Mittwoch, 23. Mai 2012

Offensive für Kurzarbeit




Chef der Arbeitsagentur Ludwigsburg: Johannes Klapper. Foto: Bögel
Chef der Arbeitsagentur Ludwigsburg: Johannes Klapper. Foto: Bögel

Ludwigsburg/Vaihingen (ub) – Die Wirtschaftskrise belastet zunehmend den Arbeitsmarkt – auch im Landkreis Ludwigsburg. Zum Jahresbeginn ist die Zahl der Arbeitslosen kräftig gestiegen. Im Januar wurden 11394 Arbeitslose gezählt, 1471 oder 14,8 Prozent mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sprang von 3,6 auf 4,2 Prozent.
Ein weiteres Indiz für die taumelnde Wirtschaft ist der Anstieg der Kurzarbeit: Seit 13 Jahren spielte das konjunkturelle Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit in Ludwigsburg so gut wie keine Rolle. Zwar gab es saisonale Meldungen, doch diese werden anders verbucht. Seit dem 1. Oktober haben 190 Betriebe nach Kurzarbeit nachgefragt, 4000 Beschäftigte arbeiten aktuell weniger. „Und da haben wir die Spitze bestimmt noch nicht erreicht“, befürchtet Johannes Klapper, Leiter der Ludwigsburger Arbeitsagentur.
„Die Wirtschaftskrise belastet zunehmend den Arbeitsmarkt. Auf der einen Seite registrieren wir die steigende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Auf der anderen Seite brechen die Stellenmeldungen der Unternehmen weg“, bilanziert Johannes Klapper die aktuelle Entwicklung auf dem regionalen Arbeitsmarkt. So wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und ARGE Arbeitslosengeld II in den vergangenen vier Wochen lediglich 473 offene Stellen gemeldet, 431 oder fast die Hälfte (47,7 Prozent) weniger als noch vor einem Jahr. Zur Monatsmitte befanden sich noch 1449 Stellen im Datenpool der Agentur, bei denen das Besetzungsverfahren noch nicht abgeschlossen war. Dies waren 421 Angebote oder fast ein Viertel (22,5 Prozent) weniger als zum Stichtag des Vorjahres.
Im Monatsverlauf meldeten sich 3608 Frauen und Männer aus dem Landkreis neu oder erneut arbeitslos, unter ihnen 2144 welche unmittelbar zuvor erwerbstätig waren. Dies sind 585 Personen oder ein starkes Drittel (37,5 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat und sie verdeutlichen die sich verschlechternden Rahmenbedingungen. Im Gegenzug endete für 2134 Personen die Zeit der Arbeitslosigkeit. Unter ihnen waren nur 712, denen der Sprung in eine Beschäftigung gelungen ist. Doch auch hier zeigt sich im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einem Minus um 204 oder gut einem Fünftel (22,3 Prozent), dass es für die Menschen durch das verkleinerte Angebot an freien Stellen wieder schwerer wird, einen Anschlussjob zu finden.
Mit dem Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,6 Prozentpunkte zum Dezember bewegt sich der Ludwigsburger Agenturbezirk exakt im Landesschnitt. In Baden-Württemberg erhöhte sich die Quote von 4,1 auf 4,7 Prozent. Allerdings weist Ludwigsburg jetzt mit 4,2 Prozent, neben Waiblingen, Göppingen und Reutlingen, nach Ravensburg (3,7 Prozent) die zweitniedrigste Arbeitslosenquote im Land aus.
Bis zum Herbst letzten Jahres profitierte der Arbeitsmarkt vom konjunkturellen Schwung. Im Januar nun der Einbruch: Der Anstieg der Arbeitslosenquote um knapp 15 Prozent ist der stärkste Zuwachs seit zehn Jahren. Allerdings, so die Einschätzung von Agentur-Chef Klapper, „die Unternehmen sind sehr bestrebt, die Mitarbeiter in ihren Reihen zu behalten“. Das wurde auch bei der Umfrage der Vaihinger Kreiszeitung von Samstag deutlich. So wird die beantragte Kurzarbeit als „wichtiges Signal“ gesehen.
Was ist Kurzarbeit? Konjunkturell bedingte Kurzarbeit ermöglicht dem Arbeitgeber, seine Mitarbeiter auch dann weiter zu beschäftigen, wenn in wirtschaftlichen Krisenzeiten zu wenige Aufträge vorliegen. Statt Arbeitnehmer entlassen zu müssen, können Unternehmer im Einvernehmen mit dem Betriebsrat Kurzarbeit einführen und bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beantragen. Unternehmen werden so in wirtschaftlich schweren Zeiten von Personalkosten entlastet. Kündigungen werden vermieden und die Betriebe müssen keine gut ausgebildeten und eingearbeiteten Mitarbeiter entlassen. Stattdessen kann die arbeitsfreie Zeit für die Weiterbildung der Mitarbeiter genutzt werden.
„Das ist natürlich auch unser oberstes Ziel, die Mitarbeiter in den Betrieben zu halten“, so Klapper gestern bei einem Pressegespräch in Ludwigsburg. „Massiv“ entgegenwirken wollen die Arbeitsagenturen im Landkreis Ludwigsburg der Unkenntnis, dass Kurzarbeitergeld nur etwas für die Großen sei. Klapper: „Kurzarbeit ist selbstverständlich auch in kleinen und mittleren Betrieben möglich.“
Der Appell des Ludwigsburger Agenturchefs geht deshalb an die Unternehmen, die im Landkreis rund 67000 Arbeitsplätze anbieten, sich mit dem Thema Kurzarbeit auseinander zu setzen Dazu startete die Arbeitsagentur eine regelrechte Offensive: „Wir sind intern so ausgestattet, dass wir Anfragen kurzfristig bearbeiten können.“ Klapper weiter: „Wir stehen mit der geschlossenen Mannschaft zur Verfügung.“




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