Kleinglattbach (ub). Die 300 Beschäftigten der Kleinglattbacher Firma Dr. Karl Bausch GmbH und Co., Stanzerei für Elektrobleche in der Industriestraße, stehen unter Schock. Keiner der Mitarbeiter kann die furchtbare Bluttat von Samstagabend begreifen, als der 55 Jahre alte Betriebsleiter Bruno K. aus Löchgau von einem 34 Jahre alten Mitarbeiter aus Mühlacker erschlagen wurde.
Die Spätschicht am Sonntagabend wurde abgesagt, gestern um 6 Uhr wurden die Mitarbeiter der Frühschicht von der Geschäftsleitung informiert, am Nachmittag die Spätschicht. „Keiner kann die Tat begreifen“, schildert Firmenchef Kurt Bausch gegenüber der Vaihinger Kreiszeitung die Stimmungslage innerhalb der Firma. Die Geschäftsleitung hat den Mitarbeitern – falls Bedarf besteht – psychologische Hilfe zugesagt. Dabei muss der Mord auf dem Betriebsgelände erst noch verarbeitet werden. „Wir sind alle wie vor den Kopf geschlagen“, sagt Bausch.
Der 55-jährige Betriebsleiter Bruno K., der am Sonntagmorgen seinen schweren Verletzungen im Ludwigsburger Klinikum erlag, war seit drei Jahren bei der Firma Bausch. Das Traditionsunternehmen in Kleinglattbach beliefert Automobilzulieferer sowie Hersteller von Elektrowerkzeugen, Ventilatoren, Pumpen, Magnetventilen und Elektronikmotoren mit Stanzteilen. Der Betriebsleiter, der in der Hierarchie gleich unter der Geschäftsführung mit den beiden Brüdern Kurt und Günther Bausch stand, war für die gesamte Fertigung in der Stanzerei, dem Werkzeugbau und der Gießerei zuständig. Er galt in der Firma als zuverlässiger und anerkannter Vorgesetzter. K. wohnte in Löchgau, war verheiratet hatte drei Kinder im Alter von 18 bis 24 Jahren.
In dieser Woche hatte K. Urlaub eingetragen. Am Samstagabend – die reguläre Schicht endete um 18 Uhr, um 18.10 Uhr verließ der letzte Arbeiter das Betriebsgelände – wollte der Betriebsleiter noch Restarbeiten erledigen, schrieb Notizen, verschickte Mails. Um 18.20 Uhr ging auf dem Rechner von Firmenchef Kurt Bausch noch eine elektronische Nachricht seines Betriebsleiters ein.
Schreckliche Entdeckung am
Eingang der Produktionshalle
Um 19 Uhr wollte K. wieder zuhause in Löchgau sein. Als er nicht pünktlich kam, telefonierte seine Ehefrau, konnte aber ihren Mann weder im Büro noch auf dem privaten Handy erreichen. In ihrer Verzweiflung informierte sie um 19.40 Uhr Firmenchef Bausch. Der fuhr von Vaihingen sofort in den Betrieb nach Kleinglattbach und machte am Eingang der Produktionshalle die schreckliche Entdeckung: Mit schwersten Verletzungen lag Bruno K. am Boden. Der Firmeninhaber alarmierte sofort die Rettungskräfte und die Polizei.
Irgendwann nach 18.20 Uhr muss der Betriebsleiter von einem nahe gelegenen Büro Geräusche gehört haben. Bei der Nachschau entdeckte er einen 34 Jahre alten Firmenmitarbeiter, der gerade versuchte, den Getränkeautomaten mit einer Brechstange zu knacken. Als der Türke entdeckt wurde, schlug er, so die Rekonstruktion der Ermittler, mit der Eisenstange mehrfach auf den Betriebsleiter ein. An den schweren Kopfverletzungen starb K. schließlich wenige Stunden später im Ludwigsburger Klinikum.
Bruno K. konnte noch den
Namen des Täters flüstern
Als der Notarzt am Samstag gegen 20 Uhr den Schwerstverletzten erstversorgt hatte, konnte K. noch den Namen des Angreifers flüstern. Kurt Bausch: „Als ich den Namen hörte, habe ich ihn noch einmal wiederholt und Herr K. hat mit einer Geste bestätigt.“
Die Polizei löste eine Großfahndung aus und konnte den Tatverdächtigen, der zuerst noch in einem Café in Mühlacker saß, gegen 21 Uhr vor seiner Wohnadresse in der Senderstadt verhaften. Das Bargeld aus dem Automatenaufbruch wurde in der Wohnung gefunden, der 34-Jährige legte – wie berichtet – ein Geständnis ab.
Der 34 Jahre alte Türke, der bei der Firma Bausch eine Vorarbeiterposition inne hatte und deshalb auch einen Schlüssel zu den Betriebsräumen besaß, galt unter den Kollegen als unkomplizierter Typ. Bekannt war, dass der Vorarbeiter (verheiratet, vier Kinder) aber auch für jeden Streich zu haben war. Seit zehn Jahren war er bei dem Kleinglattbacher Unternehmen beschäftigt. Wahrscheinlich ist, dass der 34-Jährige schon mehrmals versucht hatte, Getränkeautomaten in dem Betrieb zu knacken. Bausch: „Es gab in den letzten sechs Wochen mehrmals Versuche, die Automaten aufzubrechen. Einmal ist es auch gelungen.“ Mehr als 150 Euro befinden sich aber nicht in den Getränkeautomaten. Firmenchef Bausch: „Der 34-Jährige, der eine gewisse Vertrauensposition im Betrieb hatte, war schon ein Schlitzohr. Dass er Automaten knackt, könnte man ihm durchaus zutrauen. Aber ein Mord – nein.“
Um den Automatenaufbruch zu vertuschen, hat der Vorarbeiter am Samstagabend seinen Chef mit der Eisenstange niedergeprügelt, hat ihn mit schwersten Verletzungen liegen gelassen und ist geflüchtet. Deshalb gehen Polizei und Staatsanwaltschaft auch nicht von einem Tötungsdelikt, sondern von Mord aus niederen Beweggründen aus. In Paragraf 21 des Strafgesetzbuches heißt es: „Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.“
Bei der Firma Bausch herrschte gestern eine Art Schockstarre. Niemand kann das Verbrechen begreifen, niemand kann verstehen, wieso wegen eines geringen Geldbetrages (angeblich unter 100 Euro, ein Boulevardblatt berichtet von 30 Euro Münzgeld) ein Mensch sterben musste. Firmenchef Kurt Bausch: „Es gab am Montag Momente, wo uns fast die Tränen kamen.“
