Geboren am 6. Januar 1950 in Mühlacker. Hier war er in der Jugendarbeit tätig, etwa auch als Vorsitzender des Stadtjugendrings. 1966 begann er seine Verwaltungsausbildung im Rathaus Wurmberg. Seiner ersten Prüfung zum gehobenen Verwaltungsdienst schloss er ein vierjähriges Jura-Studium in Heidelberg an, anschließend war er zwei Jahre Rechtsreferendar im Landgerichtsbezirk Karlsruhe. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung fand er eine Anstellung im Innenministerium, von wo aus er im Februar 1979 zum Enzkreis beordert wurde. Hier war der sechsfache Vater bis zu seiner Wahl zum Landrat (2003) 24 Jahre lang Sozialdezernent und zeitweise auch Verkehrs- und Finanzdezernent sowie Pressesprecher des Enzkreises.
Seit 2004 ist Röckinger Vorsitzender des Kommunalverbands Jugend und Soziales, einem großen Dienstleister für soziale Angelegenheiten. Des weiteren ist er in etlichen weiteren Gremien ehrenamtlich tätig, etwa als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Wohlfahrtswerks für Baden-Württemberg, das unter anderem Träger des Heimsheimer Seniorenpflegeheims ist. Kraft Amts ist Röckinger abwechselnd mit dem Pforzheimer Oberbürgermeister und dem Calwer Landrat Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse Pforzheim Calw. (os)
Landrat Röckinger wird 60
Enzkreis (os). In mehr als drei Jahrzehnten hat Landrat Karl Röckinger im Enzkreis bleibende Spuren hinterlassen – seit knapp sieben Jahren steht der Dürrmenzer an der Spitze der Kreisverwaltung. Morgen feiert der oberste Kreisbeamte seinen 60. Geburtstag. Wenn heute immer öfters die Rede davon ist, dass Politiker Visionen an den Tag legen sollen, dann gilt dies für Röckinger seit eh und je. Und ebenso war und ist der gebürtige Mühlackerer ein Verfechter innovativer Handlungsweisen, die er vor allem im Sozialbereich vorlebte. Die öffentliche Hand soll zuvorderst Hilfen zur Selbsthilfe geben, war dabei stets sein Credo. In Röckingers Amtszeit als Sozialdezernent – seit er 1979 vom Innenministerium dem Enzkreis als Landesbeamter zugeordnet worden war – verfolgte er die Prämisse, ein vielfältiges Hilfesystem aufzubauen, das den hilfsbedürftigen Menschen mit seinen ihm eigenen Fähigkeiten in den Vordergrund stellt. Gleichsam legte er den Ehrgeiz an den Tag, im Bereich der Jugendhilfe Kinder und Heranwachsende zuvorderst in der eigenen Familie zu helfen, statt sie auswärtig unterzubringen.„Wir hatten die richtigen Ideen und Ansätze, aber nicht immer die Träger, die willens waren, unsere Vorstellungen umzusetzen“, sagt Röckinger heute im Rückblick. Trotzdem war’s kein Kampf gegen Windmühlen – solche Hilfeträger wurden eben gegründet – wie den Verein „miteinander leben“, eine soziale Einrichtung, die sich für die Integration von Menschen mit Benachteiligungen einsetzt.Oder ein Beispiel aus der Arbeitsförderung: Auch die Gründung der „gemeinnützigen Service- und Integrationsgesellschaft“ (GSI) 1994 ist gewissermaßen Röckingers „Erfindung“. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Eingliederung von Sozialhilfeempfängern, Menschen mit Behinderungen und Langzeitarbeitslosen in das Arbeitsleben.Laut Röckinger ist es belegbar, dass das im Enzkreis aufgebaute individuelle Hilfesystem für Jugendliche, Behinderte und Senioren den Steuerzahler weit weniger belaste, als dies bei konventionellen Maßnahmen der Fall wäre. Ebenso ist er überzeugt, dass diese Konzepte im Einzelfall qualitativ auch besser sind. Unterm Strich seien die Aufwendungen im Sozialbereich im Enzkreis im landesweiten Vergleich traditionell unterdurchschnittlich niedrig. Überhaupt sind die Finanzen gleichsam ein Lieblingsthema von Röckinger, war er doch während seiner 24-jährigen Funktion als Sozialdezernent auch eine Zeitlang in Personalunion oberster Hüter der Kreisfinanzen. Dabei war ihm stets eine solide Finanzpolitik oberstes Ziel, ungleich konservativer jedenfalls als die meisten Kreisräte, die alljährlich mit dem Landrat um eine möglichst niedrige Kreisumlage feilschen.Röckinger indes verteidigt seine Politik: Im zu Ende gegangenen Jahrzehnt hat der Kreis seine Verschuldung von 57 auf 24 Millionen Euro abgebaut, während in der mittelfristigen Finanzplanung für Ende 2009 sogar ein Schuldenberg von rund 80 Millionen prognostiziert waren. Oder anders ausgedrückt: Es wurden nicht nur 33 Millionen abgebaut, zudem weitere 23 Millionen erst gar nicht aufgenommen. Effektiver Personaleinsatz, konsequentes Sparen und bei Investitionen auf wirtschaftliche Lösungen setzen sind das Rückgrat von Röckingers Sparkurs.Und trotzdem kann sich die Infrastruktur des Kreises sehen lassen: Schulbauten, die gerade bau- und energietechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden, ein gut ausgebautes Straßen- samt wachsendem Radwegenetz, ein erfolgreicher Neustart im Krankenhauswesen mit einem Neubau in Neuenbürg und ein funktionelles Nahverkehrskonzept mit drei Stadtbahn- und über drei Dutzend Buslinien – um nur einige Beispiele des Standes der Aufgabenerfüllung zu nennen.Aber auch „weiche Faktoren“ waren Röckinger stets wichtig: etwa die Kreispartnerschaften mit Reggio Emilia in Italien, mit dem oberschlesischen Braunkohlerevier rund um Myslowice und dem ungarischen Komitat Györ-Moson-Sopron. Dazu gehört auch die alljährliche Einladung oberschlesischer Kinder in die Sommerfrische zwischen Stromberg und Nordschwarzwald oder das traditionelle internationale Jugendcamp. „Das sind für mich Elemente einer Friedensarbeit, ein Beitrag zur europäischen Integration auch insbesondere in Bezug auf Länder des einstigen Ostblocks“, sagt Röckinger. Im Jahr sieben nach seiner Wahl 2003 stellt sich natürlich auch die Frage, wie er mit der im kommenden Jahr wieder anstehenden Landratswahl umgehen werde. „Natürlich werde ich wieder antreten“, bekräftigt Röckinger seine Aussage aus seiner Vorstellungsrede damals vor sieben Jahren, über eine Wahlperiode hinaus zur Verfügung stehen zu wollen.An Zukunftsaufgaben wird’s Röckinger und seiner Mannschaft sicher nicht mangeln: Da gilt’s in erster Linie den „Konzern“ Enzkreis durch sicher weniger ruhiges Fahrwasser zu schippern, da geht’s darum, den brachliegenden Deponieteil bei Maulbronn wenigstens ein Stück weit zu versilbern und auch endlich zu einer Tarifkooperation mit dem Verkehrsverbund Stuttgart zu gelangen. In eine Phantomdiskussion indes werde er sich nicht einmischen: Solche Schritte wären Aufgabe der künftigen Landespolitik – eine Zusammenführung der Stadt Pforzheim mit dem Enzkreis. An der bisher „gut funktionierenden Zusammenarbeit“ werde man selbstredend festhalten.
