Dienstag, 22. Mai 2012

Was hat das Nachtfahrverbot bewirkt?


Verkehr auf der B10. Foto: Arning
Verkehr auf der B10. Foto: Arning

Vaihingen – Das Nachtfahrverbot wirkt! Zu dieser Erkenntnis kommt die Oberste Verkehrsbehörde beim Innenministerium des Landes. An der Vaihinger Zählstelle reduzierte sich zum Beispiel der Schwerlastverkehr im Vergleich Oktober 2005 zum Oktober 2007 an den Werktagen täglich um rund 260 Fahrzeuge.
Albert Arning
Das Thema Nachfahrverbot hatte ja mit der Einführung der Lkw-Maut auf den Autobahnen an Brisanz gewonnen, denn beim Schwerlastverkehr war auf der Bundesstraße 10 eine „explosionsartige“ Zunahme ausgemacht worden – vor allem in den Nachtstunden. Zum Beispiel von April 2004 auf April 2005 um 38 Prozent-Punkte (von 2413 auf 3329).
Zum 1. Januar 2006 war das Nachtfahrverbot erlassen worden: Zwischen 22 Uhr am Abend und 6 Uhr am Morgen wurden die Lastwagen über zwölf Tonnen von den Bundesstraße 10 und 35 verbannt. „Durch das Nachtfahrverbot haben wir seit der zweiten Jahreshälfte 2006 nachts wieder Zustände wie vor der Einführung der Maut“, haben die Experten der Obersten Straßenverkehrsbehörde beim baden-württembergischen Innenministerium festgestellt. War im Jahr 2004 durchschnittlich jedes fünfte Fahrzeug, das auf der Trasse zwischen Stuttgart-Zuffenhausen und Bruchsal unterwegs war, ein Lastwagen, stieg der Lkw-Anteil der Laster im Jahre 2005 auf rund 33 Prozent, denn die Route war für Maut-Flüchtlinge durchaus interessant und hatte von jeher eine Tradition als Ausweichstrecke. Jetzt hat man einen Wert von etwa 25 Prozent erreicht. Das Plus wird mit einer generellen Zunahme des Verkehrs erklärt. Und es ist auch durch die Baustellensituation auf der Autobahn 8 bei Heimsheim begründet.
Die Polizei kontrolliert
regelmäßig
Frage an den Ersten Polizeihauptkommissar Gerd Esenwein, Leiter des Polizeireviers Vaihingen: „Kontrolliert die Polizei?“ Antwort: „Selbstverständlich sind wir regelmäßig draußen. Die Kontrollen werden in der Regel zusammen mit den Schwerlastüberprüfungen erledigt. Die Einsatzpunkte sind am Pulverdinger Holz und nahe der Deponie Froschgraben bei Schwieberdingen.“ Es seien nur wenige Verstöße feststellbar, sagt Esenwein, „denn die gesetzlichen Vorschriften sind sehr durchlässig“. Die Fahrer hätten doch viele Schlupflöcher. Da liege notfalls ein Paket auf dem Beifahrersitz, das irgendwo auf der Strecke abgegeben werden müsse. Oder man zeige eine Einladung zu einer Veranstaltung einer Gaststätte. „Bei 20 Kontrollen erwischen wir vielleicht einen“, schätzt der Revierleiter die Quote ein. Und die Buße von 20 Euro sei ja auch nicht die Welt.
Zurück zu den Verkehrszahlen. Die automatische Zählstelle, die nahe der Abzweigung Vaihingen Mitte (Straße nach Aurich) in einer Holzhütte untergebracht ist, liefert wie 129 andere Stellen im Land eine kontinuierliche Verkehrsdatenerfassung – differenziert nach fünf bzw. acht Fahrzeugarten. Die Daten werden von der Landesstelle für Straßentechnik herausgegeben und von einem Büro für angewandte Technik in Aachen bearbeitet.
Vaihinger Messzahlen
im Vergleich
Wie haben sich die Verkehrsmengen auf der Bundesstraße 10 bei Vaihingen entwickelt? Im Oktober 2005 lag die Tagesfrequenz über alle Tage der Woche zum Beispiel bei 14519 Fahrzeugen; werden nur die Werktage Montag bis Freitag genommen, beträgt die Quote 16223. An Sonn- und Feiertagen wurden durchschnittlich 10501 Fahrzeuge gezählt. Der Schwerlastverkehr im Oktober 2005 ist an den Wochentagen mit 4708 Fahrzeugen ausgewiesen, was einer Quote von 29 Prozent am Gesamtverkehr an den Werktagen entspricht. Über alle Tage hinweg sind es im Durchschnitt 3318 Lastwagen. Für den Oktober 2007 sieht’s so aus: Die B10 wird im täglichen Schnitt von 15866 Fahrzeugen frequentiert, an Werktagen von 17253. Der Schwerverkehrsanteil an den Werktagen ist von 29 auf 25,8 Prozent gesunken; der gesamte Wochendurchschnitt liegt bei 3327 Lkw.
Ausgewertet für 2007 ist bisher der Zeitraum Januar bis September. In diesen neun Monaten ergibt sich für die Zählstelle Vaihingen an der B10 eine tägliche Frequenz von 14273 Fahrzeugen, an den Werktagen von 15735. Der Schwerverkehr über die ganze Woche hinweg wird mit 2944 Fahrzeugen ausgewiesen, an den Werktagen sind es 4049.
Im Vaihinger Rathaus ist man von der Auswirkung des Nachtfahrverbots indessen nicht unbedingt begeistert. „Es war nicht das Mittel, um zu einem durchschlagenden Erfolg zu kommen“, sagt Bürgermeister Wilfried Nestle. Er erinnert daran, dass die Stadt Vaihingen eine Bemautung der Bundesstraße verlangt hat: „Das ist nach wie vor unsere Forderung.“


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