Dienstag, 22. Mai 2012

Plädoyer für Eigenwasser




Wasser
Wie viel Eigenwasser gibt es in den Kommunen im Kreis? Foto: Bögel

Vaihingen/Ludwigsburg (ub). Das harte Wasser und die hohen Nitratwerte im Trinkwasser von Aurich schlagen Wellen. Im Landratsamt in Ludwigsburg warnt man davor, nicht leichtfertig das eigene Wasservorkommen aufzugeben.
In der Quelle und im Brunnen mit der Bezeichnung „Frauenbrunnen“ im Kreuzbachtal werden insgesamt acht Liter Eigenwasser pro Sekunde gefördert. Das Wasser fließt in die Pumpstation in der Sonnenbergstraße in Aurich, wird von dort in den Hochbehälter Halde bei den Tennisplätzen gepumpt und hier mit einem Drittel Bodenseewasser vermischt, bevor es dann in die Leitungen zu den Haushalten kommt. Und durch die Nutzung des Eigenwassers müssen die Bürger in dem Vaihinger Stadtteil einen extremen Härtegrad von über 20 akzeptieren. Der Nitratgehalt beträgt bei der letztmals veröffentlichten Messung 37,3 Milligramm pro Liter (die VKZ berichtete). Für Säuglinge sollte dieser Wert zehn Milligramm nicht überschreiten. Der zulässige Grenzwert nach der Trinkwasserverordnung liegt bei 50 Milligramm.
Auch in Leserbriefen und bei der letzten Sitzung des Ortschaftsrates avancierte das Wasser zum Thema. Ein Leser sprach gar von „Wasserpanscherei“. In die Diskussion hat sich gestern auch der Ludwigsburger Landrat Dr. Rainer Haas eingemischt. Der Kreischef plädiert dabei für die Eigenwasserversorgung und hält sie für wichtig. Im Landkreis Ludwigsburg besteht das Trinkwasser zu 51 Prozent Bodenseewasser, 22 Prozent Eigenwasser, 26 Prozent Landeswasser und ein Prozent Nordostwasser aus Crailsheim.
„Durch die Muschelkalkböden haben wir nun einmal hier hartes Wasser“, sagt Carsten Scholz, Leiter des Fachbereichs Umwelt im Landratsamt Ludwigsburg. Der Fachmann für Natur- und Wasserrecht weiß zwar um die erhöhten Werte im Trinkwasser von Aurich, verweist aber darauf, dass beispielsweise der Nitratgehalt der Trinkwasserverordnung entspreche. „Dafür sorgt schon das Mischungsverhältnis mit dem Bodenseewasser.“ Auch bestätigt Scholz, dass das Wasser vom Nussdorfer Sonnenberg in die Quellfassungen im Kreuzbachtal fließt. Möglicherweise, so die Spekulation in Aurich, können dadurch die oberflächennahen Quellen im Kreuzbachtal beeinträchtigt werden.
Trotzdem sei es sinnvoll, auf das Eigenwasser zu setzen. „Zwei Standbeine sind immer besser“, betont Scholz. Außerdem sei es für den Verbraucher gut, wenn er wisse, woher sein Trinkwasser komme. „Das ist genauso wie bei den Lebensmitteln.“
Wie sieht es bei den Kommunen im Landkreis mit der Trinkwasserversorgung aus? Asperg bezieht beispielsweise 50 Prozent Bodenseewasser und 50 Prozent von der Landeswasserversorgung Stuttgart; Bietigheim-Bissingen hat 30 Prozent Eigenwasser und 70 Prozent von der Bodensee-Wasserversorgung; in Bönnigheim liegt der Eigenwasseranteil bei 42 Prozent. Die Dreiergemeinde Eberdingen wird mit 30 Prozent Eigenwasser versorgt, 40 Prozent kommen von der Strohgäu-Wasserversorgung und 30 Prozent sind Bodenseewasser. In Freudental liegt der Eigenwasseranteil bei 57 Prozent, in Großbottwar gar bei 71 Prozent. In Ludwigsburg fließen aus den Hähnen 50 Prozent Bodenseewasser und 50 Prozent Landeswasser. Marbach bezieht das Trinkwasser zu 95 Prozent aus Stuttgart und zu fünf Prozent aus Crailsheim. In Mundelsheim wird der Eigenwasseranteil mit 60 Prozent angegeben, in Oberriexingen mit 50 Prozent – der Rest ist Bodenseewasser. Sachsenheim hat 40 Prozent Eigenwasser, 20 Prozent Bodenseewasser und 40 Prozent von der Besigheimer Wasserversorgung. In Vaihingen pendelt sich der Eigenwasseranteil bei 45 Prozent ein, 55 Prozent sind Bodenseewasser.




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