Wenn behaarte Beine in feinen Strumpfhosen stecken
Helau! Alaaf! Narri-Narro! Wenn Katzen und Mäuschen gemeinsam tanzen und Ordnungshüter mit Verbrechern anstoßen, hat die fünfte Jahreszeit begonnen. Und die wird auch in Riet seit Jahren gefeiert. Der Lumpenball wurde in diesem Jahr schon zum 22. Mal veranstaltet.
„In die bestuhlte Strudelbachtalhalle passen etwa 360 Besucher rein“, verrät Andreas Stegmann, der beim Rieter Lumpenball am Samstag im Hintergrund dafür gesorgt hat, dass alles glatt läuft. Den Regietisch hat sich Andreas Stegmann, ein Narr aus Leidenschaft, mit den beiden Jungs Matthias Beuchle und Andreas Göhring geteilt. Die eigentliche Party hat für das Dreiergespann erst hinterher begonnen, denn während des Programms war es für Koordination, Licht und Musik zuständig.
Das Publikum durfte freilich schon früher feiern. Zum Anheizen der Narren hatte sich der SV Riet ein anspruchsvolles Programm ausgedacht. Vom wilden Tanz über Gesangseinlagen bis hin zu akrobatischen Übungen war alles dabei. „Mit dem Ton ist alles in Ordnung“, stellt Andreas Stegmann fest – das Faschingstreiben in der Strudelbachtalhalle konnte beginnen.
Zu den Höhepunkten des Abends haben die Auftritte der Jazz-Gruppe und der „Alten Herren“ gehört. Die Jazz-Gruppe hat für ihren Auftritt im „Fluch der Karibik“-Outfit sogar zwei eigene Bühnenbilder angefertigt. Begonnen hat sie ihren Part mit einem mystischen Tanz im Schwarzlicht. Und wie es sich für Piraten gehört, gab’s auf der Bühne heftige Gefechte – die Schwerter waren freilich aus biegsamem Plastik. Unterstützt wurden die Piraten der Jazz-Gruppe von einigen Fußballern des Vereins. In den letzten Proben hatte der Auftritt noch nicht ganz astrein funktioniert. Am Samstag war von Koordinationsschwierigkeiten aber nichts mehr zu sehen.
Die „Alten Herren“ des SV Riet durften erst ganz zum Schluss mit einem Streifzug durch die deutsche Hitparade und einer Parodie auf die Muppets-Show auf die Bühne. Und wenn sich behaarte Männerbeine in feine Strumpfhosen zwängen, dann kann daraus nur ein Knaller werden. Die Tänze auf „Er gehört zu mir“ und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ wurden von Thomas Mende als Miss Piggy und von Uwe Brost als Kermit der Frosch geleitet. Im Gefolge hatten die beiden drei Schweinedamen und drei Frösche.
Den Auftakt haben aber die Breitensportler des Rieter Sportvereins gestaltet. Als Motto haben sich die Damen und Herren Sportler das Lied „Ein Stern, der über Stuttgart steht“ ausgesucht. Und ganz getreu dem Motto tanzten in der ersten Reihe vor den Mercedes-Mitarbeitern lauter funkelnde Sterne.
Warum die Spieler vom VfB Stuttgart allerdings in die letzte Reihe rücken mussten, steht wohl nur in den Sternen, denn eigentlich hätten sie nach ihrer Glanzleistung vom vergangenen Sommer doch einen Platz in der ersten Reihe verdient. Vielleicht waren’s ja einfach nur die ungeübtesten Tänzer. „Hoffen wir, dass der Stern in diesem Jahr auch über den Fußballern vom SV Riet steht“, kommentierte Moderator Michael Bauer die glanzvolle Tanzleistung der Breitensportler.
Für die richtige Mischung aus Tanz und Musik haben die Strudelbachsänger gesorgt. Für „Mir Strudelbachsänger“, „Wenn Rieter Fasching feiern“ und die Rieter Polka von Helmut Raichle, Uwe Brost und Rudolf Nedorost gab’s vom Publikum ein dreifaches „Äbbele Hoi“.
Sogar an den Nikotin-Pegel der Narren haben die Rieter gedacht. Nach den Strudelbachsängern war eine Raucherpause eingeplant – ob der Moderator wohl seine Lungenflügel wieder mit Rauch füllen musste?
Viel Ausdauer haben die vier Mädels der Enzweihinger Rope-Skipping-Gruppe bewiesen. Ganze 15 Minuten lang haben sie auf der Bühne gezeigt, was man mit Hüpfseilen alles anstellen kann. Den einen oder anderen Zuschauer hätte es bei dieser Übung wohl aufs Hinterteil gesetzt. Zur allgemeinen Belustigung haben auch die Fußballer Toni Minks, Bernhard Braunbach, Frank Müller und Mario Terschanski mit den Seilen ihr Glück versucht – mit mäßigem Erfolg.
„Wir machen das schon seit neun Jahren“, haben die Mädels hinterher in der Kabine verraten. Das Üben hat sich jedenfalls gelohnt, denn jetzt können sich die vier mit dem Rieter Faschings-Orden schmücken. Mit einem Orden wurden übrigens alle Akteure belohnt. Und sogar die VKZ hat einen bekommen.
Feuerwehrkommandant Roland Dieterle ist für die Büttenrede traditionell wieder ins Damenkostüm geschlüpft. Die vom Leid geplagte Dame, die Dieterle spielte, erzählte in fröhlicher Faschingsmanier vom ersten Date und von Beziehungskisten.
Zum Fasching gehört aber auch die Guggenmusik. Mit etwas Verspätung kamen die Hochdorfer „Fleggafetzer“ von der Auricher Fasnet. Und dann gab’s rund 25 Minuten lang die volle Dröhnung auf die Ohren. „Wohl dem, der Ohrenschützer dabei hat“, meinte Moderator Bauer. (phs)
