Dienstag, 22. Mai 2012

Großglattbach: Ein LKW auf Abwegen




Ein Lastwagen ist gestern bei Großglattbach im Steilhang verunglückt und hat eine Gartenhütte plattgewalzt.
Ein Lastwagen ist gestern bei Großglattbach im Steilhang verunglückt und hat eine Gartenhütte plattgewalzt.

Großglattbach (elf/rkü) – Eine Stunde nach einem spektakulären Unfall war ein 45-jähriger Lkw-Fahrer noch ganz blass. Grund für den Schock: Gegen 10.30 Uhr machte sich sein Lkw samt Anhänger auf der Bus-Wendeplatte am Ortseingang von Großglattbach selbstständig, rollte über die Straße und einen rund 20 Meter tiefen Abhang hinunter. Neben einem Baum wälzte der Laster auch noch eine Gartenhütte nieder und kam in einem Schrebergärtchen zum Stehen.

Wie konnte das Malheur passieren? Der Mann war mit seinem Laster von Ludwigsburg nach Niefern-Öschelbronn unterwegs und hatte sich verfahren. Um seine teure Fracht – er hatte eine Erdbohrungsmaschine geladen – pünktlich zum Zielort zu bringen, wollte er bei der Wendeplatte am Großglattbacher Ortseingang von Aurich her kommend umdrehen. Dort gab es plötzlich Probleme mit der Bremsanlage. Der Fahrer stieg bei laufendem Motor aus, um nachzusehen. Dreimal sei er um den Laster marschiert, ehe er sich plötzlich in Bewegung setzte. „Ich bin noch hinterhergerannt um das Führerhaus zu erreichen, doch da war nichts mehr zu machen“, sagte der 45-Jährige. Er konnte dem Drama nur noch zusehen.

Zur Schadenshöhe konnte die Polizei gestern keine Angaben machen. Der Lkw samt Bohrmaschine und Anhänger, auf dem ein Kompressor geladen war, hatte einen Wert von rund 600000 Euro. Weil das Gefährt mit seiner Ladung viele Tonnen schwer war, gestaltete sich die Bergung äußerst schwierig. Es wurde schweres Gerät von mehreren Spezialunternehmen zusammengezogen, um den Lastwagen zunächst zu fixieren und dann Bohrer, Anhänger und Zugmaschine einzeln aus dem Steilhang zu hieven. Das Problem war, dass die Landstraße an dieser Stelle nur eine sehr begrenzte Aufstellfläche für den Autokran bot und dass der Unglückslastwagen in großer Entfernung von der Straße steckengeblieben war. In aufwendiger Handarbeit mussten die verunglückten Fahrzeuge und die Ladung voneinander getrennt werden, bevor die Bergung erfolgen konnte. Die Straße zwischen Großglattbach und Aurich blieb bis zum Abend voll gesperrt. Im Gegensatz zum üblichen Verfahren bei Unfällen, die Sperrung durch quergestellte Streifenwagen vorzunehmen, wurden gestern mehrere Sperrschilder aufgestellt – den Experten war schnell klar, dass die Bergung viele Stunden in Anspruch nehmen werde. Vor Ort waren auch das Umweltamt und die Feuerwehr im Einsatz, weil die Gefahr bestand, dass der Lastwagen Kraftstoff und Motorenöl verlor.

Die Arbeiten wurden über Stunden hinweg von etwa 20 Schaulustigen verfolgt. Einige der Großglattbacher, die unterhalb der Unglücksstelle standen, hatten an diesem Steilhang schon mehrfach Unfälle mit Personenwagen erlebt. Manche äußerten gestern ihr Unverständnis darüber, dass die Straßenbehörden in diesem Bereich nicht längst Leitplanken installiert hätten.




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