Dienstag, 22. Mai 2012

Die VKZ-Reportage: Dauereinsatz Fasching


Die Jazz-Dance-Gruppe aus Riet übt schon fleißig für den Lumpenball.
Die Jazz-Dance-Gruppe aus Riet übt schon fleißig für den Lumpenball. So gut wie diese Szene, klappt es aber noch nicht immer. Foto: Wirth

Riet (ev) – Nicht einmal mehr zwei Wochen, dann treiben die Narren in der Rieter Strudelbachtalhalle ihr Unwesen. Fast täglich wird mittlerweile geprobt, die Elektriker kämpfen mit Stromkabeln, die Büttenredner ringen mit Wort und Witz: So früh – und stressig – wie in diesem Jahr war Fasching selten.
„1, 2, 3, 4“, der CD-Player in der Ecke springt an. Imposante, heroische Klänge kommen aus den Lautsprechern. Rund 30 Tänzer, überwiegend junge Mädchen, bewegen sich im Takt. Sie schleudern ihre Beine in die Höhe, drehen die Körper nach rechts, dann nach links. Rudolf Nedorost, 1. Vorsitzender des SV Riet, der die Szene, angelehnt an die Hallenwand beobachtet, bekommt große Augen. „Wenn wir das nur auch so gut könnten“, murmelt er und denkt daran, dass auch er beim Lumpenball gemeinsam mit den AH-Kickern auf der Bühne stehen wird. Dann zieht er ein beigefarbenes Stück Papier aus seiner Tasche und schaut skeptisch auf den Zettel. Es ist die Checkliste für den Lumpenball am 26. Januar. In einigen Kästchen in der Spalte „Ist erledigt“ steht bereits ein Kreuzchen.
Wäre auch schlecht wenn nicht, denn die ersten Aufgaben waren im Februar 2007 zu erledigen. „Mit den Vorbereitungen für den Lumpenball fangen wir eigentlich an, wenn der Lumpenball vorbei ist“, erzählt Nedorost. Bereits im Februar musste die Musikkapelle reserviert werden. Dann gab’s eine kleine organisatorische Pause. Aber im Herbst sollte die Guggamusik geordert werden, Helfer, Beleuchter und Tonmeister mussten gesucht werden – je näher der Faschingstermin rückt, desto mehr Punkte wollen auf der Liste abgehakt sein.
Ähnlich sieht es bei den Gruppen aus, die beim Lumpenball auf der Bühne stehen werden. Programm, Choreografie, Musik – kurz vor der Sommerpause ging’s mit der Planung los – auch bei der Jazz-Dance-Gruppe.
Die junge Tänzerinnen haben mittlerweile auch einige Herren in das Programm eingebaut. Die Männer stemmen gerade ein Mädchen in die Luft – immer noch (oder schon wieder) läuft die Titelmusik des Films „Fluch der Karibik“. Das Mädchen wird wieder sanft auf die Erde gesetzt. Jetzt bilden alle Tänzer einen Halbkreis. Einige Beine zucken verdächtig, fast wären sie zu früh in die Höhe geschossen. „Viermal links, viermal rechts“, die Anweisung ist deutlich. Ganz in Funkenmariechen-Manier sausen die Zehenspitzen an den Ohren vorbei. Allerdings sieht das Synchron-Tanzen eher wie eine Laola-Welle aus. Links, rechts? Die ersten haben’s schon vergessen. Die Übung wird abgebrochen und noch einmal von vorn begonnen. „Wahrscheinlich brauchen wir in diesem Jahr noch Zusatztermine. Die Zeit zwischen der Weihnachtspause und dem Fasching ist einfach zu kurz“, stöhnt Marion Gröner, Abteilungsleiterin Jazz-Dance und Gymnastik.
Nicht anders ergeht es den Rieter AH-Herren. Die sind einen Tag später in der Halle, werden aber auch von Marion Gröner betreut. Wie jedes Mal muss sie mit Trockenübungen beginnen. „Auch wenn eine Stelle im letzten Training schon geklappt hat – wir müssen von vorn beginnen“, berichtet Nedorost, der bei dieser Gruppe mitwirkt, fast schon entschuldigend. Allerdings scheint es bei der AH tatsächlich ein wenig chaotisch zuzugehen.
