ENSINGEN (wes) – Die Musiker aller drei Orchester des Musikvereins Ensingen hatten sich für ihr Jahreskonzert 2009 Großes vorgenommen. Es ist ihnen gelungen, die Besucher in der Forchenwaldhalle nicht nur zu überzeugen, sondern sie zu begeistern. Der Titel „Classic Highlights“ ließ ungewöhnliche Musikerlebnisse erwarten und wenn man bedenkt, dass sogar ein höchst anspruchsvolles Werk wie Ravels „Bolero“ auf dem Programm stand, dann durfte man wahrlich auf dessen Darbietung sehr gespannt sein.
Doch bereits die jüngsten Mitwirkenden, die 18 Schüler im Alter zwischen acht und 13 Jahren, die in der Schülerkapelle zu hören waren, bewiesen mit erfreulichem Elan, dass sie fleißig geprobt hatten. Unter der Leitung von Stefan Seemüller spielten sie vier kurze Stücke. Melodien aus den Musicals „Die Schöne und das Biest“ von Alan Menken oder „Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber erklangen ebenso wie als Filmmusik das Zorro-Thema von James Horner oder schließlich aus der Oper „Hoffmans Erzählungen“ von Jacques Offenbach Teile der „Barcarole“ und eines Can-Can. Die Konzertbesucher hatten ihre Freude am gelungenen Auftritt der Schülerkapelle, durch deren Programm Annika Herkommer talentiert führte.
Noch routinierter musizierten danach die zwölf- bis 20-jährigen Angehörigen der Jugendkapelle unter der anfeuernden Leitung von Joachim Engel. Dieses Orchester umfasst 26 Musiker. Sie boten einen breit gespannten Bogen, der von der seelenvollen Opernmelodie von Giacomo Puccini, über eine flotte böhmische Polka von Norbert Gälle bis hin zu Welthits, wie einigen Teilen aus dem Film „Saturday Night Fever“ der Bee-Gees, dem orchestralen Ohrenwurm „Music“ von John Miles, dem Titel „It's not unusual“, mit dem vor mehr als 40 Jahren „the Tiger“ Tom Jones seine Fans eroberte, bis zum ultimativen Oldie „In the Mood“ von Glenn Miller reichte. Fabelhaft und sehr locker musizierte die Jugendkapelle und erhielt dafür soviel Beifall, dass die vorsichtshalber vorbereitete Zugabe in Form der Filmmusik „Fluch der Karibik“ von Klaus Badelt auch noch folgte. Durch diesen Programmteil führte gut gelaunt Johannes Gründler, der auch im großen Blasorchester später mitspielte.
Wie der Vorsitzende des Musikvereins Ensingen, Thorsten Seeger, erklärte, bringt sich der Verein bei der Nachwuchsförderung mit großem Engagement ein. Neben einer schon seit längerer Zeit bestehenden Blockflötengruppe existiert nun auch in enger Zusammenarbeit mit der Grundschule Ensingen eine Bläserklasse, in der 26 Jungen und Mädchen ausgebildet werden. Claudia Wagner, die auch im Musikverein Vaihingen aktiv mitarbeitet, leitet diese Gruppe, für die der Verein auch alle benötigten Instrumente beschaffte. Thorsten Seeger wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass dies ohne großzügige Spenden von Firmen und Mitbürgern nicht möglich gewesen wäre. Auch der örtliche Posaunenchor half mit Blasinstrumenten aus.
Dem großen Blasorchester des Musikvereins Ensingen gehören derzeit knapp 40 Musiker an. Unter der bewährten Leitung von Manfred Seyffer führten sie allein ein rund eineinhalbstündiges, sehr qualitätsvolles Programm aus, das nur von einer längeren Pause unterbrochen wurde. War schon die Darbietung der Ouvertüre zur Operette „Leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé ein opulentes Hörvergnügen, so steigerte sich dies erst recht bei der Wiedergabe des Geniestreichs von Maurice Ravel, dem „Bolero“, der auch schon als Filmmusik diente. Wenn sich ein Laienorchester an dieses populäre Werk heranwagt, das alle großen Sinfonieorchester der Erde in ihrem ständigen Repertoire haben, dann ist dies eine Herausforderung der Extraklasse. Ohne Frage gingen Dirigent Manfred Seyffer und seine Orchestermitglieder damit bis an die Grenzen dessen, was höchst ambitionierte Freizeitmusiker sich zutrauen können. Aber die Ensinger bewiesen am Samstagabend, dass sie solche musikalischen Kraftakte mit beeindruckender Souveränität zu bewältigen wissen. In zwölf Minuten erlebten die am Ende mit Begeisterung applaudierenden Zuhörer eine Aufführung, die Takt für Takt die immense Spannung der Komposition deutlicher werden ließ.
Nicht minder niveauvoll und musikalisch lebendig und bewegt führte das große Blasorchester unter der Leitung von Manfred Seyffer, der auch sachkundig durch das Programm begleitete, gern gehörte und große Musikalität der Ausführenden verlangende Kompositionen wie die Suite „L'Arlesienne“ von Georges Bizet, den melodienreichen Walzer „Geheimnisse der Etsch“, die temperamentvolle Tarantella „La Danza“ von Gioacchino Rossini, die rasante „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauss oder den immer wieder mitreißenden „Florentiner Marsch“ von Julius Fucik auf.
Und weil in Ensingen auch ein Tenor mit wohlklingender, hell timbriender Stimme lebt, war es selbstverständlich, dass dieser gleichfalls im Jahreskonzert des Musikvereins Ensingen mitwirkt. Karl-Heinz Häfner, den Musikvereins-Vorsitzender Thorsten Seeger als den „Pavarotti von Ensingen“ apostrophierte, sang außer dem Lied „Non ti scordar di me“ von Ernesto di Curtis. Noch mehr als mit dieser schönen Canzone überzeugte der Tenor jedoch mit der zur Zeit berühmtesten Arie aus einer Puccini-Oper „Nessun Dorma“ (Keiner Schlafe). Das Jahreskonzert 2009 des Musikvereins Ensingen endete unter anhaltendem, lebhaftem Applaus und erst nach Zugaben des großen Blasorchesters.
