Dienstag, 22. Mai 2012

Feuerwehr zieht Jahresbilanz


Das Vaihinger Feuerwehrmagazin. Foto: Arning
Das Vaihinger Feuerwehrmagazin. Foto: Arning

Vaihingen (aa) – Samstagabend, Stadthalle. Dieser Termin ist für die Feuerwehrleute aus der Großen Kreisstadt Vaihingen einer der angenehmeren Übungen. Bei der Hauptversammlung drohen keine spektakulären Einsätze. Die VKZ hat im Vorfeld wieder mit Stadtbrandmeister Thomas Fais das Jahr 2007 rekapituliert.
„Manche Einsätze sind schon an die Nieren gegangen, da wurden starke Nerven gebraucht“, gibt der 48 Jahre alte Chef-Feuerwehrmann zu. Für sieben Menschen kam jede Hilfe zu spät „Das liegt über dem Durchschnitt“, weiß Fais. Die Wehrleute mussten zum Beispiel die Leiche von Rosa Hetzel, nach der es eine lange Suchaktion gegeben hatte, aus dem unwegsamen Hanggelände zwischen Roßwag und Mühlhausen bergen. Auf der B10 bei Enzweihingen war eine Frau vor einen Laster gelaufen. Was von ihr übrig geblieben war, musste eingesammelt werden. Wer macht es? Die Feuerwehr.
Im Januar lautete ein Auftrag: Türe zu einer Vaihinger Wohnung öffnen. Gefunden wurde die Leiche eines Mannes. In einer Scheune in Ensingen hing ein Selbstmörder. Zwischen Roßwag und Aurich bargen Vaihinger Wehrmänner einen Familienvater aus einem Autowrack – es war ihr Kumpel. In der Nacht zum 1. Mai kam in der Stuttgarter Straße von Vaihingen für einen jungen Mann nach einem Unfall jede Hilfe zu spät. Unspektakulär sah auf den ersten Blick der Einsatz auf einem Feld an der B10 bei Enzweihingen aus. Da war ein Mercedes von der Straße angekommen und gegen einen Baum geprallt. Scheibe einschlagen und den Mann herausholen, war das Ziel. Doch der Mann hinter dem Steuer war tot. Herzinfarkt. „Acht Menschen konnten wir immerhin auch lebend retten“, relativiert Thomas Fais die Bilanz.
Insgesamt hatte die Vaihinger Feuerwehr, die aus neun Abteilungen besteht, rund 140 Einsätze (2006: 98) – allesamt protokolliert in einem Buch; die Alarmierungen mit rotem Kuli geschrieben, die Übungen in blauer Schrift. Beim VKZ-Gespräch konnte Fais das am Donnerstag nur schätzen und zu seinen vorliegenden 133 Einsätzen ein paar addieren, denn Gündelbach, Kleinglattbach und Roßwag hatten noch nicht gemeldet. Rund 90 Einsätze waren in die Rubrik „technische Hilfeleistung“ einzuordnen. Gebrannt hat es 42-mal, wobei man 2007 von den ganz großen Feuern verschont geblieben ist. Der Brand an der Ecke Schulstraße/Karl-Blessing-Straße in Enzweihingen war dabei der heftigste.
Adrenalinschub nach
einer G-3-Meldung
Durch Brandmeldeanlagen wurden die Wehrleute 18-mal auf den Plan gerufen. Nur in einem Fall kam es zu einem Einsatz. Mehrmals musste man ins Krankenhaus ausrücken, auch das Altenheim Karl-Gerok-Stift und das Schloss Kaltenstein waren das Ziel, außerdem verschiedene Firmen wie Sika im Rieter Tal, A+O (früher Agfa) oder Burkhardt auf dem „perfekten Standort“. Als Fehlalarme sind drei Einsätze notiert. „Die Anrufer haben einfach die Lage falsch eingeschätzt“, meint Fais dazu. Nicht richtig eingeschätzt hat offensichtlich auch ein Lkw-Fahrer seine Ladung. Der Chemietankzug stand an der Esso-Tankstelle zwischen Vaihingen und Illingen. „Der Mann hat auslaufende Salpetersäure gemeldet“, erinnert sich der Stadtbrandmeister, „das hat die höchste Alarmierungsstufe, eine G-3-Meldung, ausgelöst. Da steigt der Adrenalinspiegel.“ Es hat sich jedoch herausgestellt, dass der Fahrer fantasiert hatte. Er wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und dort einige Tage behandelt.
Die Wehrleute mussten Wespennester entfernen, Ölsperren errichten, vom Sturm geknickte Bäume vollends umsägen oder Pferde einfangen. Dreimal leistete man mit der Drehleiter Überlandhilfe (in Sersheim, Oberriexingen und Mühlhausen). Dabei lag die Hauptlast bei der Abteilung Vaihingen. Sie ist alleine 110-mal ausgerückt. Der Piepser hat also alle 3,3 Tage angeschlagen. Rang zwei der Alarm-„Hitliste“ belegt Enzweihingen (24). Horrheim hatte 13 Alarme.
Abseits der Einsatz- und Übungsstatistik gibt es bei der Vaihinger Feuerwehr, die insgesamt rund 470 Mitglieder hat (270 im aktiven Dienst), eine Fülle von Themen, deren Bearbeitung viel Zeit kosten. Fahrzeuganschaffungen müssen intensiv besprochen werden; es gibt in der Regel auch Besichtigungsfahrten. Neuerdings werden Löschautos zudem im Verbund mit anderen Gemeinden gekauft. Hatte es zuletzt beim Enzweihinger Auto, einem Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug (HLF 20/16) für rund 320000 Euro sehr gut geklappt, so entwickelt sich die Wiederholung für ein Horrheimer Fahrzeug zusammen mit Marbach und Mundelsheim eher zu einem Negativbeispiel. Fais: „Jeder will was anderes.“
Und dann ist ja auch der Neubau der Feuerwache für Vaihingen zum Thema geworden. Für zehn Autos und zwei Anhänger reicht der Platz hinten und vorne nicht mehr. Die Fahrzeuge stehen so eng, dass es nicht möglich ist, gleichzeitig in zwei nebeneinander stehende Autos einzusteigen. Der Gemeinderat hat die klare Aussage getroffen, dass die Projekte Feuerwache und Bauhof erste Priorität haben. Insgesamt acht Millionen Euro sollen für die Maßnahmen bereitgestellt werden. Im ersten Halbjahr soll die Standortfrage geklärt werden, wobei die Wehr sich für ein nahe gelegenes Gelände an der Neuen Bahnhofstraße ausspricht. Auch mit einem Domizil unterhalb des Stromberg-Gymnasiums könnte sie einig gehen.
Diskutiert wurde in den letztem Jahren immer auch über die Frage, ob ein hauptamtlicher Kommandant eingesetzt werden soll. „Unser ehemaliger OB war kein Freund dieser Lösung“, erinnert sich Thomas Fais, der 2006 für weitere fünf Jahre gewählt wurde (dritte Periode). Da die Stadtverwaltung eine Neuorganisation ihrer Ämter plant (Schwerpunkt Gebäudemanagement und technische Dienste) gibt es hier diverse Überlegungen. Oberbürgermeister Gerd Maisch will dazu aber noch nicht zu viel herauslassen: „Ende Januar soll eine Vorlage für die Gremien stehen.“


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