Dienstag, 22. Mai 2012

Vaihinger Ausbildungstag


Andrang beim Ausbildungstag. Foto: Arning
Andrang beim Ausbildungstag. Foto: Arning

Vaihingen (aa)  - Bianca ist eigens aus Hirschlanden angereist. Ihr Vater hat den Vaihinger Ausbildungstag im Internet gefunden und begleitet seine 16-jährige Tochter. Beide sind hellauf begeistert von dem, was sie in der Stadthalle geboten bekommen. Und nicht nur sie sind zufrieden mit dem Angebot unterm Kaltenstein. Der Ausbildungstag made in Vaihingen setzt inzwischen über die Stadt hinaus Maßstäbe.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Stehmer kommt weit herum. Doch in seinem Vaihinger Wahlkreis fällt ihm keine Veranstaltung ein, die es mit dem Vaihinger Ausbildungstag aufnehmen könnte. Lob kommt auch vom neuen Sozialdezernenten des Landkreises Ludwigsburg, Ferdinand Lautenbacher. „Das war eine klasse Idee“, findet der ehemalige Leiter des Ludwigsburger Arbeitsamtes, „hier ist ein echter Marktplatz für Betriebe und Lehrstellensuchende entstanden. Ich kann nur hoffen, dass die jungen Leute die Chancen, die sie hier aufgezeigt bekommen, auch nutzen können.“ Natürlich ist am Samstagmorgen auch der derzeitige Leiter der Agentur für Arbeit, Ulrich Eberle, vor Ort, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Der erste Eindruck: „Eine gute Sache.“ Eberles Mitarbeiter Jörg Schabram ist einer der Ideengeber für den Ausbildungstag. Der hat am Samstag schon fast ein wenig Angst vor der geplanten fünften Auflage: „Heute sind 42 Aussteller dabei, was machen wir im nächsten Jahr, wenn vielleicht 50 kommen wollen? Müssen wir in eine andere Halle ausweichen?“ Am Samstag wurde erstmals auch der Löwensaal mit einbezogen. Die Sorge, dass die dort angesiedelten Betriebe etwas „weg vom Schuss“ sind, war schnell verflogen. Dort hatte man geschickt „Bringer“ platziert: etwa die Polizei, die Bundeswehr oder Banken.
Der Vaihinger Ausbildungstag ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Agentur für Arbeit, der Lokalen Agenda 21, der Stadt Vaihingen und der Vaihinger Schulen. Ein vielschichtiger Branchenmix soll darauf aufmerksam machen, dass es auch vor der Haustüre interessante Betriebe gibt, die ausbilden und Perspektiven bieten. Für alle Schularten. SPD-Mann Stehmer macht sich die Mühe und fragt immer wieder auch nach den Möglichkeiten für Hauptschüler nach – doch es gibt ja auch noch Förderschüler. Nicolette (13) und Yonca (14) besuchen die Vaihinger Wilhelm-Feil-Schule und haben nach dem Rundgang viele Zettel und Prospekte in der Hand. Ein Job bei einer Bank, das wäre was, meinen sie. Arg viel Hoffnung haben sie jedoch nicht bekommen. Sie müssen sich mit Sicherheit neu orientieren.
Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch ist erfreut, dass das Angebot so gut angenommen wird. Das in der Stadt gebotene Spektrum sei ja auch enorm, findet er und spricht den Betrieben ein dickes Kompliment für ihr Engagement aus. Eine qualifizierte Ausbildung bringe für alle nur Vorteile, findet Maisch. Und: „Sie ist auch der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.“
Manchmal gewinnt man an den Ständen fast den Eindruck, als würden die Betriebe um Azubis buhlen. Das wird auch durch eine Statistik aus der Ludwigsburger Zentrale der Agentur für Arbeit unterstrichen: Ende September 2007 wurden 3800 Ausbildungsstellen gemeldet, die Zahl der Bewerber lag zur gleichen Zeit bei rund 3000. Jörg Schabram: „Bei den Stellen gab es erstmals seit 2001 einen Anstieg, bei den Bewerbern einen Rückgang. Die Situation entspannt sich.“
„Haben Sie Vertrauen in das Wissen der Schüler“, wirbt bei dieser Gelegenheit für die Schulen der geschäftsführende Schulleiter Paul Rodach. „Sie können meistens mehr, als Sie ihnen zutrauen.“
Solche Eindrücke werden in den Gesprächen mit den Ausbildern an den Ständen durchaus bestätigt. „Wir testen unsere Bewerber erst mal, ohne groß auf die Zeugnisse zu sehen und machen eine Aufnahmeprüfung“, sagt zum Beispiel Hans Hohl von Kölle in Enzweihingen. Auch Hauptschüler haben dort Chancen. Doch erlebe man mitunter die tollsten Dinge. Der Illinger Dachdeckermeister Hartmut Berner hat in den letzten Jahren zum Teil eine riesige Nachfrage ausgemacht, was die Auswahl erschwert. Voraussetzungen sind bei ihm vor allem Rechenkenntnisse: „Den Pythagoras sollte man schon kennen.“
„Wir sind hoch zufrieden mit der Resonanz“, sagt der Vaihinger Wirtschaftsförderer Thorsten Leupold, der Mühe hat, durch die Massen der Besucher zu kommen. „Wenn wir im kommenden Jahr noch mehr Aussteller haben sollten, bauen wir auch den Bühnenraum mit ein“, erläutert er. Leupold wird gelobt dafür, dass die Messe für die beteiligten Firmen kostenlos angeboten wird. „Anderswo, zum Beispiel bei der Bam in Ludwigsburg, müssen wir Standgeld bezahlen“, ist zu erfahren.
Vor der Bühne präsentiert sich die Vaihinger Ballettschule von Lea Nagy und sorgt für einen bunten Tupfer. Auch hier wird ausgebildet. Und hinter den Kulissen wirbeln Schüler der Ferdinand-Steinbeis-Realschule bei der Bewirtung. Sie nutzen den Ausbildungstag für ein WVR-Projekt (Wirtschaft, Verwaltung, Recht). Ihr Lehrer Markus Rödl ist sich sicher: „Das bleibt mehr hängen, als eine Schullandheimwoche vorzubereiten.“
Aldi wirbt um junge Leute, bei der Lebenshilfe kann eine Ausbildung oder ein soziales Jahr erfolgen, Polizei und Bundeswehr sind vertreten, die Auszubildenden der Stadt Vaihingen betreiben Werbung, das Jugenddorf („Chancengeber“) fehlt natürlich nicht. Was lernt man in einem Hotel? Was versteht man unter Gebäudemanagement? Was muss ein Raumausstatter können? Welche Voraussetzungen sollte ich als Zimmermann, als Kfz-Mechaniker oder als Stuckateur mitbringen? Fragen über Fragen. Und es gibt darauf Antworten. Das ist der Sinn des Ausbildungstages.
Zurück zu Bianca. Sie ist froh, dass Sie nach Vaihingen gekommen ist. In den letzten Wochen hatte sie zwar schon etliche Vorstellungstermine, doch hier hat sie nochmals neue Eindrücke gewonnen. „Vielleicht werde ich Industriekauffrau.“ Viel Erfolg!


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