Vaihingen/Erdmannhausen (phs) – Der Bauernverband Heilbronn-Ludwigsburg beklagt erneut zu niedrige Milchpreise. Aber nicht nur das: Auch die Erträge aus anderen landwirtschaftlichen Tätigkeiten seien zu niedrig, um davon gut leben zu können. Beim Bauerntag in zwei Wochen wollen sie ihrem Ärger Luft machen.
Unter anderem sind es, wenn man den organisierten Bauern im Raum Ludwigsburg und Heilbronn glaubt, strukturelle Probleme, die Schuld an der unbefriedigenden Ertragslage in der Landwirtschaft haben. Dazu komme bei den Milchbauern der niedrige Preis, den Molkereien für einen Liter des weißen Erzeugnisses bezahlen wollen. „Alle Versprechungen aus dem vergangenen Jahr sind wieder vom Tisch“, beklagt der Vaihinger Stadtrat und Bauernverbandsvorsitzende Eberhard Zucker. Die
Preise seien erst etwas nach oben gegangen und seit dem wieder gefallen.
Milchbauer Horst Stegmaier aus Erdmannhausen kann davon ein Lied singen: Im Januar 2007 bekam er 27 Cent pro Liter Milch, im Januar 2008 waren es 40 Cent. Zwölf Monate später war der Preis wieder auf runde 28 Cent gefallen. „Das ist doch irre“, sagt Stegmaier, der seine Milch an die Hohenloher Molkerei liefert. Bei den Bauern rund um Vaihingen seien die erzielten Preise ähnlich.
Ein Weg aus der finanziellen Krise ist die Vergrößerung der Betriebe, also mehr zu produzieren. Aber das ist gar nicht so einfach: Erstens ist die Menge Milch, die jeder Bauer bei der Molkerei abliefern darf, begrenzt. Die Landwirte müssten sich das Recht auf Mehrproduktion erkaufen. Und zweitens sei die Struktur des Ballungsraumes nicht perfekt. „Die Bauern können nicht einfach ihre Ställe vergrößern“, sagt Zucker. Und weiter: „So viel Platz gibt es hier gar nicht.“ Die Entfernung zwischen Ortschaften sei zu gering.
Eine Lösung könne es deshalb sein, Partnerschaften mit anderen Bauern zu gründen und gemeinsam zu produzieren. Aber nicht nur auf Seite der Produzenten herrscht laut Bauernverband Handlungsbedarf. „Die Verbraucher sagen immer, dass sie auch bereit wären, mehr für den Liter Milch zu bezahlen. In Wirklichkeit greifen sie dann aber auf das nächste Angebot eines Discounters zurück“, ärgert sich Eberhard Zucker. Die Verbraucher müssten zu ihrem Wort stehen und den Milchbauern den Rücken stärken.
Gefallene Preise plagen die Bauern nicht nur in Sachen Milch. Auch bei Getreide und Mais lohne sich der Ertrag nicht. „Normalerweise schließen wir mit unseren Abnehmern schon vor der Ernte Lieferverträge ab“, sagt Zucker. Bei der Braugerste liege der gebotene Preis mit 23 bis 25 Euro jedoch unter der Kostendeckungsgrenze. Ein Vertrag lohne sich unter diesen Umständen nicht. Der niedrige Preis sei zustande gekommen, weil im vergangenen Jahr so viel geerntet werden konnte, dass die Lager noch voll sind und die Abnehmer nicht auf die Verträge angewiesen sind.
Eberhard Zucker beschäftigt noch ein weiteres Problem, das vor allem Wengerter mit Steillagen treffen dürfte: Das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln ist in Zukunft per Helikopter und Flugzeug verboten. „Für einige Wengerter bedeutet das den Tod.“ Diese Vorschrift müsse unbedingt bekämpft werden, sie sei reiner Schwachsinn.
Diese Themen wollen die Mitglieder des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg auch bei ihrem Bauerntag in zwei Wochen zur Sprache bringen. Zu der Veranstaltung am 30. Januar in der Turn- und Sporthalle Schwieberdingen wird auch der Bundesvorsitzende der Bauern, Gerd Sonnleitner, erwartet. Von ihm erwarten sich die Mitglieder unter anderem Lösungsansätze und Auskunft darüber, für was sich der Verband in Zukunft stark machen möchte.
