Vaihingen (sf) – Der erste Pflichttermin eines jeden neuen Jahres ist in der Vaihinger Kulturlandschaft traditionell das Neujahrskonzert des Musikvereins Vaihingen. Auch in diesem Jahr kamen die Besucher wieder ebenso zahlreich, wie gerne in die Stadthalle, um dem rund 90-minütigen Konzert beizuwohnen.
Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen den Wiener Philharmonikern und dem Musikverein Vaihingen? „Wir hören mit dem Radetzky-Marsch nicht auf“, klärte Elke Lang auf, die am Montagnachmittag in bewährter Weise durch das Programm des jüngsten Neujahrskonzerts des MVV führte. Ohne den klassischen und vom Publikum immer wieder erwarteten Radetzky-Marsch wären die Musiker unter der Leitung von Musikdirektor Bruno Gießer ohnehin kaum angetreten. Er gehört zum Neujahrskonzert dazu, wie die von einem begeisterten Publikum eingeforderten Zugaben. Dieses Mal war er in ein buntes Programm von Klassik bis Pop eingebettet, das neben dem großen Orchester des Musikvereins auch die Bläserklasse der Grund- und Hauptschule Vaihingen gestaltete.
Zunächst trat aber der Vorsitzende des Musikvereins, Roland Schmitz, ans Mikrofon, um den Gästen persönlich die besten Wünsche für das neue Jahr 2008 zu überreichen. „Vielen Dank, dass sie uns heute ihre Zeit schenken“, begrüßte er die Zuhörer im Saal und auf der Empore. „Sie werden es nicht bereuen.“ Mit einem ganz besonderen Programm, wie man es von den Musikern vielleicht nicht unbedingt erwarte, werde der Musikverein seinen Freunden zum Neujahrskonzert eine Freude bereiten, versprach Schmitz. Er selbst sei überrascht gewesen, als er bei den Proben die Stücke hörte. Vielseitig und prickelnd sollte das Konzert werden, so die vielversprechende Ankündigung des Vorsitzenden.
Hinein ging´s zunächst mit der Ouvertüre zu Franz von Suppés „Boccacio“ – eine erste große Herausforderung für das Große Blasorchester des Musikvereins, das sich mit viel Engagement und Leidenschaft der italienischen Lebenslust zwischen kraftvollen Bläsersätzen und zart-verspielten Holzbläsern widmete. Eine ganz ähnliche, wenngleich wesentlich fulminantere Klangpracht entfalteten die Musiker kurz darauf im Finale der Dvorák-Symphonie „Aus der neuen Welt“. „Wir spielen nur einen Teil aus einem riesigen Werk, das in seiner Gesamtlänge den Rahmen sprengen würde“, erklärte Lang. Gießer hatte sich für den letzten Satz entschieden. Sicherlich auch, weil er in seiner majestätischen Strahlkraft am besten zu einem Neujahrskonzert passt.
„Was wäre ein Neujahrskonzert ohne Strauß?“, leitete Lang danach den zweiten Teil des Nachmittags ein. Das Orchester wandelte auf den Spuren des Vorbilds aus Wien. Muntere Rhythmen zwischen Polka und Marsch dominierten in den nächsten Minuten das musikalische Geschehen. Da war zunächst ein flotter „Einzugsgalopp“ aus der Feder von Johann Strauß Vater. Dessen Sohn Josef war mit einer Matrosen-Polka vertreten. Dazwischen machten die Musiker einen kleinen Ausflug in den „Zirkus Renz“, jenes rasante Musikstück, das von einem Xylophon-Solo geprägt ist. Der Solist wandelt zwischen technischer Perfektion und akrobatischem Können. In diesem Falle war es Alexander Hecht, der diesen schwierigen Part übernahm.
Ehe der Musikverein schließlich zum Schlussakkord ansetzte, nahmen die Schüler der Bläserklasse vor der Bühne Platz. Für den Musikverein ist die Kooperation mit der Grund- und Hauptschule Vaihingen „Nachwuchswerbung“, so Lang, die sich offensichtlich lohnt. 28 Kinder der ersten beiden Klassen haben beim Musikverein weitergemacht. Den Zuhörern vermittelten sie einen Eindruck davon, wie den Kindern das Musizieren beigebracht wird. „Die jungen Künstler sind aufgeregt und wollen loslegen“, verzichtete Lang auf größere Erklärungen zu den vorgetragenen Liedern, die teilweise ohnehin bekannt waren. „O when the saints go marching in“ zählte da ebenso dazu, wie die von Beethoven vertonte „Ode an die Freude“ – als Eindruck, wie sich die Entwicklung vom homophonen zum polyphonen Zusammenspiel vollzieht. Als Zugabe hatten die Jüngsten schließlich einen Rap vorbereitet, mit dem sie die Bühne wieder dem Großen Orchester überließen.
Dieses zeigte noch einmal seine ganze Klasse, als es zur „Petersburger Schlittenfahrt“ und zum erwähnten, populären „Radetzky-Marsch“ ansetzte. Das Publikum, animiert von Bruno Gießer, machte rhythmisch klatschend mit. Das Konzert selbst klang dann nebst Zugaben unter anderem mit zwei „Gentlemen of music“, Tom Jones und Neil Diamond aus. Mit einem Medley erinnerten die Musiker zudem an die beiden Künstler. Mit „Patricia“ hatten sie einen Cha-Cha-Cha vorbereitet, der es dank des Fellini-Klassikers „Dolce vita“ bis auf Platz eins der Charts geschafft hat. Erinnerungen an den letzten Italienurlaub mit Pop-Erfolgen wie „Gloria“ oder „Ti amo“ rundeten das bunte Programm ab, für das die Musiker reichlich Beifall ernteten und auch mit der Zugabe nicht geizten.
