Dienstag, 22. Mai 2012

Haasis spricht beim Neujahrsempfang


Heinrich Haasis. Foto: Elsässer
Heinrich Haasis. Foto: Elsässer

Ludwigsburg (elf) – Es soll ja eigentlich ein Abend des Landratsamts sein – der Neujahrsempfang des Landkreises Ludwigsburg. Allerdings: Durch einen Ortswechsel in den Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse reichte Landrat Dr. Rainer Haas am Freitagabend die Rolle des Protagonisten weiter an ein Kreditunternehmen, das die Hauptrolle gerne annahm und es perfekt verstand, die Gunst der Stunde zu nutzen.
Die Farbe Rot dominierte. Rot im Veranstaltungssaal, rot die (meisten) Krawatten der anwesenden Banker, rot das „Sparkassen-S“ auf dem Rednerpult, rot die Blusen der Hostessen. Nicht nur den mehr als 600 geladenen Gästen, sondern auch dem Landrat scheint’s gefallen zu haben. Die Kreissparkasse gehöre „zur Familie des Landkreises“, skandierte der Chef des Landratsamtes, den die Techniker überlebensgroß an die Wand projizierten. Dabei vergaß er nicht, auch Karlheinz Unger, den Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Ludwigsburg zu begrüßen: „Es freut uns, dass auch Sie gekommen sind.“ Unger hatte übrigens keine rote Krawatte an und blieb gerne etwas länger, um sich nach dem offiziellen Teil im Kasino zum Smalltalk unter die Leute zu mischen.
Dem Lob des Landrats an die Sparkasse (wir berichteten in unserer Samstagsausgabe) folgte – wer vermochte es Vorstandsvorsitzendem Dr. Heinz-Werner Schulte zu verdenken – ein selbstbewusstes Eigenlob. Der Landkreis und die Sparkasse – „das ist eine Erfolgsstory geworden.“ Die Sparkasse sei ein „exzellenter Finanzdienstleister, der mit hoher Dienstleistungsqualität erfolgreich ist“. Die Sparkasse sei mit 117 Geschäftsstellen im ganzen Landkreis präsent. Die Sparkasse entscheide eigenständig vor Ort und „nicht in einer Konzernzentrale in Frankfurt oder New York“. Und: Die Sparkasse beschäftige konstant fast 1800 Mitarbeiter und über 150 Auszubildende.
Spannend, verständlich und informativ der Vortrag des Gastredners. Als ehemaliger Bürgermeister und Landrat verstand es Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, die Gäste bei der Stange zu halten. Der Finanzverbund der Sparkassen-Finanzgruppe umfasse 640 Unternehmen, beschäftige rund 371000 Menschen und sei die größte Finanzgruppe über Europa hinaus (Haasis: „Ich werde nicht sagen: in der Welt. Irgendwann kommt ja doch wieder einer aus China hervor.“). Zu den Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe würden unter anderem Sparkassen, Landesbanken, Landesbausparkassen, Öffentliche Versicherer und Finanzdienstleister gehören.
„Fair, menschlich und nah am Kunden“, so laute die Geschäftsphilosophie, die auf alle gesellschaftliche Gruppen ausgerichtet sei. „Wir wollen niemanden von unseren Finanzprodukten ausschließen.“ Dazu gehöre auch eine persönliche und individuelle Beratung. „Der Kunde hat bei uns ein Gesicht und einen Namen.“ Mit 16000 Geschäftsstellen in Deutschland vertreten zu sein, heiße auch, „für jedermann da zu sein“. Zumal sich die Banken in einem globalen Wettbewerb befinden würden. Der Unterschied der Sparkassen zu den Citybanken: „Die nehmen die Einlagen, legen sie international an und geben keinen Euro zurück an Krediten.“ Die Sparkassen hingegen hätten Ausfälle zu verzeichnen. Haasis: „Wer kein gewerbliches Geschäft macht, hat keine Ausfälle.“
An 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag finde Geldhandel statt. Dabei habe sich die Finanzindustrie immer weiter von der Realwirtschaft entfernt. Im Vergleich zu Amerika gebe es in Deutschland dagegen mit langfristigen Darlehen und Hypothekendarlehen eine andere Finanzierungskultur, was Haasis lobte. „Das ist im Sinne des Verbrauchers, der somit auch die Belastungen tragen kann, die er eingeht.“ Aufgrund des Einlagensicherungssystems brauche hierzulande auch niemand davor Angst zu haben, dass die Bank Pleite geht. „Ihr Geld ist sicher“, so Haasis. Banken wie die Sachsen-LB hätten Schwierigkeiten gehabt, weil sie jahrelang mit dem falschen System Geld verdient hätten. Die Sparkassen seien von der Krise nicht betroffen, weil sie an der Realwirtschaft orientiert seien.
Auch wenn es der Bürger nicht direkt in seinem Geldbeutel spüre, so sei der Wirtschaftsaufschwung angekommen. Die Eigenkapitalquote bei den Mittelständlern habe sich deutlich verbessert, die Kreditauszahlungen für Investitionen hätten im vergangenen Jahr zugenommen und auch der Konsum werde wieder greifen.
Wichtig sei es, „dass wir von Deutschland aus gesteuert werden und nicht aus dem Ausland entscheiden lassen“. Die Unternehmensführer sollen ihren Sitz in Deutschland haben. Das Länderinteresse solle hierfür zurücktreten, „damit es in Deutschland vorwärts geht“, so Haasis.


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