Vaihingen (my) – Ein Hauch von großer Welt wehte am vergangenen Dienstag durchs Friedrich-Abel-Gymnasium in Vaihingen. Dort hatten sich 18 Mannschaften aus aller Herren Länder eingefunden, um sich im fairen Wettstreit der Worte zu messen.
Zur „European Competition“ trafen sich Debating-Teams aus Kanada, Israel, Tschechien, Slowenien, Rumänien und aus der Bundesrepublik. Zum elften Mal wird dieser Wettbewerb ausgetragen und zum ersten Mal war das Friedrich-Abel-Gymnasium an einem Nachmittag Gastgeber des einwöchigen Treffens.
Der europäische Wettbewerb wurde von Michael Pates und Angelika Hoeness ins Leben gerufen, die damit ein Forum schaffen wollten für die jungen Teams in Europa, die weniger Erfahrung mitbringen als die Teilnehmer aus Australien und England beispielsweise. Zu deren schulischer Ausbildung gehört das Wortgefecht schon seit vielen Jahrzehnten dazu. So hatten im 19. Jahrhundert Studenten mit dieser Art von Debatten an den großen Universitäten in Großbritannien begonnen, wo die Tradition bis heute gepflegt wird. Diese Länder machen die Weltmeisterschaft übrigens unter sich aus.
Umso erfreulicher war es für die Organisatoren, dass sich für den europäischen Wettbewerb auch Teams aus Kanada gemeldet hatten. Sie waren ebenso wie das israelische Team willkommen. Die Jugendlichen sind in Gastfamilien im süddeutschen Raum untergebracht und verbinden ihren Wettbewerb zugleich mit kleinen Besichtigungstouren. In Vaihingen stand das Keltenmuseum in Hochdorf auf dem Programm, bevor sich die Teams an die Arbeit machten.
Es geht übrigens sehr fair und zugleich sehr freundlich zu beim streng reglementierten Debattieren in englischer Sprache. Jedes Team, das aus fünf Teilnehmern besteht, muss sich mit einem unbekannten und einem vorbereiteten Thema präsentieren. Das hieß für die erste Runde am Dienstagnachmittag, Position zu beziehen zur Frage, ob man fetthaltige Nahrung mit einer besonderen Steuer belegen sollte oder nicht. Wenn die Argumente vorgetragen werden, muss man dem jeweiligen Kontrahenten Paroli bieten und auf seine Gegenargumente reagieren können. Unparteiische Richter (Judges) beurteilen am Ende, wie gut man sich geschlagen hat.
„Wir haben ein stabiles Team, sind aber immer noch im Aufbau begriffen“, meinte Jutta Lichti, die mit Bibiana Hofmann-Wollensak die Schüler vom FAG betreut. Diese haben drei Wettbewerben bereits für sich entscheiden können. Bei den Rededuellen geht es in der Regel um politische bzw. gesellschaftspolitische Fragen. Zum Beispiel sollte diskutiert werden, ob der Klimagipfel auf Bali ein Erfolg war, ob man Russland fürchten müsste oder ob die USA reif sind für einen dunkelhäutigen Präsidenten. Das alles lässt sich nicht ohne eine gewisse Portion Allgemeinbildung bewältigen. Deshalb sind die Senior-Debater auch nur in den oberen Klassen zu finden.
Aber wer einmal damit begonnen hat, bleibt auch dabei, so wie Oliver aus der zehnten Klasse. „Für meine Englischnote hat sich das nicht ausgezahlt“, ließ er wissen, „aber ich find's einfach interessant. Alle gehen freundlich miteinander um und man lernt viele verschiedene Leute kennen.“
In diesem Sinne hieß auch Schulleiter Hans-Joachim Sinnl die Gäste am FAG willkommen. Es zähle hier der olympische Gedanke, meinte er, wonach „dabei sein alles sei“ und alle Teilnehmer durch die Erfahrungen im Wettstreit zu Gewinnern werden könnten.
