Dienstag, 22. Mai 2012

"Kultur-Ecke" statt "Grüne Oase"




So stellen sich die Planer den Bereich hinter der Peterskirche vor. Grafik: Büro Schmid, Treiber und Partner
So stellen sich die Planer den Bereich hinter der Peterskirche vor. Grafik: Büro Schmid, Treiber und Partner

Vaihingen (elf) – Pläne für die Umgestaltung des unwirtlichen Geländes hinter der Vaihinger Peterskirche gibt es schon lange. Seit Jahren fristen Unterlagen darüber in einer Schublade der Stadtverwaltung ein Schattendasein – das Geld zur Umsetzung fehlte. Dies ist jetzt vorhanden. Noch in diesem Jahr soll dort eine „Kultur-Ecke“ entstehen. Diese Beschlussempfehlung gab der Stadtteilausschuss nun an den Gemeinderat ab.
„Die ‚Kultur-Ecke‘ besticht durch ihre ruhige Gestaltung und ihre klare Struktur“, sagte Alexander Buchmüller vom Planungsbüro Schmid, Treiber und Partner in Leonberg. Bei ihr handele es sich um ein kleines Freilichtmuseum für kleine Veranstaltungen im Außenbereich. Die „Kultur-Ecke“ biete allerdings auch Flächen für Erholungssuchende und sei somit ein idealer Platz für die Mittagspause. Auch für die Pausen während Veranstaltungen in der Peterskirche sei sie hervorragend geeignet. Auf Grund ihrer Beschaffenheit sei die „Kultur-Ecke“ sehr robust und somit potenziellem Vandalismus nicht zu sehr ausgesetzt. Zugänge für die Gärtner seien vorhanden – alles in allem sei sie sehr pflegeleicht.
Als Alternative stellte Landschaftsarchitekt Buchmüller die Planung einer „Grünen Oase“ vor. Sie glänze durch ihren parkähnlichen Charakter und zeichne sich durch ihren „natürlichen Gesamteindruck und ihre harmonischen Kontraste“ aus. Bei dieser Planung führt ein Weg durch das Gelände, der von plätscherndem Wasser begleitet wird, bis hin zu einer Verweilmöglichkeit am Ende. Bei dem „Minipark in der Stadt“, wie ihn Buchmüller nannte, dominiere „ein Durchgangsweg mit Naherholungscharakter“.
In der anschließenden Diskussion sprach sich eine klare Mehrheit für die „Kultur-Ecke“ aus. Uwe Schwarz wies darauf hin, dass mit der Umsetzung auch die Rücksicht auf die umliegende Nachbarschaft gewährt werden müsse. Lars Keller konnte sich unterdessen die Bezeichnung „Speakers Corner“ (Redeecke im Hyde Park in London, Anm. d. Red.) nicht verkneifen und sprach von einer „attraktiven Pausensituation“.
Jürgen Rapp warnte davor, die „Kultur-Ecke“ nachts offen zu lassen, weil sie auf Grund ihrer versteckten Lage und dunklen Beschaffenheit zu Vandalismus einlade. „Den Tag werden wir erleben, an dem dort die Grabsteine umgeworfen werden“, sagte Rapp. Oberbürgermeister Gerd Maisch entgegnete, dass es schade wäre, eine Fläche zu schaffen, „die an 150 Tagen im Jahr geschlossen ist“. Armin Zeeb forderte noch viel mehr solcher Plätze. Dann würde sich auch der Vandalismus in der Stadt entflechten. Ernst Loos, Leiter des Stadtplanungsamts, wies darauf hin, dass das Viertel gerade dann stark fluktuiert werde, wenn es sehr verstrüppt ist. Außerdem sei mit einer entsprechenden Beleuchtung eine gute Kontrolle zu erreichen. Harald Gaßner fand, dass die „Kultur-Ecke“ zur Belebung der Innenstadt beitragen würde. Je mehr der Platz belebt werde, desto weniger Vandalismus würde dort stattfinden.
Ursula Reitter-Bellini und Ulrich Grau sprachen sich für die Realisierung der „Grünen Oase“ aus. „Das wäre mir lieber und für die Anwohner viel schöner“, sagte Reitter-Bellini. Eine „Kultur-Ecke“ würde ihm an anderer Stelle auch besser gefallen, sagte Ulrich Grau. Sie würde ohnehin zu einem „Treffpunkt für die Jungs“ werden.
Bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung votierte das Gremiums am Ende für die „Kultur-Ecke“. Rund 92000 Euro soll die Baumaßnahme kosten, die nach dem Willen der Verwaltung noch in diesem Jahr realisiert werden könne. Das letzte Wort hat allerdings der Vaihinger Gemeinderat, der am 28. Januar in öffentlicher Sitzung darüber abzustimmen hat.




Seitenanfang