Dienstag, 22. Mai 2012

Diesel in der Enz


Ölsperre in der Enz. Foto: Bögel
Ölsperre in der Enz. Foto: Bögel

Vaihingen (ub/sr) – Großalarm für die Feuerwehr: Mehrere Stunden versuchten gestern Morgen die Wehrleute, eine weiträumige Verschmutzung der Enz zu verhindern. Nach einem Unfall im Gewerbegebiet Seemühle zwischen Vaihingen und Roßwag liefen rund 600 bis 800 Liter Dieselkraftstoff in das Gewässer.
Ein 31-jähriger Lastwagen-Fahrer hatte sich mit seinem Truck verfahren. Gegen 6.20 Uhr wollte er in der Seemühle wenden. Dabei rutschte der Laster wegen Straßenglätte gegen eine Mauer. Dadurch wurde der Kraftstofftank aufgerissen.
Stadtbrandmeister Thomas Fais, vor dessen Haustür quasi der Unfall passierte, löste für die Abteilung Vaihingen und den Gefahrgutzug Großalarm aus. Zwar konnte von der Feuerwehr noch eine kleine Restmenge von 200 Liter Diesel im Tank des Lastwagens gesichert und abgesaugt werden, doch der Rest des Kraftstoffes lief über den Schmiebach in die Enz.
Claus-Peter Zoerlein vom Fachbereich Wasser und Bodenschutz des Landratsamtes Ludwigsburg erläuterte auf VKZ-Anfrage, dass einer der beiden kommunizierenden, also im unteren Bereich miteinander verbundenen, Tanks des Unglücksfahrzeuges aufgerissen wurde. 800 und 400 Liter Kraftstoff fassen diese Tanks, wobei der Fahrer angab, dass 150 Liter davon verbraucht waren. Zoerlein: „200 Liter hat die Feuerwehr aus dem Tank abgesaugt.“ In den Boden sei nur sehr wenig der Substanz gelangt, so der Experte vom Landratsamt, der kurz nach dem Unfall alarmiert wurde.
Auf der Enz errichtete die Feuerwehr in der Zwischenzeit gestaffelt drei Ölsperren. Beim alten Badplatz wurde ein Spezialvlies über den Fluß gelegt, das nur das Öl aufsaugt. Um weitere Ölschlingen ausbringen zu können, wurde die Feuerwehr in Ludwigsburg zur Unterstützung gerufen. Zusätzlich zu der Ölschlinge am alten Badplatz positionierte die Feuerwehr flussabwärts weitere Barrieren. An der Mühle Auch in Vaihingen wurde eine Ölsperre quer über das Fließgewässer gezogen und in Enzweihingen an der Leinfelder Brücke fing eine weitere Ölschlinge den Kraftstoff auf, so Thomas Korz, Abteilungskommandant der Vaihinger Feuerwehr.
Die Barriere vor dem Wehr an der Mühle stellte dabei ein rein mechnisches Hindernis dar. Hierbei wurde das oben treibende Mineralölprodukt durch spezielle Saugfahrzeuge angesaugt und anschließend zu einer Ölabscheideanlage transportiert.
Von den drei Ölsperren, die auf der Enz ausgebracht wurden, bleibt die Ölschleife an der Leinfelder Brücke noch bis heute Abend auf dem Gewässer liegen. Das betroffene Erdreich an der Seemühle wurde ausgehoben, ein Gutachter war vor Ort.
Für die menschliche Gesundheit, erläuterte Dr. Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamtes Ludwigsburg, habe durch die Geruchsbelästigung keine Gefahr bestanden. Zwar könne der flüchtige Dieselkraftstoff das Wohlbefinden empfindlicher Personen leicht beeinträchtigen, es habe aber keine Gefahr einer dauerhaften Schädigung bestanden. Fritz: „Kopfweh und Übelkeit kann durch die Geruchsbelästigung bei sensiblen Personen auftreten, sobald der Geruch weg ist, sind die Symptome aber auch wieder weg.“
Drei Faktoren seien bei der Dieselkraftstoff-Havarie „auf unserer Seite“ gewesen, betonte der Pressesprecher des Landratsamtes: Die Fließgeschwindigkeit der Enz sei momentan nicht besonders hoch, was das Absaugen und Einfangen des Diesels erleichtere. Außerdem: „Es regnet im Moment nicht.“ Auch das Nass von oben hätte das Abschöpfen erschwert. Als dritten Pluspunkt nennt Fritz die Tatsache, dass Flora und Fauna sich gerade in der Ruhephase befinden und eine Aufnahme der Substanz in die Organismen somit relativ gering sei. „Wir hoffen, dass wir einen Großteil auffangen können“, so Fritz.
Eines der Absaugfahrzeuge, die an der Vaihinger Mühle zugange waren, spülte gestern ab Mittag an der Seemühle den Regenwasserkanal, durch den der Kraftstoff ins Gewässer gelangt war, durch. Das Spülwasser wurde von dem Spezialfahrzeug wieder aufgesaugt. Die Einsatzkräfte hätten sich mit „voller Kraft an die Arbeit gemacht und alles Menschenmögliche getan“, lobte Fritz.


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