Ludwigsburg (aa) – Jetzt soll es ernst werden! Zum 1. März werden in Baden-Württemberg erstmals Umweltzonen ausgewiesen – auch in Ludwigsburg. Das Projekt sollte ursprünglich schon 1. Juli 2007 umgesetzt werden, musste allerdings gestoppt werden, da damals noch rechtliche Voraussetzungen des Bundes fehlten.
Mit viel Medienrummel war die Feinstaubbekämpfung beim Land schon Anfang 2007 angegangen worden. Mehr oder weniger verschnupft mussten die Landesstrategen das Vorhaben dann aber stornieren, da die bundesgesetzlichen Vorgaben fehlten. Die Macher fühlten sich damals „kalt im Regen stehen gelassen“ (Zitat einer Pressemitteilung des Landes vom 4. April 2007). Jetzt ist offensichtlich aber alles geregelt.
Wie das Umweltministeriums Baden-Württemberg mitteilt, sind zum Jahresende 2007 in vielen Orten in der Luft die Konzentrationen von Luftschadstoffen und gesundheitsschädlichem Feinstaub angestiegen. Mit verantwortlich dafür ist die für die kalte Jahreszeit typische Inversionswetterlage: Warme Luftschichten in der Höhe liegen über kalter Luft am Boden. Es fehlte in den vergangenen Wochen am Austausch zwischen den bodennahen und den höheren Luftschichten. „Dadurch reichern sich Luftschadstoffe an“, wissen die Experten. Vor allem in den Belastungsräumen mit hohem Verkehrsaufkommen und hoher Industriedichte stiegen die Konzentrationen über die zulässigen Werte.
Angesichts der aktuellen Entwicklung rechnet Umweltministerin Tanja Gönner damit, dass im vergangenen Jahr an fast jeder zweiten der landesweit insgesamt 29 straßennahen Messstellen der Tageswert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an mehr als der nach den EU-Vorgaben zulässigen 35 Tage überschritten wurde. So wurden bereits Anfang Dezember an acht Messstellen die 35 Überschreitungstage erreicht, an weiteren fünf Messstellen wurde der Grenzwert an über 30 Tagen überschritten.
Die Umweltministerin wertet die Situation als „weiterhin sehr angespannt“, wobei sie darauf verweist, dass sich die Grenzwertüberschreitungen auf die straßennahen Messstellen beschränken: „In der Fläche sind in Baden-Württemberg die Werte in Ordnung.“ Es gebe zwar auch mal Spitzenbelastungen vor allem in der kalten Jahreszeit. Die EU-Vorgaben könnten in der Fläche aber eingehalten werden. Eine wirksame Feinstaubbekämpfung müsse deshalb am Verursacher ansetzen, erläuterte Gönner. „Auch andere Feinstaubquellen wie Feuerungs- und Industrieanlagen werden berücksichtigt. Im Mittelpunkt aber steht der Straßenverkehr.“ Deshalb werde an der Einführung der landesweit acht Umweltzonen zum 1. März dieses Jahres festgehalten. „Die Vorbereitungen in den Kommunen laufen. Im Januar werden die ersten Schilder aufgestellt.“ Fahrzeuge mit veralteter Abgastechnik dürfen danach nicht mehr in den Umweltzonen fahren.
Derzeit wird gemeinsam mit dem Kfz-Handwerk und den kommunalen Spitzenverbänden eine Nachrüstkampagne vorbereitet, die noch im Laufe des Januar starten soll. Landesweit sind bislang erst etwa 45000 Fahrzeuge mit einem Rußfilter nachgerüstet worden. Möglich ist der steuerlich mit 330 Euro geförderte Einbau eines Filtersystems jedoch bei rund 1,4 Millionen Dieselfahrzeugen. Die Nachrüstung eines Dieselfahrzeuges mit einem wirksamen Rußpartikelfilter verringert den Feinstaubausstoß um mindestens 30 bis 60 Prozent.
Zum 1. März 2008 werden in Baden-Württemberg in diesen Städten Umweltzonen ausgewiesen: Stuttgart, Leonberg, Ludwigsburg, Mannheim, Schwäbisch Gmünd, Reutlingen, Tübingen und Ilsfeld.
