Hauptschule: Nachwuchspolitiker sind positiv überrascht
Vaihingen – Die Vaihinger Hauptschüler kämpfen für den Erhalt ihrer Klassen an der Schlossbergschule. Dem Jugendgemeinderat präsentierten sie deshalb die Vorteile der Einrichtung. Ergebnis: Die Jungpolitiker sind positiv überrascht.
Die Hauptschule in der Vaihinger Kernstadt soll geschlossen werden. Das ist der Gedankenansatz der Stadtverwaltung. Den Schülern geht dieses Vorhaben jedoch gegen den Strich. Sie haben sich dazu entschlossen, für ihre Schlossbergschule zu kämpfen – mit allen Mitteln der Kunst. Ein Schritt: Das Gespräch auf Augenhöhe.
Am Mittwochnachmittag sind einige Mitglieder des Vaihinger Jugendgemeinderats (JGR) einer Einladung engagierter Hauptschüler gefolgt. Sie kamen, um sich die von der Schließung bedrohte Schule einmal genauer anzusehen. Präsentiert wurden ihnen die vielen Vorteile, die die Kernstadteinrichtung unter anderem zu bieten hat: Computerkurse, schulübergreifende Kooperationen, Theatergruppe, Schülerlotsen, Lerngruppen, Sportangebote. Alles ermöglicht durch Extrastunden, die zur Verfügung stehen, weil die Schule im Jahr 2002 als Brennpunktschule eingestuft wurde.
Wird die Schule, wie es die Stadtverwaltung erwägt, wirklich geschlossen, geraten diese Extraangebote in Gefahr. „Die Zusatzstunden, die uns zugestanden werden, sind nicht einfach auf die beiden Hauptschulen in Kleinglattbach und Enzweihingen übertragbar“, erklärte Rektorin Kathrin Lang den Jugendgemeinderäten. Auf genau diese Schulen müssten die Lernenden jedoch ausweichen, wenn der Hauptschulzug der Schlossbergschule dicht gemacht wird.
Auf den Nachmittag mit den Jungpolitikern hatten sich die Hauptschüler gut vorbereitet. „Die Aktion war ihre eigene Idee“, erläuterte Jema Sautoglu, die als Lehrerin Ansprechpartner für die Schülermitverantwortung (SMV) ist. Die Catering-Gruppe, die auch bei Kulturangeboten in der Peterskirche für die Verpflegung sorgt, wartete mit frisch gebackenen Keksen auf. Die Pausenpaten und Schülerlotsen stellten ihre Arbeit vor, die Kunstgruppe ihre Kooperation mit dem Nussdorfer Ausstellungshaus „Kunstwerk“.
Im Computerraum staunten die Jugendgemeinderäte nicht schlecht. Die Hauptschüler stellten ihre Fähigkeiten am Rechner unter Beweis. Powerpoint-Präsentationen, nahezu perfekt layoutete Word-Dokumente und eine eigene Homepage zählen zum Repertoire. „In diesem Punkt seid ihr uns sogar ein bisschen voraus“, sagte Gymnasiast Rudi Natterer, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal in den Jugendgemeinderat gewählt wurde.
Und auch sonst sind die Vertreter der Vaihinger Jugend positiv von der Schule überrascht. „Ich bin überwältigt von der Präsentation“, meinte Rudi Natterer. Er und seine JGR-Kollegen hätten mit einer kleinen Gesprächsrunde gerechnet. Geboten wurde jedoch viel mehr: Tanzeinlagen, Chorgesang und Wortbeiträge der beiden Schülersprecher Chiara D’Amato und Fatbardh Mehmeti. „Ich glaube, dass wir uns einig sind, dass das, was wir gesehen haben, erhaltenswürdig ist“, sagte Natterer.
Eine Entscheidungskompetenz besitzt das Vaihinger Jugendparlament zwar nicht, wohl aber das Recht im Gemeinderat der Stadt gehört zu werden. Ob die Nachwuchspolitiker von diesem Recht Gebrauch machen und wie die offizielle Meinung des Gremiums in Sachen Hauptschule lautet, muss in einer Sitzung des Jugendgemeinderats beschlossen werden.
Eines dürfte aber klar sein: Die Vertreter des Jugendparlaments, die sich die Hauptschule angesehen haben, unterstützen die Meinung des Löwenchors der Grundschule. Der gab gesanglich bekannt: „Vaihingen ist eine tolle Stadt, die eine schöne Hauptschule hat.“
Philipp-Marc Schmid
