Vaihingen (sr) – Wie war das nur im letzten Jahr? Wann haben die Krokusse geblüht und was hat das Thermometer angezeigt? Für die VKZ blätterten Naturfreunde in ihren Tagebüchern. Draußen lockt derweil der Januar mit Frühblühern und Insektengebrumm.
Oberriexingen, gestern kurz vor 12 Uhr: Die Blüten der Winterlinge öffnen sich, Bienen schwirren aus ihrer Behausung hervor und Josef Heuberger strahlt. Der Vorsitzende des Bezirksimkervereins Vaihingen kann endlich seinen Schützlingen wieder guten Tag sagen. Drei Dinge braucht die Biene, damit sie einen Ausflug startet, verrät der Imker: Die Außentemperatur sollte acht Grad Celsius oder mehr betragen, die Sonne lachen und der Wind sich in Grenzen halten. Heubergers Bienchen summen, manche recht dusselig – „es ist noch etwas kühl“ – doch von Minute zu Minute werden die behaarten Insekten mehr und munterer.
Ganz wichtig für die Völker sei jetzt die Pollennahrung, „noch wichtiger als Nektar“. Richtig Masse bringt da die Weide mit ihren Blütenständen, den Weidenkätzchen. Die silbernen Härchen blitzen hier und da schon durch. Bei der Weide sitzen männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Bäumen. Daher sind manche Weidenkätzchen gelb, andere eher grünlich. Eine Bitte des Imkers: „Diese wichtige Nahrung für die Bienen nicht abschneiden.“ Gerade jetzt seien die Pollen der Frühblüher besonders wichtig. Immerhin, so der 77-Jährige, sammelt ein Bienenvolk mit rund 50000 Individuen an die 35 Kilogramm Pollen pro Jahr. Ein Wermutstropfen: die Varroamilbe hat bei einigen Völkern zugeschlagen. Der Parasit muss im Sommer nach der Honigernte mit Ameisensäure bekämpft werden. Ein Jungimker habe Bienen-Veteran Heuberger schon „Totalschaden“ gemeldet, seine Bienen fielen der Milbe zum Opfer. Insektenfreund Heuberger blättert für die VKZ in seinen Natur-Notizen. Mitte Januar 2007 konnten die ersten Krokusse bewundert werden, am 23. Januar lag dann nochmal rund eine Woche lang Schnee.
Auch Gärtnermeister Maurus Senn aus Vaihingen hat in seinem Tagebuch gewühlt: „26. Januar 2007: Heute früh minus zwölf Grad Celsius.“ Insgesamt gesehen sei der Januar aber auch im letzten Jahr sehr mild gewesen. Bei den Wilden Pflaumen hat der Fachmann inzwischen Grün an den Knospen gesichtet und die Winterlinge lachen seit einigen Tagen mit ihren Blüten in der Wintersonne. Seit Anfang Januar nicken frühblühende Schneeglöckchensorten in der lauen Winterbrise. Während Senn in seinem Garten noch ein wenig auf die Krokusblüte warten muss, strecken vorwitzige Exemplare an exponierter Stelle schon die bunten Köpfchen heraus. Alles in allem sei die Natur schätzungsweise 14 Tage früher dran als in Durchschnittsjahren, vermutet Senn. Blütenstände der Hasel und die Christrose laden ebenfalls seit einigen Tagen die Insektenwelt ein.
Der Deutsche Wetterdienst zur phänologischen Jahreszeit des Vorfrühlings: „Der Vorfrühling beginnt, wenn Ende Februar oder im Laufe des März die Schneeglöckchen blühen und die Kätzchen der Haselsträucher stäuben. Wenige Tage danach fängt der Landmann mit den Arbeiten auf dem Felde an, sobald die überschüssige Winterfeuchtigkeit verschwunden und der Boden genügend abgetrocknet ist. In diesen Tagen blüht auch die Schwarzerle. Wenn einige Zeit darauf die Blüten der Sal-Weide erscheinen und auf dem Felde die Aussaat des Sommergetreides beginnt, geht diese Jahreszeit zu Ende.“ Der Vorfrühling hat demnach dieses Jahr schon früh begonnen.
Vaihingens Revierförster Ulrich Weik zum Wetter: Die vorwitzigen Frühblüher sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass durchaus noch Schnee und Frost kommen können. Weik: „Vor wenigen Jahren war es den ganzen März lang gefroren.“ Wenn es nach den Forstleuten ginge, könnte es ruhig noch einige Wochen kalt sein und auch Schnee kommen. Ein Aspekt dabei sind die Waldarbeiten, bei denen der Boden gefroren sein muss.
Eberhard Zucker, Vorsitzender des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg, ruft in Erinnerung, dass im Dezember „drei Wochen lang Dauerfrost herrschte“. Zucker: „Ich sehe die Entwicklung als normal an.“ Der Weizen sei ein „bissle gewachsen, das ist normal“. Aus landwirtschaftlicher Sicht biete das Wetter zur Zeit „keinen Grund für besondere Aktivitäten“. Seiner Erfahrung nach „haben wir normalerweise Ende Januar, Mitte Februar den richtigen Winter“. Die Frühjahrsprognose auf den Internet-Seiten des Wetterdienstes Donnerwetter gibt ihm nahezu recht: „Der Winter ist noch lange nicht vorbei, im Februar und März kann es noch richtig lange Kälteperioden geben“, heißt es dort. Der Februar werde mehr kalte Tage haben, die allerdings freundlicher ausfallen. Im März wechselten kalte und nasse Phasen ab, so die Wetterexperten. Erst die Aprilmitte werde sich als Frühlingsbote durchsetzen.
An einen richtigen Winter erinnert sich Gärtnermeister Maurus Senn. Im Jahr 1956 wurde der Bub von seinem Vater zum drei Kilometer entfernten Schreiner geschickt um Holz zu holen. Die Familie besaß kein Thermometer und erfuhr erst am nächsten Tag aus der Zeitung, dass die Temperatur am Vortag minus 32 Grad Celsius betragen hatte. Maurus Senn kann sich an diesen Holz-Transport mit dem Schlitten noch lebhaft erinnern.
