Verkaufswagen beenden Lebensmittel-Notstand
Häfnerhaslach (rkü) – Beinahe 30 der insgesamt nur 670 Einwohner von Häfnerhaslach haben sich gestern Vormittag in die Schlange eingereiht, die sich mitten im Ort vor einem Metzger-Verkaufswagen gebildet hatte. Dieser machte erstmals Station und soll durch mobile Bäcker, Fischhändler und einen Anbieter von Obst und Gemüse ergänzt werden.
Damit soll drei Wochen nach der altersbedingten Aufgabe der Metzgerei als einzigem Lebensmittelgeschäft in Häfnerhaslach die Grundversorgung gesichert bleiben. Ortschaftsräte um Joachim Liebherr hatten sich dafür eingesetzt, die Versorgung durch Verkaufswagen mobiler Händler auszuweiten. Schon seit vielen Jahren stand Häfnerhaslach auf der Route eines Bäckers, der auch gestern durch den Ort fuhr und Brot an seine Stammkundschaft verteilte. Die eingeplante Pause im Ortskern fiel zwar gestern aus, doch von Freitag an soll der Verkaufswagen der Sachsenheimer Holzofenbäckerei Keppler wenigstens eine Stunde lang neben dem Wagen der Metzgerei Dyndas aus Güglingen aufgestellt werden. Das böte den Einwohnern die Möglichkeit, mit einem Gang mehrere Einkäufe zu erledigen.
„Einige Händler kommen schon seit Jahren zu uns“, erläuterte Joachim Liebherr gestern. „Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn alle gleichzeitig da wären und ein Karussell bilden würden.“ Sachsenheims Bürgermeister Horst Fiedler gehörte gestern zu den ersten Einkäufern. „Ich habe Aufschnitt gekauft. Und Wienerle für meinen Sohn“, sagte Fiedler. Er freue sich, dass nach dreiwöchiger Pause wieder Fleisch und Wurst in Häfnerhaslach verkauft werden. Doch nicht nur die klassischen Waren einer Metzgerei sollen in dem Verkaufswagen angeboten werden. Else Dyndas, die gestern hinter der Theke stand, kann auf 25 Jahre Erfahrung in diesem Metier verweisen. „Freitags haben wir Hähnchenschlegel dabei, diesen Freitag auch Maultaschen. Außerdem gibt es bei uns H-Milch, Mehl, Zucker, Salz und Eier.“ Normalerweise solle ihr Mann den Wagen in Häfnerhaslach betreuen, ergänzte sie. Franz Dyndas ist Inhaber einer Metzgerei in Güglingen-Eibensbach und vertreibt seine Waren mit Hilfe von sieben Verkaufsmobilen an insgesamt 35 Stellen, teils auf Wochenmärkten und teils in Ortschaften ohne eigene Metzgerei.
Die Warteschlange vor dem Wagen bot gestern eine gute Gelegenheit zum Meinungsaustausch. Die Freude über die neu geschaffene Einkaufsmöglichkeit war bei allen Beteiligten groß. Einige Einwohner äußerten Bedenken, ob sich ein fest eingerichteter Laden für den Betreiber gelohnt hätte. Dann lieber Verkaufswagen verschiedener Geschäfte, die dafür auf Jahre hinaus die Grundversorgung sicherstellen. Allerdings wünschten sich einige Bürger, dass die Wagen statt drei Stunden in der Ortsmitte lieber dreimal eine Stunde an verschiedenen Stellen halten würden.
