzkosten bezahlen. Vor einem Jahr kam es zu einem kuriosen Einsatz. Bei einer Firma hatte die Brandmeldeanlage ausgelöst. Als die Feuerwehr eintraf, brannte es nicht, aber ein Einsatz war trotzdem fällig. Bei eisigen Temperaturen war es zu einem Wasserrohrbruch gekommen, aufsteigender Wasserdampf löste die Anlage aus.

Auch sonst wurde die Feuerwehr immer wieder mit ungewöhnlichen Einsätzen konfrontiert. So zum Beispiel, als die Polizei um Hilfe anfragte, weil ein Tresor aus der Enz geborgen werden musste. Der auf einem Unimog aufgebaute Rüstwagen aus Enzweihingen wurde eingesetzt, um in unwegsamem Gelände bei Großglattbach einen abgestürzten Minibagger zu bergen. Bei einem Bahnunfall im Nebenwegtunnel war eine Arbeitslok entgleist, was ebenfalls die Feuerwehr auf den Plan rief. Ein Falke wurde gerettet und zur Falknerei gebracht.

Großalarm gab es, als eine Firma im Rieter Tal einen Gefahrgutunfall hatte. „Damals sind falsche Substanzen zusammengemischt worden“, erklärt der Feuerwehrkommandant. „Dadurch ist es zu einer extremen Hitze- und Rauchentwicklung gekommen.“ Firmenmitarbeiter brachten die Palette mit dem heißen Gemisch noch schnell ins Freie, wo sie durch die Feuerwehr gekühlt und mit einem Schaumteppich abgedeckt wurde. Hektik kam nur auf, als während dieser Arbeiten ein brennender Lastwagen auf der Enzweihinger Steige gemeldet wurde und ein Löschfahrzeug den Gefahrguteinsatz abbrechen musste, um sich auf den Weg zur Bundesstraße zu machen.




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