Vaihingen (ub) – Hatte sich die Aktion bei den Jugendlichen nicht herumgesprochen? War das Thema der Veranstaltung zu öde? War der Zeitpunkt mit Samstagnachmittag falsch gewählt? Wie auch immer: Der Jugendaktionstag in der Vaihinger Peterskirche unter dem Motto „Jugend macht Politik“ präsentierte sich am Samstag zu großen Teilen ohne die Jugend.
Dabei sollte der Aktionstag der städtischen Jugendarbeit gemeinsam mit dem Vaihinger Jugendgemeinderat die Auftaktveranstaltung zu den bevorstehenden Neuwahlen sein. In der Zeit vom 18. Januar bis 14. Februar können die 13- bis 17-Jährigen ihre Bewerbung abgeben, gewählt wird vom 11. bis 24. April. „Wir wollen allen Jugendlichen und Interessierten die Möglichkeit geben, sich bei den Fachleuten an Ort und Stelle über die Arbeit des Jugendgemeinderates und über die Wahlmodalitäten zu informieren“, so Ingeborg Welz, Leiterin der städtischen Jugendarbeit, und Jenny Bauch, Sprecherin des Jugendgemeinderates, im Vorfeld der Aktion.
Doch dieses Angebot verpuffte wirkungslos. Zwar war das Podium bei der Diskussionsrunde, der zentralen Veranstaltung an diesem Nachmittag, lückenlos besetzt (Moderation Sven Sattler, Oberbürgermeister Gerd Maisch, Hauptamtsleiter Hans Rentschler, Ingeborg Welz, die ehemaligen Jugendgemeinderäte Klaus-Dieter Berner und Nico Wasserbäch, die aktuelle Sprecherin Jenny Bauch, die Gemeinderäte Sieglinde Kühnle, Thomas Fritz, Friedrich Wahl, Susanne Schwarz-Zeeb, Werner Rohloff), doch in die Peterskirche kamen nicht mehr als zehn Besucher. Davon der Anteil an Jugendlichen: drei.
„Wie motiviere ich Jugendliche. Wie komme ich an sie dran?“ war dann auch die zentrale Frage von Ingeborg Welz, Leiterin der städtischen Jugendarbeit. Dass es in diesem Jahr auch in der sechsten Amtsperiode einen Jugendgemeinderat in Vaihingen gibt, wurde von niemanden angezweifelt. „Wir haben immerhin den ältesten Jugendgemeinderat im Landkreis Ludwigsburg“, freute sich der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch. Aktuell gibt es in Baden-Württemberg noch 80 Jugendgemeinderäte. Die Bilanz von Hauptamtsleiter Hans Rentschler: „Oft folgt nach der Euphorie die Ernüchterung. Aber dass es in Vaihingen kontinuierlich seit 1995 einen Jugendgemeinderat gibt, ist schon mehr als beachtlich.“
Zwar wurde nie mehr die Hype bei der ersten Wahl erreicht (68 Kandidaten, Wahlbeteiligung 38,7 Prozent), aber mit 25 Prozent Wahlbeteiligung im Durchschnitt erreichten die folgenden Wahlen passable Ergebnisse. Und vor drei Jahren fanden sich mit 46 Kandidaten zwei Tage vor Bewerbungsschluss eine ausreichende Zahl von Bewerbern.
„Ich kann nur jedem empfehlen, Jugendgemeinderat zu werden. Was man da lernt, bekommt man nicht auf der Straße beigebracht“, machte Klaus-Dieter Berner, erster Sprecher des Jugendgemeinderats von 1995 und auch damaliger Dachverbandssprecher, Werbung für das Gremium. Jenny Bauch, aktuelle Sprecherin des Jugendgemeinderats aus Kleinglattbach: „Wenn es alterstechnisch möglich wäre, würde ich mich wieder aufstellen lassen.“
In der Podiumsdiskussion wurde von einigen Gemeinderäten eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Jugendgemeinderat gewünscht. Werner Rohloff: „Es ist nicht immer so, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Sieglinde Kühnle verteidigte dagegen die Arbeit der Jugendlichen: „Es ist doch verdammt schwer, sich überhaupt mit 13 oder 14 Jahren im Jugendgemeinderat zu äußern. Und die Jugendlichen interessiert nun mal nicht, was mit der B 10 passiert oder mit dem alten Bahngleis.“
OB Maisch unterstützte die bisherige Arbeit des Jugendgemeinderats: „Es ist auch politische Arbeit, wenn der Jugendgemeinderat Angebote für die Jugendlichen schafft und dafür die Verantwortung übernimmt.“ Einen interessanten Vorschlag über mögliche Tagungsorte des Jugendgemeinderats machte Ingeborg Welz: Man müsse die Sitzungen dort abhalten, wo sich auch die Jugendlichen aufhalten. „Also auch einmal auf dem Marktplatz.“
Einen Jugendaktionstag gab es bereits vor eineinhalb Jahren in Vaihingen. Das Thema: Gewalt gegen rechts. „Das könnte man zu einer Serie werden lassen, denn es gibt immer wieder Themen, die die Jugendlichen interessieren“, sagte der Vaihinger Oberbürgermeister Maisch bei der offiziellen Eröffnung am Samstagnachmittag. Da sei das Thema Jugendgewalt bestimmt auch eine spannende Geschichte. „Denn so wie es derzeit transportiert wird, entspricht es auch nicht der Realität.“ Ingeborg Welz: „Es gibt viele Sachen, die man machen kann. Das Wichtigste ist, dass sich die Jugend engagiert.“ Und da ist noch einiges zu tun – siehe zweiter Jugendaktionstag von Samstag.
