Vaihingen (elf) – Die Besucher des Neujahrsempfangs des Vaihinger Oberbürgermeisters Gerd Maisch in der Stadthalle konnten sich gestern sicher fühlen. Da Ministerpräsident Günther Oettinger seinen Besuch angekündigt hatte, wurde die Halle bis auf den letzten Zentimeter durchsucht. OB Maisch nutzte die Gelegenheit und drängte im Beisein des MP auf das Planfeststellungsverfahren für die Bundesstraße 10 in Enzweihingen.
Schon seit dem frühen Morgen kurvten Polizeiautos in der Vaihinger Innenstadt umher. In der Stadthalle machte sich derweil der Personen- und Objektschutz des Ministerpräsidenten daran, mit Spürhunden nach Sprengstoff und Munition zu suchen. Wenn sich Günther Oettinger ankündigt, geht die Sicherheit vor.
Schon lange vor dem offiziellen Beginn des 27. Neujahrsempfangs stand Oberbürgermeister Gerd Maisch an der Eingangstüre zur Halle und schüttelte Hunderte von Händen. Kommunalpolitiker, Polizisten, Kirchenvertreter, Schulleiter, Ehrenamtliche aber auch viele „normale“ Bürger fanden sich ein, um dem OB die besten Wünsche fürs neue Jahr zu überbringen und seiner Neujahrsrede zuzuhören.
Seinen kommunalpolitischen Überblick startete das Stadtoberhaupt mit der Finanzkrise. Die Stadt sei davon bisher nicht unmittelbar betroffen. Maisch: „Wir haben alle unsere Gelder sicher bei Volksbanken und der Sparkasse angelegt.“ Doch da die Stadt etwa die Hälfte ihres Wassers von der Bodenseewasserversorgung beziehe, sei der Wasserpreis, den die Stadt zu bezahlen habe, angehoben worden (Stichwort: Cross-Border-Leasing). Für den Bürger habe die Stadt allerdings den Wasserzins unverändert lassen können.
Wirtschaftlich sei das vergangene Jahr für die Stadt wie für das Land und den Bund ein gutes Jahr gewesen. So viel Gewerbesteuer wie noch nie habe die Stadt in 2008 eingenommen. Innerhalb der letzten fünf Jahre habe der Schuldenstand fast halbiert werden können. „Der Schuldenstand ist heute so niedrig wie zuletzt vor 30 Jahren“, sagte Maisch. Dies habe sich jüngst auch in der Aufgabenerfüllung bemerkbar gemacht. So seien die Betreuungsangebote in Kindergärten und Schulen ausgebaut, die Vereinsförderung um 50 Prozent erhöht und die Hallen in Ensingen und Aurich renoviert worden. Pro Jahr gebe die Stadt rund elf Million Euro für die Betreuung von Kindern, Schülern und Jugendlichen aus.
Der Rathauschef erinnerte daran, dass die Ansiedlungen von Gewerbetreibenden im Perfekten Standort nicht nur Zustimmung, sondern auch Kritik eingebracht habe. Er sei allerdings froh darüber, dass 13 Hektar Grundstücke verkauft worden seien. Dadurch spare die Stadt pro Tag über 1100 Euro. Außerdem entstünden dort in nächster Zeit insgesamt über 600 Arbeitsplätze.
Weitere Großvorhaben, für die die Verwaltung und der Gemeinderat die Weichen gestellt haben, seien der geplante Neubau der Vaihinger Feuerwache, des Bauhofs für die Gesamtstadt und des Verwaltungsgebäudes für die technischen Ämter. Beispiele, bei dem das Land helfen könne, appellierte Oberbürgermeister Gerd Maisch an den Ministerpräsidenten: „Unterstützen Sie diese wichtigen Bauvorhaben – nicht nur ideell sondern auch finanziell.“ Ein Sanierungsgebiet in der Stadtmitte, wo das geplante Verwaltungsgebäude entstehen soll, „würde die schnelle Realisierung gezielt unterstützen“. In diesem Sanierungsgebiet könnte nach Meinung des OB auch das vorhandene Museumskonzept umgesetzt werden, wenn die dafür vorgesehenen denkmalgeschützten Gebäude in der Grabenstraße einbezogen würden.
Das Stadtoberhaupt versäumte es nicht, auch auf die Zukunft der drei Hauptschulen einzugehen. „Alle sind sich einig, dass bei den Hauptschulen etwas verändert werden muss, damit die Schülerinnen und Schüler für den Beruf bessere Chancen haben“, sagte Maisch. Er finde es gut, dass sich das Land mit der Bildungsoffensive, die mindestens zweizügige Hauptschulen vorsehe, positioniert hat. Unter Würdigung aller Umstände sei man in Vaihingen zum Ergebnis gekommen, zwei zweizügige Hauptschulen in Kleinglattbach und Enzweihingen zu führen. „Dies müssen wir diskutieren.“
Einen weiteren wichtigen Punkt, mit dem er sich erneut an Günther Oettinger wandte, hob sich Gerd Maisch für den Schluss seiner Rede auf: „Ich hoffe darauf, dass das Planfeststellungsverfahren für die B10 in diesem Jahr durchgeführt wird und ein Baubeginn dann so schnell wie möglich erfolgt“, drückte der OB aufs Tempo. „Herr Ministerpräsident, 2011 wäre doch nicht schlecht.“ Dem dürften die Worte ebenso wenig entgangen sein wie der anschließende Applaus des Publikums.
