Ensingen (aa) – Thomas Schmid, Rettungstaucher der DLRG-Ortsgruppe Vaihingen, ist nur wenige Minuten im ein Grad kalten Wasser. Doch er ist froh, als ihn die Kollegen wieder aus dem Loch im Eis ziehen. Unter der immer noch 15 Zentimeter dicken Eisdecke auf dem Ensinger See hat sich gestern Vormittag bei der Übung dann doch ein „Gefühl der Beklommenheit“ eingestellt.
Treffpunkt Ensinger See. An der Südseite drehen noch Schlittschuhläufer ihre Runden. An der Nordseite beim Auslauf sind Fahrzeuge der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Vaihinger Feuerwehr aufgefahren. 27 „Einsatzkräfte“ sind vor Ort. Eigentlich war die „Eisübung“ ja in der Enz in Vaihingen geplant, doch da hat wohl die Berufsgenossenschaft nicht mitgespielt. In fließenden Gewässern sei das zu riskant.
Mit der Kettensäge werden zwei Dreiecke in den Eispanzer geschnitten. Die Fische müssen auch diesen Lärm aushalten. Detlef Staffe von der Vaihinger DLRG-Ortsgruppe hat das Szenario entwickelt. Eine Person ist eingebrochen, wird angenommen, eine zweite Person, die versucht, Hilfe zu holen, wird vermisst. Die DRK-Leute der Schnelleinsatzgruppe des Vaihinger Ortsvereins schwärmen aus, um den Vermissten zu suchen. Und sie werden bald fündig.
Bei einem Ernstfall auf dem Eis müssen in der Regel keine Löcher geschlagen werden. Wer eingebrochen ist, hat eine Öffnung hinterlassen. Doch diese Situation hatten die Vaihinger DLRGler des Vaihinger Ortsvereins (rund 400 Mitglieder, zehn aktive Rettungstaucher) zum Glück noch nie. Bei der Übung mit den Kollegen aus Bönnigheim und Ludwigsburg können sie sich am Sonntagmorgen ganz konzentriert auf den Tauchgang vorbereiten. Und am Ufer wird alles exakt protokolliert.
„Eigentlich ist jetzt Gottesdienstzeit“, mahnt eine Jogger die DLRG-Leute, „in Ensingen läuten die Glocken und sie machen hier einen solchen Lärm.“ Man einigt sich freundlich, das eventuell bei anderen Übungen zu berücksichtigen. Aber viele Ehrenamtliche seien halt samstags auch beruflich und familiär gebunden.
Thomas Schmid steigt als Erster in den See. Seit elf Jahren ist er Taucher. Unter dem Eis war er noch nie. Schmid wird natürlich angeleint. Steffen Tannenbaum muss ihm die Notfallregeln nicht groß erklären. Ein Zug an der Leine bedeutet Notausstieg, sofort zurück.
Fünf, sechs Minuten ist Schmid unter der Eisdecke. Man erwartet ihn eigentlich am zweiten Loch, das in Ufernähe kaum 20 Meter vom ersten ins Eis geschnitten wurde. Selbst den Schnee hat man weggekratzt, um eine „Lichtspur“ zu legen. Das hat alles nichts geholfen. Schmid kommt am Einstiegsloch wieder ans Tageslicht. „Ich habe absolut nichts gesehen“, meint er und schnuft tief durch. Es sei unter dem Eis schon ein anderes Gefühl beim Tauchen, „denn man kann nicht einfach wieder hoch“.
Während Schmid im See ist, steht Michael Brändle von der Bönnigheimer Gruppe als Sicherungstaucher parat. So ist es Vorschrift. Auch Brändle macht Erfahrungen wie Schmid. Im Verlauf der Übung werden noch Kompass und Unterwassertelefon eingesetzt. „Wir wollen alle Möglichkeiten austesten“, sagt Detlef Staffe und hofft, dass er und seine Truppe nie einen echten Eiseinsatz angehen müssen.
