Dienstag, 22. Mai 2012

Jugendlichen die Begeisterung fürs Gebirge vermitteln




Gerald Franz ist gerne im Hochgebirge unterwegs und vermittelt seine Begeisterung ebenso gerne bei Jugendkursen des Alpenvereins – egal ob beim Klettern oder bei Skitouren.
Gerald Franz ist gerne im Hochgebirge unterwegs und vermittelt seine Begeisterung ebenso gerne bei Jugendkursen des Alpenvereins – egal ob beim Klettern oder bei Skitouren.

Kleinglattbach (rkü). Gerald Franz aus Kleinglattbach liebt die Berge. Immer wieder teilt er diese Begeisterung für die raue Natur auch Kindern und Jugendlichen mit, wenn er für den Alpenverein Kurse betreut. Wichtig sei bei alledem, dass man eine Regel beachte, sagt der Kletterer: „Allein der Aufenthalt im Gebirge ist risikobehaftet.“

Seit 1998 gehört Gerald Franz (49) zum Jugendkurs-Lehrteam des Deutschen Alpenvereins mit Sitz in München. Bad Hindelang im Allgäu ist ein Stützpunkt der Jugendarbeit, Franz ist mit seinen Gruppen allerdings meist auf Hütten irgendwo im Gebirge unterwegs. „Die Gruppen sollen sich dann auch kreativ einbringen, wir wollen sie nicht nur animieren und unterhalten“, sagt der Kletterer. Allerdings sei es für manche Jugendliche schwierig, wenn man nachmittags um 16 Uhr von einer Tour zurückkehre, sich die Zeit bis zum Abend zu vertreiben – ganz ohne Handy, Gameboy und Fernsehen. Dann hätten die Gruppenleiter schon ein paar Spielideen parat. Und immer wieder gibt es Gemeinschaftserlebnisse: Schlauchboot fahren auf der Iller, Iglus bauen und darin übernachten, auch eine Biwaknacht kann für Abwechslung sorgen.

Die Kinder und Jugendlichen in den Kursen, mit denen Gerald Franz unterwegs ist, sind meist im Alter von neun bis 16 Jahren. „Es macht sehr viel Spaß und ist eine ganzheitliche Sache“, sagt er. Dazu gehöre auch, sich zu überwinden, wenn es um ungewohnte Dinge wie Abseilen geht. Das Erleben von Kameradschaft sei ebenfalls wichtig. Im Vergleich zu früheren Jahren zeige sich, dass sich viele Kinder nicht mehr so gut konzentrieren können und körperlich nicht mehr so belastbar seien, weil sie es aus ihrem Alltagsleben nicht gewöhnt seien. Interessant sei auch, welches Sozialverhalten die einzelnen Teilnehmer an den Tag legen, sagt Franz. Das zeige sich allgemein bei der Rücksichtnahme, insbesondere aber dann, wenn der Topf mit dem Essen auf den Tisch gestellt werde. Beim Einhalten der Bettruhe versteht der Gruppenleiter keinen Spaß. „Da greifen wir auch durch, denn zu wenig Schlaf in der Nacht kann am nächsten Tag einen Unfall bedeuten.“

Gerald Franz selbst hat die Freude am Bergsteigen „mit der Muttermilch aufgesogen“, wie er selbst sagt. Das Elbsandsteingebirge vor den Toren Dresdens wurde zur zweiten Heimat, Hochgebirgserfahrungen sammelte er in der Hohen Tatra und im Kaukasus. Erst nachdem die Familie 1981 in die Bundesrepublik übersiedeln durfte, war der Weg auch in die Alpen frei. In Heidelberg fand er zum Alpenverein und machte dort die Ausbildung zum Fachübungsleiter für Hochtouren und Skihochtouren. Seit Jahrzehnten ist Franz mit Gruppen unterwegs in Fels und Eis oder eben bei Skitouren. Dabei sieht er sich nicht als Konkurrenz zu Bergführern. „Die Gruppe hat ein festes Ausbildungsziel.“ Als Beispiel nennt er die Überquerung eines Gletschers mit Hilfe von Pickel und Steigeisen. Dazu gehören dann Rutschversuche auf dem schlüpfrigen Untergrund, wobei sich die Teilnehmer selbst wieder abfangen. Orientierung mit Karte, Kompass und Höhenmesser, Tipps zur Ausrüstung und alpine Wetterkunde – alles, was man für eine Hochgebirgstour so braucht, wird in der Gruppe besprochen. Zum Abschluss darf jeder eine Zeitlang zeigen, dass er die Gruppe sicher führen kann, beispielsweise über einen Gletscher.

Weitere Informationen im Internet unter www.jdav.de




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