Luig-Areal in Illingen: Mieter müssen weichen
Illingen (elf) – Für den Außenstehenden stellte sich das Luig-Areal in Illingen in den letzten Jahren vorwiegend als ominöse Industriebrache dar. Da hausten Obdachlose – Firmen, von denen keiner so genau wusste was sie machten, hatten dort ihren Sitz. Nachdem die Gemeinde Illingen das Grundstück 2008 gekauft hat, kommt nun Bewegung hinein. Bis Quartalsende soll das Areal in den Besitz der Gemeinde übergehen.
„Wir werden das Grundstück laut Vertrag zum 31. März übergeben“, sagte Rechtsanwältin Cornelia Hübner von der Kanzlei Brennecke und Partner gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Sie vertritt die Familie Stanelle, der das Grundstück nahe des Illinger Ortszentrums (noch) gehört. Zu einer ordnungsgemäßen Übergabe des Grundstücks kann es allerdings erst kommen, wenn es sämtliche Bewohner und Unternehmen verlassen haben. Deswegen wurden von Besitzerseite sämtliche Mietverhältnisse zum 31. Dezember 2008 gekündigt. Viel Arbeit für die Anwältin, denn insgesamt liege die Anzahl der Mietverträge „im guten zweistelligen Bereich“. Der Illinger Bürgermeister Harald Eiberger sprach von „ungefähr drei Dutzend Vertragsverhältnissen“. So wurden auf dem Gelände nicht nur gesamte Hallen und Gebäude, sondern auch einzelne Parzellen vermietet. „Hierbei ist jeder Mieter einzeln zu betrachten“, sagte Cornelia Hübner.
Bei Einzelfällen
Übergangsfristen eingeräumt
Die meisten Mieter hätten das Grundstück bereits verlassen. Am 5. Januar hätten einige Übernahmen stattgefunden. Bei Einzelfällen sei es allerdings nötig gewesen, Übergangsfristen einzuräumen. Es sei nicht jedem möglich gewesen, einen neuen Standort zu finden. Für Mieter sei es generell nicht erfreulich, wenn sie sich neu orientieren müssten. Deshalb sei es wichtig, jede Situation einzeln zu betrachten. „Wir sind mit allen Mietern im Gespräch“, bekräftigte Cornelia Hübner. Eiberger wusste zu berichten, dass „einige der Sorgenkinder“ bereits weg seien.
Abrissarbeiten so
schnell wie möglich
Sind Ende März alle Gebäude leer, wird es zwischen der Gemeinde Illingen und den Rechtsvertretern der Grundstücksverkäufer zu einem Abnahmetermin kommen. Wenn es nach dem Illinger Schultes ginge, könnten die Abrissarbeiten auf dem Luig-Areal so schnell wie möglich beginnen. „Je schneller, je lieber“, sagte Eiberger. „Ich kann aber erst dann etwas mit dem Grundstück anfangen, wenn es leer ist.“ Er gehe allerdings davon aus, dass die Verkäuferseite „die vertragliche Regelung erfüllt“. Wenn dann noch vom Landratsamt Enzkreis die Genehmigung des Gemeindehaushalts vorliege, „können wir dort loslegen“.
Auf dem Luig-Areal, das von vielen Illingern auch als Stanelle-Areal bezeichnet wird, soll eine Mischung aus Handel, Dienstleistung und Wohnbebauung entstehen. Knapp 2,4 Hektar des insgesamt rund vier Hektar großen Geländes ist für Wohnen vorgesehen. Vor 2010 kann allerdings mit der Bebauung nicht begonnen werden. Bebauungsplanänderung, Abriss, Bodensanierung und Bodenaustausch – und dann müssen auch noch potenzielle Investoren Interesse zeigen.
Seinen hohen Bekanntheitsgrad hat das Grundstück seinem Namensgeber Wilhelm Luig zu verdanken, der dort 1899 in einer Wellblechhalle mit zehn Beschäftigten und einer Dreschmaschine startete, um die Getreideernte der Bauern zu dreschen. Bereits ein Jahr später wurde mit Schlosserarbeiten und einer Drahtflechterei begonnen. Später spezialisierte sich die Firma auf Umbauten und Verstärkungen von Eisenbahnbrücken. Im Laufe der Jahre kamen weitere Fertigungen hinzu. Zum Stahlhoch- und Brückenbau gesellten sich Aufbereitungsanlagen, Förderanlagen und Ofenbau. In den 70er Jahren geriet das Unternehmen ins Schlingern und wurde 1982 veräußert. Neuer Inhaber war Karl-Heinz Stanelle, der den Betrieb als Stahlbau Illingen weiterführte, bis im April 2000 das Insolvenzverfahren eingeleitet wurde. Wenige Monate später schloss das Stahlbauunternehmen endgültig seine Pforten.