Bumm, zwei Männer sind gegeneinander gelaufen. Während der eine, so wie es sein sollte, nach rechts tanzt, verwechselte der andere die Richtungen – Bumm. Rudolf Nedorost hat sich ganz hinten versteckt: „Ich bin beim Tanzen nicht so begabt, aber das ist beim Lumpenball dann der Brüller“, gibt er offen zu.
In der Halle wird es unruhig. Es sind noch mehr AH-Kicker gekommen, die sich gleich einen Ball schnappen. Sie sind beim Lumpenball nicht dabei. Nicht nur ein Blick geht verstohlen Richtung Ball. „Wann ist endlich das Tanzen vorbei?“, fragt einer der Männer. „Jetzt ist doch Fußballtraining.“ Noch muss er sich aber gedulden. Die Probe wird fortgesetzt, denn die Tage bis zum Fasching sind gezählt.
Deshalb proben die AHler zweimal in der Woche. Die zweite Übungsstunde findet am Sonntagmorgen statt. Während sich andere gerade noch einmal im Bett umdrehen oder sich in die Kirchbank drücken, steht für die Rieter ab 10 Uhr Fasching auf dem Programm.
Szenenwechsel: Marion Gröner ist gerade mit ihrem Hund unterwegs. Munter rennt der Vierbeiner mit dem Namen Queenie um sein Frauchen. Die ist gerade dabei, wilde Gesten mit ihren Händen zu formen. Dabei murmelt sie vor sich hin und zieht wilde Grimassen. „Üben Sie wieder für den Fasching“, fragt eine Passantin. Marion Gröner nickt in Gedanken und setzt den Spaziergang fort. Beim Lumpenball setzt sie nicht nur die Tänzer in Szene, sondern sie bringt mit einer Büttenrede die Leute auch selbst zum Lachen. Die Spaziergänge mit Hündin Queenie nutzt sie zur Probe, denn viel Zeit hat auch sie nicht mehr. Ihre Büttenrede hat sie erst im Dezember geschrieben.
Und wie? „Während der Faschingszeit nehme ich sehr viele Veranstaltungen in den dritten Programmen auf“, erklärt Gröner. Die Videokassetten werden dann gehortet und vielleicht erst nach Jahren rausgeholt. Sie dienen Gröner dann als Inspiration für die Büttenrede.
Zurück in der Halle: Dort ist momentan nicht nur die Jazz-Danc-Gruppe im Einsatz, sonder auch Hans Feeser. Er ist so ziemlich für alles verantwortlich, was mit der Technik zu tun hat. So kümmert er sich um Stromkabel, Musik, Licht... – eben um alles Elektrische. Und wenn am 26. Januar die Vorführungen vorüber sind, die Bühne abgebaut ist und die Narren das Tanzbein schwingen, dann setzt sich Feeser alleine in einen Raum und entwirrt die Kabel. Erst wenn das Wirr-Warr beseitigt ist, feiert auch er Fasching.
Die Tänzer sind mittlerweile fast am Ende ihrer Probezeit angekommen. Jetzt ist nicht mehr „Fluch der Karibik zu hören“, nun dudelt die Filmmusik von „Wickie und die starken Männern“ aus den Lautsprechern. Das sollte zumindest so sein, gerade sind aber wieder die Anfangstakte des Piratenfilms zu hören. Schnell rennt ein Mädchen zum CD-Player. Jetzt kann’s los gehen. „1, 2, 3, 4“, einer der Männer zählt mit. Die Tänzer bewegen sich im Takt, Drehung rechts, Drehung links, die Beine schnellen nach oben – das kann man doch schon fast synchron nennen. Eva Wirth


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