Vaihingen (ub) – Der Dauerfrost macht’s möglich: Bei minus zehn, elf Grad am frühen Morgen gefrieren die Seen rund um Vaihingen. In Nussdorf wird eine künstliche Eisfläche angelegt. Doch der Eislaufspaß birgt auch Gefahren. „Es ist nicht gesagt, dass das Eis überall tragfähig ist“, warnt Detlef Staffe, Vorsitzender der Vaihinger Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).
So hütet sich auch das Ordnungsamt der Stadt Vaihingen, beispielsweise den Ensinger See oder die Horrheimer Seewaldseen offiziell für Eisläufer frei zu geben. Es sind zwar explizit keine Verbotsschilder aufgestellt, „aber das Betreten geschieht auf eigenes Risiko“, so Miriam Frick von der Stadtverwaltung. „Wir geben offiziell keine Seen frei. Und wer trotzdem Schlittschuh läuft, tut dies auf eigene Gefahr.“
Von eingebrochenen Schlittschuhläufern weiß DLRG-Mann Staffe aus Erfahrung zu berichten: „In diesem Jahr hatten wir noch keinen Einsatz, aber gut im Gedächtnis ist mir ein Unglück auf dem Monrepos-See bei Ludwigsburg.“ Wenn ein Unfall passiert, werden über die DRK-Leitstelle die DLRG-Helfer in Vaihingen, Bönnigheim und Ludwigsburg über Funkmeldeempfänger alarmiert.
„Wer unter das Eis gerät, hat fast keine Chance mehr herauszukommen“, sagt Staffe. Die Rettungstaucher üben diese Situationen – allerdings nur mit doppelter Leine. „Hier ist die Eigensicherung besonders wichtig.“ In zwei Wochen plant die Vaihinger DLRG-Gruppe zusammen mit der Feuerwehr und dem DRK eine Übung auf dem Ensinger See. Staffe: „Der Ensinger See ist nicht ungefährlich, weil beispielsweise die Stelle beim Ablauf zuletzt friert.“ Und wenn an einer Stelle das Eis dick genug sei, bedeute dies nicht, dass der komplette See tragfähig sei.
Ludger Schulte-Hülsmann, Generalsekretär der DLRG, rät zur Geduld: „Das Eis braucht Zeit, um tragfähig sein sein. Bei stehenden Gewässern sollte es mindestens 15 Zentimeter, bei Bächen und Flüssen sogar 20 Zentimeter dick sein.“ Nicht gleich an den ersten frostigen Tagen das Eis betreten, lautet die Devise der Lebensretter.
Das Eis sendet Signale aus, die jeder erkennen sollte. Dunkle Stelle verraten: Es ist noch viel zu dünn. Hier droht Gefahr einzubrechen, also betreten verboten. Wenn das Eis knistert und knackt, am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen und in Bauchlage in Richtung Ufer bewegen. Besondere Vorsicht ist auf verschneiten Eisflächen und an bewachsenen Uferzonen geboten. Besonders tückisch können auch Seen sein, die von Bächen und Flüssen durchzogen sind. An den Ein- und Ausflüssen kann innerhalb weniger Meter das Eis deutlich dünner und die Eisqualität völlig anders sein, als auf dem Rest des Sees.
Wer sich aufs Eis wagt, sollte sich zur eigenen Sicherheit vorher nach geeigneten Rettungsmitteln umsehen. „Auch ein umgedrehter Schlitten, eine Leiter oder ein Seil sind bei einem Eiseinbruch geeignete Hilfsmittel“, so Ludger Schulte-Hülsmann. Denn: Im Notfall ist schnelle Hilfe geboten, der Verunglückte droht zu unterkühlen. Helfer sollten bei der Rettung einen Sicherheitsabstand zur Einbruchsstelle einhalten und sich gegenseitig auf dem Bauch liegend durch eine Rettungskette sichern.
Eine ungefährliche Eislauf-Alternative bieten Eberhard, Daniel und Max Rapp auf dem Dressurplatz des Reiterzentrums in Nussdorf an. Auf einer Fläche von 500 Quadratmetern haben die Rapps 50000 Liter Regenwasser auf eine Folie gepumpt. „Wenn der Frost so anhält, kann spätestens ab Samstag darauf Schlittschuh gelaufen werden“, so Eberhard Rapp. Die Eislauffläche im Reiterzentrum ist öffentlich zugänglich. Abends kann bei Beleuchtung der Eislaufspaß stattfinden, am Wochenende soll mit Glühwein, Punsch und Würsten bewirtet werden. Rapp: „Vor ein paar Jahren startete ich bereits einen Versuch. Aber ohne Folie versickerte das Wasser.“ Jetzt ist man besser gerüstet und innerhalb einer Nacht hat sich bereits eine fünf Zentimeter dicke Eisschicht gebildet. „Heute testen wir auf jeden Fall die Fläche.“
