Eberdingen (sf) – Die Haushaltsdebatte im Eberdinger Gemeinderat: Sie hatte am Donnerstagabend fast schon visionäre Züge. Die drei Sprecher der Fraktionen kümmerten sich insbesondere auch um die zukünftige Weiterentwicklung der Gemeinde. Die zahlreichen einzelnen Anträge sollen erst in der nächsten Sitzung beraten werden.
Die Zeit war bereits fortgeschritten, als Bürgermeister Peter Schäfer die Generaldebatte mit einer Zusammenfassung schloss. „Sie haben sich alle sehr viel Mühe gemacht“, lobte er die im Eberdinger Gemeinderat vertretenen Fraktionen. Die Vorschläge müsse man erst setzen lassen und in der Verwaltung konkret aufarbeiten. „Wir werden die einzelnen Anträge dann in der nächsten Sitzung abarbeiten“, versprach Schäfer, bat die Fraktionen aber darum, dann auch aufzuzeigen, wie sie die visionären Gedanken gegenfinanzieren wollen. Die gute Bilanz des letzten Jahres soll schließlich nicht dazu verleiten, unnötige Ausgaben zu tätigen. Zwar liegen in der Rücklage aktuell rund sieben Millionen Euro. Die Finanzplanung zeige aber, so Schäfer, dass bereits 2009 „gewaltige Umlagen“ zu zahlen sind.
Dazu scheint sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum abzuschwächen. Hinzu kommt aber auch der teilweise unerwartete Sanierungs- und Reparaturbedarf bei den kommunalen Gebäuden, der finanziell gestemmt werde muss. Vor „allzugroßer Euphorie“ angesichts des Rechnungsergebnisses 2007 und der Tatsache, dass Eberdingen schuldenfrei ist, warnte Schäfer deshalb. Den Haushalt 2008 bezeichnete er stattdessen als „Sanierungshaushalt“. Schäfer: „Wir haben jedes Jahr zu tun, unsere Gebäude auf Stand zu halten.“ Dazu kommen zentrale Punkte, wie beispielsweise „Betreutes Wohnen“, der Hochwasserschutz, die Verbesserung des ÖPNV oder die Jugendarbeit, die Schäfer als wichtige Eckpfeiler der kommunalen Arbeit im laufenden Jahr ansah.
Bernd Hasenmaier (CDU) charakterisierte den Haushaltsplan 2008 als „von Sachlichkeit und Sicherheit geprägt“. Auch wenn 2007 ein „einmaliges Ergebnis“ gewesen sei, so werden im laufenden Jahr doch voraussichtlich 1,5 Millionen Euro Zuführungsrate erwirtschaftet. „Ich bin in Sorge, dass wir in einen Dornröschenschlaf verfallen“, räumte er angesichts der erfreulichen Zahlen ein und forderte: „Wir müssen Visionen entwickeln.“ Das Projekt „Corporate Identity“ müsse deshalb noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, damit es Grundlage für das „Entwicklungskonzept Eberdingen 2015“ sein kann. 20000 Euro sollten zusätzlich für externe Berater im Haushalt eingestellt werden, so ein Antrag der CDU-Fraktion. Gleichzeitig müsse sich der Gemeinderat um den Hochwasserschutz kümmern und sich entlang des Flächennutzungsplans weiterentwickeln, um neue Bauplätze zu schaffen. Im Weissacher Loch zwischen Nussdorf und Eberdingen müsse die angedachte Freizeitanlage weiter verfolgt werden.
Die SPD unterstrich zunächst die finanzielle Situation: „Wir sind schuldenfrei“, freute sich die Haushaltsrednerin der Fraktion, Veronika Wernstedt. Noch nie zuvor sei dies als Dreiergemeinde der Fall gewesen. Die wegfallenden Zinsbelastungen in Höhe von rund 50000 Euro wolle sie den Kindern zugute kommen lassen – indem beispielsweise das letzte Kindergartenjahr für alle kostenlos sein wird. Durch ein Spracherziehungsangebot sollen Kinder, die der deutschen Sprache noch nicht ausreichend mächtig sind, besser auf die Schule vorbereitet werden. Im Bereich der Energieverwaltung regte sie an, die Ortsbeleuchtung auf energiesparende Systeme umzustellen. Für die Jugendsozialarbeit sah Wernstedt „eine dauerhafte Notwendigkeit“. Das sportliche Angebot in der Gemeinde müsse außerdem erweitert, der Ortskern von Eberdingen optimiert oder die Gemeindehalle in Eberdingen saniert werden.
Mit vielen Zahlen bestückt und in Form einer Präsentation per Beamer vorgetragen skizzierte Ulrich Strobel abschließend die Vorstellungen der Freien Wähler. So müsse ein Schlagwort „familienfreundlich“ sein. „Die Grundbedürfnisse müssen stimmen.“ Das betreffe sowohl die Grundstückspolitik, als auch eine Ganztagesbetreuung in allen drei Ortsteilen. Die Gruppengröße im Kindergarten solle auf maximal 20 reduziert, Vorschule, Sprachförderung und Präventionsunterricht müssten Bestandteil der Arbeit mit den Kindern werden. 10000 Euro wollen die Freien Wähler dafür zusätzlich einstellen. Weitere 25000 Euro beantragten sie für die Jugendförderung. Weil das Keltenmuseum in die Jahre gekommen sei, sah Strobel hier Renovierungsbedarf. „Es sollte wieder richtig in Schuss gebracht werden, um konkurrenzfähig zu sein.“ 50000 Euro sieht die Fraktion hierfür vor. Ausführlich beraten werden all diese Vorschläge ebenso wie diejenigen der Kollegen in der nächsten Sitzung im Februar.