Sersheim (elf) – Im Kampf um den Erhalt der Hauptschule in Sersheim lässt sich Bürgermeister Jürgen Scholz mitsamt Schulleiter Werner Wöhr immer wieder etwas Neues einfallen. Die jüngste Idee: Die Hauptschüler aus Oberriexingen, die bislang in Enzweihingen zur Schule gehen, sollen künftig in Sersheim unterrichtet werden.
So viel vorneweg: Das Sersheimer Gedankenspiel ist noch mit vielen Fragezeichen behaftet. Bis zu einer potenziellen Realisierung des Vorhabens müssten noch einige wesentliche Vorzeichen erfüllt sein. 1. Die Stadt Vaihingen müsste ihre Hauptschule in der Kernstadt schließen. 2. Die Sersheimer Hauptschule müsste in den Status einer Werkrealschule erhoben werden. 3. Der ÖPNV müsste eine Buslinie zwischen Sersheim und Oberriexingen einrichten.
Schon vor Jahresfrist überlegte der Sersheimer Schultes Jürgen Scholz, wie er den sinkenden Schülerzahlen und damit einer drohenden Schließung der Hauptschule entgegenwirken könne. Realschule statt Hauptschule lautete das Ziel. Der positive Rücklauf einer Umfrage unter der Bevölkerung zeigte dem Rathauschef, dass er sich auf dem richtigen Weg befand. Rund 90 Prozent der in Frage kommenden Familien waren dafür. Doch das Kultusministerium machte Scholz einen Strich durch die Rechnung. Eine Realschule hätte es nur dann gegeben, wenn sie zwei- oder gar dreizügig gewesen wäre. Doch dafür reichten die Schülerzahlen nicht aus.
Dann erfuhr Scholz davon, dass Vaihingen plant, eine Hauptschule zu schließen. Da sich in diesem Falle die Hauptschüler der Gesamtstadt auf zwei Schulen verteilen würden, „wären die dort vielleicht nicht undankbar, wenn man die Schüler aus Oberriexingen in Sersheim eingliedern würde“, so Scholz. Außerdem würde nach Ansicht des Sersheimer Bürgermeisters auch die Fahrtzeit der Oberriexinger erheblich verkürzt werden.
„Mit den Schülern aus Oberriexingen ist es kein Problem, unsere Hauptschule langfristig zu halten“, ist sich Scholz sicher. Dann wäre auch die Zweizügigkeit durchgängig gewährleistet. Die Infrastruktur der jüngst modernisierten Sersheimer Hofäckerschule sei bestens dafür geeignet. „Wir haben eine Mensa und sind auch sonst bestens ausgestattet“, hebt der Bürgermeister die Vorzüge der Schule hervor. Wenn sich Vaihingen für die Schließung einer Hauptschule entscheide, könne die Eingliederung der Oberriexinger Schüler bereits zum Schuljahr 2010/11 erfolgen. 103 Hauptschüler gibt es derzeit in Sersheim. Jede Klassenstufe ist mit einer Klassen besetzt, die fünfte Klasse ist sogar zweizügig.
In Oberriexingen gibt es derzeit 26 Hauptschüler, die sich auf alle Klassenstufen verteilen. „Ich nehme an, dass unsere Schüler ohne kommunalpolitischen Probleme nach Sersheim fahren könnten“, sagt Bürgermeister Willi Baur. Zwar seien die Bürger in ihrer Schulwahl frei, doch „wir würden ihnen Sersheim empfehlen“. Einen zusätzlichen Gewinn verspricht sich der Oberriexinger Schultes: „Wir würden endlich eine Busverbindung nach Sersheim bekommen.“ Allerdings, so Baur, mache es nur einen Sinn, wenn die Hofäckerschule in Sersheim auch Werkrealschule werden würde. Wenn nicht, würden die Oberriexinger Hauptschüler eben weiter nach Enzweihingen gehen. Laut einer vertraglichen Verpflichtung müsse Enzweihingen die Oberriexinger Schüler sogar aufnehmen, da die kleinste Stadt im Landkreis sich 1971/72 am Bau der Enzweihinger Schule finanziell beteiligt hatte.
„Die Oberriexinger sind in ihrer Entscheidung frei“, sagt der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch. „Wir glauben aber, mit der Werkrealschule ein attraktives Angebot machen zu können, weil sie ein breites Spektrum an Möglichkeiten eröffnet.“ Sollte die Vaihinger Hauptschule geschlossen werden, würden die Schulbezirke aufgehoben, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. Die 417 Hauptschüler der Gesamtstadt verteilen sich derzeit auf Vaihingen (170), Enzweihingen (147) und Kleinglattbach (100).
