Dienstag, 22. Mai 2012

Kälte: Arbeiten im Spitalhof 4 ruhen




Erst wenn es wärmer wird, kann an den Wänden der Grundputz aufgebracht werden. Foto: Elsässer
Erst wenn es wärmer wird, kann an den Wänden der Grundputz aufgebracht werden. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker bezeichnet es selbst als „Jubiläumsprojekt auf historischem Boden“ – ein Projekt, für das Vereinsmitglieder, Angehörige und Freunde bislang rund 700 freiwillige Arbeitsstunden als Eigenleistung erbracht haben. Doch im Moment arbeiten nicht einmal die Handwerker im Spitalhof 4. Grund: Es ist zu kalt.
Die Innenwände des historischen Gebäudes warten auf den Grundputz. Doch: „Bei den anstehenden Mauerarbeiten würde der Speis gefrieren“, sagt Architekt Eberhard Lämmle. Das Haus für die Tätigkeiten einzuheizen sei zu teuer. „Das würde in keinerlei Relation zu den Kosten stehen“, weiß der Vaihinger Architekt. Also heißt es jetzt abwarten, bis es wieder etwas wärmer wird. Mindestens fünf Grad brauchen die Stukkateure, damit der Putz anhaftet und nicht angefriert. Eberhard Lämmle und Sandra Sailer, Geschäftsführerin der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Vaihingen-Mühlacker, sind dennoch zuversichtlich, dass der gesteckte Zeitrahmen eingehalten werden kann. Der sieht vor, dass die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen im Herbst abgeschlossen werden.
Die Lebenshilfe möchte in dem Haus, das sie von der Stadt Vaihingen zu günstigen Konditionen erworben hat, ambulant betreutes Wohnen für sieben Bewohner unterbringen, die zwar eine Behinderung haben, die aber weitgehend selbstständig und in Eigenverantwortung leben können. In festgelegten Betreuungszeiten werden sie von Fachkräften der Lebenshilfe begleitet. Als Wohnbereich entstehen im Ober- und Dachgeschoss sieben Einzelzimmer samt Sanitärräume, Aufenthaltsbereich und Küche. Ein Aufzug soll für eine einfache Zugänglichkeit der oberen Etagen sorgen. Im Erdgeschoss soll ein 46 Quadratmeter großer Saal mit Küche und Nebenräumen entstehen. Dieser Bereich soll künftig für die Angebote der Offenen Hilfen, zwanglose Begegnungen, Besprechungen und kleinere Veranstaltungen genutzt werden.
Los ging es mit den Eigenleistungen im Juli 2008. Bis Mitte Oktober haben beinahe an jedem Samstag fünf bis zehn Helfer in schweißtreibender und staubiger Arbeit das Stemmeisen geschwungen. 700 Arbeitsstunden, die als Eigenleistung angerechnet werden, sind so zusammengekommen. Dies hat dem Verein bislang eine Menge Geld gespart. Professionelle Anleitung gab es von Vorstandsmitglied und Glasereibesitzer Reinhard Lämmle.
Parallel zu den Wochenendarbeitern haben die Handwerker unter der Woche den Hammer geschwungen. Dachstuhl verstärken, teilweise erneuern, isolieren, Dach neu eindecken, Dachläden erneuern, neue Fenster einbauen – die Profis haben es ebenfalls richtig krachen lassen. Doch damit nicht genug. So war es nötig, die eine oder andere Mauer im Dachgeschoss zu entfernen. Die Statik erforderte es, bei der Raumeinteilung gleichzeitig die Wände zu verstärken. Und da das Gebäude über eine Höhendifferenz von bis 15 Zentimetern verfügt, war ein entsprechender Höhenausgleich nötig. Diesen erreichten die Handwerker mit einer Trockenschüttung aus Blähton. „Da wurde in der Vergangenheit schon etwas Raubbau an dem Haus betrieben“, sagt Sandra Sailer und erinnert daran, dass das Gebäude 1795 erbaut wurde.
Wenn es mit sinkenden Temperaturen wieder mit den Arbeiten weitergeht – die Gewerke Heizung, Sanitär, Elektro und Fensterbau wurden bereits vergeben – starten auch die freiwilligen Helfer wieder. Arbeit hat es nämlich genug im Spitalhof 4. So müssen noch zwei kleine Mauern eingerissen werden, im Sitzboden sind Balken abzuschrubben, Schleif-, Streich- und Tapezierarbeiten stehen an. Sandra Sailer ist zuversichtlich, auch im neuen Jahr wieder auf die bewährten Helfer zurückgreifen zu können: „Wir haben eine feste Truppe, die wir ansprechen können.“
Derweil benötigt die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker weitere Spenden. Inklusive Vollausstattung des Gebäudes verschlingt das Projekt 750000 Euro. Ein Drittel davon gibt es als Zuschüsse, ein Drittel wird per Darlehen finanziert und ein weiteres Drittel sind Eigenmittel. „100000 Euro an Spenden wären schon noch gut“, sagt Geschäftsführerin Sailer. Zu dem Zweck wird es am 13. September bereits den 5. Lebenshilfe-Spendenlauf geben. Insgesamt 13000 Euro sind hier letztes Jahr zusammengekommen. Außerdem ist im späten Frühjahr oder im frühen Sommer ein Tag der offenen Tür geplant. Dann werden die Umbauarbeiten zwar noch lange nicht abgeschlossen sein, doch die Aufteilung der Räume wird dann schon ersichtlich sein. So sollen an dem Tag nicht nur Spender und Sponsoren kommen, sondern auch Interessierte für einen etwaigen Einzug.




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