Illingen (ub) – Drei Stürme hat das Waldatelier von Eugen Schütz am Einsiedlerweg gegenüber der Kleingartenanlage in Illingen überlebt. Doch gegen den Wind der Bürokratie hatte das Projekt keine Chance. „Es wurde regelrecht platt gemacht“, klagte der 48 Jahre alte Künstler gestern vor Ort. 13 Jahre Arbeit im öffentlichen Raum sei einfach vernichtet worden. Bitternis vor allem gegenüber der Illinger Gemeindeverwaltung. Bürgermeister Harald Eiberger wehrt sich aber gegen die Vorwürfe.
Im August 1999 war die Welt von Eugen Schütz noch in Ordnung. Über die Grenzen der Stromberggemeinde hinaus erlangte er mit seiner Waldgalerie und der Ausstellung mit Holzskulpturen hinaus Berühmtheit. Die vielfältigen, teils mit transparenter Farbe überzogenen Holzplastiken zogen sich auf einer 1,5 Kilometer langen Strecke entlang des Einsiedlerwegs bis zu den Klosterseen zwischen Illingen und Schützingen. „Die Leute sollen hier im Wald einmal völlig abschalten und in eine andere Atmosphäre eintauchen“, sagte damals der künstlerische Autodidakt, gelernter Augenoptikermeister und bis 1980 Hochleistungssportler. Unterstützung gab es auch von der Gemeinde: „Die Illinger Waldgalerie hat dafür gesorgt, dass unsere Gemeinde im Gespräch ist und die Gemeinde unterstützt gerne dieses faszinierende Projekt“, so der damalige Bürgermeister Jochen Protzer.
Doch nicht nur im Wald erntete Eugen Schütz mit dem afrikanischen Namen Kwaku künstlerische Lorbeeren: 2001/2002 war er offizieller Agenda-Künstler der Stadt Vaihingen, 2002 Bundespreisträger für das deutsch-afrikanische Kunst- und Kultur-Projekt „Steel'n'Dance“, bekam 2003 den Preis der Region Stuttgart für ein Schulprojekt. Schütz hat seit 2004 sein Atelier in der Luigstraße – hier veranstaltet er regelmäßig einen Nomaden-Brunch für Künstler und Interessierte.
Die Arbeit im Forst lag aber nicht brach. Am Einsiedlerweg stapelte er das Holz, das er teilweise mit großen Mühen aus dem Schwarzwald nach Illingen transportierte. „Um es für Skulpturen verwenden zu können, muss das Holz teilweise über Jahre hinweg lagern“, sagt Schütz. Zusammen mit Freunden baute er einen Art Carport als Schutz für das Holz: fünf auf fünf Meter und 2,50 Meter hoch.
Nach dem Amtsantritt von Bürgermeister Harald Eiberger bekam Schütz einen Brief aus dem Rathaus mit der Aufforderung, am Einsiedlerweg Ordnung zu schaffen. Nach Angaben von Schütz habe es dann ein Gespräch mit der Verwaltung gegeben, anschließend noch zwei Briefe des Kunstschaffenden. „Es kam aber keine Reaktion vom Bürgermeister“, so Schütz. Kurz vor Weihnachten habe es dann einen Anruf des Forstamtes gegeben, dass er das Atelier, das über Jahre geduldet wurde, abzubauen habe.
„Als ich dann kurz nach Weihnachten vorbeischaute, war alles nur noch ein großer Gerümpelhaufen. Alles war auf die Seite geworfen, ich war regelrecht vor den Kopf gestoßen“, klagt Schütz. „Ich erwarte nur Respekt und einen fairen Umgang. Und das ist hier nicht passiert.“ Es herrsche eine Ignoranz gegenüber der Kultur – Schütz: „Das ist bitter, vor allem wenn man sich über Jahre hinweg für die Gemeinde engagiert.“
Mit der „Zwangsauflösung“ des Waldateliers entstand für den aus Niedersachsen stammenden Schütz nicht nur ein emotionaler Schaden, sondern auch ein wirtschaftlicher. Schütz: „Den künstlerischen Wert des Holzes, das zerstört wurde, kann man mit über 10000 Euro beziffern.“
Die Gemeindeverwaltung Illingen wehrt sich gegen die Vorwürfe des Recycling- und Agenda-Künstlers. „Es gab immer wieder massive Klagen aus der Bevölkerung gegen das Holzlager“, so gestern Bürgermeister Harald Eiberger auf VKZ-Anfrage. „Das sogenannte Waldatelier war eine bessere Müllhalde und es ist seit Jahren hier nichts Künstlerisches mehr passiert.“ Mehrmals habe Schütz die Aufforderung bekommen, „hier klar Schiff zu machen“. Doch geschehen sei nichts und die gesetzten Fristen seien verstrichen. Eiberger: „Herr Schütz hat gewusst, dass die Fläche zu räumen ist und er hat auch genug Zeit gehabt.“ So sei die Räumung letztendlich nur die logische Konsequenz gewesen.
