Dienstag, 22. Mai 2012

16 000 Fahrer erwischt


In der Auricher Straße erwischt.
In der Auricher Straße erwischt.

Vaihingen (ub) – Die Drohung ist keine leere Hülse. „Wir blitzen mindestens einmal in der Woche“, sagt Eugen Weiß, Leiter der Verkehrsbehörde der Stadt Vaihingen. Über das Jahr verteilt sind es exakt 936 Stunden und 46 Minuten, an denen irgendwo in der Verwaltungsgemeinschaft (Vaihingen, Sersheim, Eberdingen, Oberriexingen) die Geschwindigkeitsmessanlagen aufgebaut sind.
Eines beobachten Weiß und die städtischen Vollzugsbeamten in den Messwagen einer Heilbronner Firma, die im Auftrag der Stadt Vaihingen die Geschwindigkeit überwacht: Die extremen Raser gibt es nicht mehr. Weiß: „Die Zeiten, als der eine oder andere mit 200 Sachen die Enzweihinger Steige herunterraste, sind Gott sei Dank vorbei.“
Trotzdem gilt schnelles Fahren immer noch als die Unfallursache Nummer eins. Knapp 330000 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr im Raum Vaihingen gemessen, bei 16000 Fahrern gab es Beanstandungen – eine Quote von 4,8 Prozent. Das Gros der Geschwindigkeitsüberschreitungen liegt mit 9194 Fällen bei sechs und zehn Stundenkilometern. Allerdings passierten auch einige extreme Schnellfahrer die Radaranlagen an den Straßenrändern: Zwölf waren zwischen 51 und 60 Kilometer zu schnell, 52 zwischen 41 und 50 Kilometer. Insgesamt wurden von der Verkehrsbehörde im Vaihinger Rathaus 230 Fahrverbote verhängt.
„Mit unseren Messungen gehen wir auch auf die Wünsche aus der Bürgerschaft oder auf die Bitten der Ortsvorsteher und Ortschaftsräte ein“, erklärt Weiß die Strategie. Bevor allerdings „scharf“ gemessen wird, kommt zuerst die digitale Geschwindigkeitsanzeige „Sie fahren ...“ zum Einsatz. 306000 Fahrzeuge wurden mit dieser Anlage im vergangenen Jahr in Vaihingen, Enzweihingen, Kleinglattbach, Horrheim, Ensingen, Aurich, Roßwag, Riet und Gündelbach erfasst. Dabei lag die Beanstandungsquote bei 6,91 Prozent oder 21145 Fahrzeugen. Das Display (der Gemeinderat stimmte der Anschaffung von weiteren zwei Anzeigentafeln zu) war im vergangenen Jahr an 7931 Stunden im Einsatz. Die digitale Geschwindigkeitsanzeige erfasste diese Schnellfahrer (ohne Konsequenzen): 5880 in Vaihingen, 4213 in Enzweihingen, 846 in Kleinglattbach, 3888 in Horrheim, 1333 in Ensingen, 892 in Aurich, 1626 in Roßwag, 1098 in Riet und 1369 in Gündelbach.
Aufgrund dieser Daten wird dann auch über den Einsatz der „richtigen“ Blitzer entschieden. Vier verschiedene Messverfahren bietet dabei die Heilbronner Firma Eso an. Nach dem Prinzip der Weg-Zeitmessung arbeitet die Drillingslichtschranke. Schnelle Standortwechsel bietet der Einseitensensor. Geblitzt werden kann auch aus verschiedenen Fahrzeugen mit Heilbronner Kennzeichen im Raum Vaihingen. Die neueste Errungenschaft ist die digitale Messmethode, für die bereits die Schulungen erfolgt sind.
Beliebte Standorte für die Blitzgeräte sind die sogenannten Abkürzungsstrecken. Weiß: „Hier versuchen die Autofahrer, durch schnelleres Fahren noch mehr Zeit zu gewinnen.“ Immer wieder werden deshalb Raser in der Karl-Blessing-Straße in Enzweihingen, in der Steinbeisstraße in Vaihingen oder in der Sonnenbergstraße in Aurich erwischt. Aber auch nachts sind die Teams im Einsatz. Auf der Enzweihinger Steige müssen die Autofahrer in den Abendstunden genauso mit Kontrollen rechnen wie in der Adenauerstraße in Kleinglattbach, in der Franckstraße in Vaihingen (Höhe Krankenhaus) oder in der Hans-Krieg-Straße.
Und wenn dann der Bußgeldbescheid nach der Auswertung ins Haus flattert, sehen die meisten Verkehrssünder ihr Vergehen ein. „Viele entschuldigen sich und malen ein Blumesträußle hin“, erzählt die zuständige Sachbearbeiterin Irene Kohler. Andere wiederum ziehen die übelsten Beschimpfungen am Telefon vor. Weiß: „Da werden uns dann auch schon einmal Nazimethoden unterstellt.“ Da hört dann aber der Spaß auf – dieser Anrufer bekam eine zusätzliche Anzeige wegen Beleidigung.


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