Vaihingen - Etliche Pflanzen und Tiere lassen es im Winter ruhig angehen und sammeln Kräfte für wärmere Zeiten. Ganz anders der Mensch: Emsig bewegt er Festmeter um Festmeter Holz aus dem Wald und lässt Berge aus Baumstämmen entstehen. Die VKZ stattete Revierförster Ulrich Weik einen Besuch am Waldrand ab.
Ulrich Weik ist gegen die Kälte gerüstet: Schal, Handschuhe, Hut, warme Klamotten. Der Revierförster und sein Mitarbeiter haben einiges an der frischen Luft zu tun – das eingeschlagene Holz muss versorgt werden. Beim Großen Wald in Roßwag werden Stapel erfasst und deren Standorte bestimmt. Weik schielt auf ein GPS-Empfangsgerät, das auf einem Buchenstamm ruht. Der Revierleiter liest die Daten ab und tippt sie in sein Erfassungsgerät. Die Lage des Industrieholzes, das dort am Wald in Richtung Großglattbach liegt, kann nun genau in eine Karte eingetragen werden, mit deren Hilfe der Holztransporteur das Vaihinger Hartholz für die Papier- und Zellstoffindustrie einsammeln wird.
Der Wintereinschlag hält die Förster und ihre Mitarbeiter in der kalten Jahreszeit auf Trab: Holz wird gerückt, Brennholzversteigerungen stehen an, Stämme werden für den Abtransport vorbereitet, der Waldrandbereich an Straßen soll „ausgeputzt“ werden.
Schon ziehen Förster Weik und Mitarbeiter Walter Rapp zum nächsten Holzstapel. 93 Fichtenstämme, fein säuberlich gezählt, warten auf die Messung. Walter Rapp erklimmt mit der Messkluppe genannten Messschiene in der Hand den Stapel, bestimmt den Durchmesser der Baumleichen und ruft diese Weik zu: „18, 20, 21.“ Weik tippt eifrig auf seinem Datenerfassungsgerät. Länge, Holzart und Anzahl der Stämme, diese Angaben schlummern schon in dessen Elektronik. Nach rund 30 Durchmessern reicht’s: Weik drückt die Taste, der Fortschritt macht auch vor dem Wald nicht Halt: „Es sind 10,28 Festmeter.“ Sie werden als Kantholz oder Nut- und Federbretter enden.
Am Auricher Berg zwischen Vaihingen und Aurich haben die Forstleute eine größere Aktion hinter sich gebracht. Vor allem aufgrund der Verkehrssicherheit mussten dort Bäume, zu 80 Prozent Robinien, aus dem Wäldchen entfernt werden. „Der Enztalradweg im unteren Bereich und viele abgestorbene oder umgestürzte Bäume haben die Aktion nötig gemacht“, erklärt der Revierförster. Am Steilhang oberhalb der Enz sei händisch mit der Motorsäge geschafft worden – kein leichtes Unterfangen, betont Weik. Am Häckselplatz sitzt nun ein Teil des Holzes, das an die Industrie gehen wird. Die Robinie, auch Falsche Akazie genannt, liefere gutes Brennholz, es handle sich um ein dauerhaftes Hartholz, so Weik. Für den Holzeinschlag im Wald, der Ende Oktober beginnt und im März enden wird, hofft Förster Weik auf weitere frostige Tage. Beim Einsatz schwerer Fahrzeuge sollte der Boden gefroren sein.
Dann könnte auch die Traufpflege mit großen Schritten voran kommen. Immer wieder sorgen vorwitzige Gehölze an waldnahen Wegen in Gemeinde- und Ortschaftsratssitzungen für Diskussionsstoff. Die Wege sollen nämlich nicht nur für Zweiräder und Pkw, sondern auch für hohe Schlepper samt Anhänger befahrbar bleiben. Weik: „Wir haben uns vorgenommen, regelmäßig den Waldrandbereich zu pflegen.“ Im Auricher Hasenlauf, Enzweihingen und im Bereich Pulverdingen haben die Arbeiten schon begonnen, dort wurde teilweise mit der großen Häckselmaschine für frei Fahrt am Waldtrauf gesorgt. „Das Häckselgut geht an Hackschnitzel-Heizkraftwerke“, so Weik. Rindenbriketts oder Pellets entstünden allerdings nicht vor Ort, für diese Produkte ordern spezielle Firmen den Rohstoff Holz.
Zirka 6800 Festmeter Holz werden von der Stadt Vaihingen im städtischen Wald pro Jahr eingeschlagen. In Bezug auf diese Arbeiten liegt Ulrich Weik noch eine große Bitte auf dem Herzen: „Die Leute sollen Absperrungen, wo Holz eingeschlagen wird, beachten.“ So ein Holzstamm ist nun mal nicht aus Pappe. Im Frühjahr dürfen sich die Förster wieder dem Gedeihen widmen: der Pflanzung und Aufforstung.
