Dienstag, 22. Mai 2012

Ein tonnenschweres Gespann auf Reisen


Der Transport dauerte 45 Minuten.
Verankerungen wurden mit Schneidbrennern gelöst.
Unter die Fracht wurden Holzbretter geschoben. Fotos: Schmid

Illingen – Es war ein waghalsiges Unternehmen: In Illingen ist gestern das Gebäude einer Kfz-Werkstatt auf einem Lastwagen umgezogen. Knapp 45 Minuten hat das Gespann für seine rund 150 lange Strecke gebraucht. Zuvor musste die Halle für den Umzug fit gemacht werden.

Marlo Schwantes hatte eine schwere Aufgabe zu meistern. Gemeinsam mit seinem Team von der Schlosserei Schwantes aus Benningen war er für den Umzug einer kompletten Werkstatthalle verantwortlich. Der Plan sah es vor, die tonnenschwere Halle per Kran auf einen Tieflader zu hieven und 150 Meter weit zum neuen Standort zu transportieren. „Das ist schon eine Herausforderung“, war sich Marlo Schwantes bewusst.

Zu dem waghalsigen Unternehmen hatten sich Albrecht Bergner und Joachim Grau, die Besitzer der Kfz-Werkstatt, vor knapp drei Monaten entschieden. „Der Eigentümer des Grundstücks auf dem die Halle stand, hat uns kurzfristig den Mietvertrag gekündigt“, erzählte Albrecht Bergner. Nach langen Verhandlungen habe sich der Vermieter dann aber dazu bereit erklärt, den beiden Autoschraubern die Werkstatthalle für etwa 2400 Euro zu überlassen. „Wir haben die Halle gekauft und uns für einen Umzug entschieden“, sagte Bergner. Diese Variante sei weitaus günstiger als ein Neubau gewesen. Das rund 150 Meter vom ehemaligen Standort der Halle entfernte Grundstück an der Luigstraße stellte die Gemeinde Illingen kurzfristig zur Verfügung.

Stahlträger und Dachstützen sorgten für nötige Stabilität

Kurz vor dem Umzug wurde in der Halle noch kräftig gearbeitet. Für die Fahrt auf dem Tieflader wurden in die Halle drei Stahlträger und drei Dachstützen eingebaut. „Das gibt dem Gebäude die nötige Stabilität“, erläuterte Marlo Schwantes, der sich mit seinem Unternehmen auf den Umzug von großen Maschinen und ganzen Unternehmen spezialisiert hat. Das Innere der Halle wurde komplett entfernt – nur eine Uhr und ein Elektronikschaltkasten sind von der Einrichtung übrig geblieben.

Den 15 Verankerungen aus Stahl, mit denen die Halle einst fest mit dem Erdboden verbunden war, rückten die fünf Männer von Schwantes mit Schneidbrennern zu Leibe. Immer wieder wurde die Halle mit Hilfe der beiden Ladekräne angehoben. Bis es auf einmal knackte: Marlo Schwantes sah zufrieden aus. Er wusste, dass dies ein gutes Zeichen war. Die Verankerungen waren endlich alle gelöst.

Der schwerste Schritt stand dem Team aber noch bevor. Rund einen Meter hoch mussten die beiden Kräne die Halle ziehen, damit der Tieflader unter sie fahren konnte. „Dabei darf jetzt nichts schief gehen“, sagte Schwantes. Ganz glatt lief dieses Vorhaben aber nicht über die Bühne: Erst beim dritten Anlauf und mit Hilfe eines Gabelstaplers gelang es, die Halle zu heben. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Halle 20 Tonnen wiegt.“ Tatsächlich brachte sie jedoch mindestens 30 Tonnen auf die Waage.

Um 14.15 Uhr konnte der eigentliche Umzug schließlich beginnen. Die Illinger Luigstraße wurde dafür von der Polizei gesperrt. Im Schneckentempo bewegte sich das Gespann die Straße hinab. „Bisher läuft alles nach Plan“, sagte Fahrer Bernd Schilling. Doch schon wenige Minuten nach dem Start kam dem Gespann das erste Hindernis in die Quere. Zwei Gartenzäune mussten weichen – sie wurden kurzerhand mit einer Flex entfernt. Kurz vor dem Ziel versperrte dann ein parkendes Auto den Weg. Der Fahrer war jedoch schnell gefunden. Er hatte sich unter die Zuschauer gemischt.

Nach einer knappen dreiviertel Stunde kam das Gespann an seinem Ziel an. Zum Abladen hatte Schwantes einen weiteren Kran bestellt. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, versicherte er. Bergner und Grau waren sichtlich erleichtert, als sie sahen, dass ihrer Halle nichts passiert war. Der gelungene Transport wurde mit Sekt und Brezeln gefeiert. In zwei Monaten werden sie den Werkstatt-Betrieb am neuen Standort aufnehmen.

Philipp-Marc Schmid


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