Horrheim (elf) – Die Vermarktung des Weines, die Erschließung des Tourismus durch den Weinbau sowie die Preisentwicklung in der Weinbranche waren die dominierenden Themen bei der Bezirksversammlung Stromberg und Enztal im Weinbauverband Württemberg, die am Freitagabend im Gasthaus Rebstock in Horrheim stattfand.
Der Landtagsabgeordnete und Bezirksvorsitzende Albrecht Fischer vom Weingut Sonnenhof in Gündelbach rückte in Anwesenheit von Landrats-Vize Dr. Utz Remlinger und Oberbürgermeister Gerd Maisch die Frage in den Vordergrund, wie ausreichender Geldertrag für die Weingärtner erzielt werden kann, „damit auf Dauer die Bewirtschaftung unserer über viele Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft und insbesondere die steilen Terrassenlagen gewährleistet wird“. Fischer zählte in diesem Zusammenhang Probleme auf, mit denen der hiesige Weinbau zu kämpfen hat. Wenn laut Beschluss der Europäischen Union im Jahr 2015 die parzellengenaue Abgrenzung der Rebanbaufläche aufgehoben werde, seien die Steillagen nicht mehr zu halten. Während zudem in den letzten fünf Jahren die Auszahlungspreise der Vermarkter um bis zu 40 Prozent zurückgegangen seien, würden die Aufwendungen der Weingärtner um jährlich bis zu fünf Prozent ansteigen. Immer mehr Umweltauflagen, höhere Steuern und dergleichen würden ebenso zur Verteuerung beitragen, was letztlich der Erzeuger zu spüren bekomme.
„Der Engpass für uns Weingärtner liegt ganz klar im erzielten Preis für den Liter Wein“, sagte Fischer. Daher gelte es, ein ganzes Bündel von verkaufs- und umsatzfördernden Maßnahmen zu ergreifen. „Sonst könnte dem Weinbau in Württemberg die Luft dünn werden“, warnte der Bezirksvorsitzende. Wer einen Liter Trollinger-Lemberger für unter drei Euro abgebe, lebe von der Substanz und könne langfristig wirtschaftlich nicht überleben. Diese Preisentwicklung nach unten gelte es zu stoppen.
Im Weinjahr 2009 hätte das Wetter für Pilzkrankheiten und Hagelschäden gesorgt. Dem feuchten Juli sei ein trockener August gefolgt. So habe es 2010 im Landesdurchschnitt zehn Prozent weniger Wein gegeben als 2008, dafür sei die Qualität sehr ansprechend.
Verbandspräsident Hermann Hohl stellte den Versammlungsteilnehmern das Bezeichnungsrecht vor, das in diesem Jahr neu ausgestaltet wird und als Neuheit die geschützte Ursprungsbezeichnung des Weines enthalten soll. Die Kennzeichnung seiner unverwechselbaren Herkunft würde dem Wein neue Marktchancen eröffnen. „Was für die EU-geschützte Maultasche gut ist, muss auch für die württemberger Weinregionen gut sein“, sagte Hohl.
In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte der Verbandspräsident die Vermarktung des Weines. Hohl setzt dabei auf das Gemeinschaftsmarketing. Die Deutsche Weinakademie (DWA), der Deutsche Weinfonds (DWF) und das Deutsche Weininstitut (DWI) seien als Selbsthilfeeinrichtungen der deutschen Weinwirtschaft zur Förderung der Qualität und des Absatzes deutscher Weine unverzichtbar für das Marketing im In- und Ausland. Diese Institutionen leisteten wertvolle Unterstützung in den Bereichen Marktforschung, Exportberatung, Imagekampagnen sowie im Schutz und der Überwachung von Herkunftsbezeichnungen. „Ohne das Gemeinschaftsmarketing würde der deutsche Wein im In- und Ausland sein Gesicht verlieren“, sagte Hohl. Jeder nicht exportierte Liter Wein würde den heimischen Markt zusätzlich belasten. Der Verbandspräsident machte sich daher für eine gesetzlich geregelte Solidarabgabe stark, die die gerechteste Art und Weise der Finanzierung dieser Institutionen darstelle. Eine gesetzlich geregelte Grundlage sei einer privatwirtschaftlichen Lösung vorzuziehen.
Katjana Wicker, Geschäftsführerin des Kraichgau-Stromberg Tourismus e.V. (KST), informierte darüber, wie der Tourismus-Verband den Weinbau unterstützen kann. „Wir sind das Dach, das die Vermarktung des touristischen Angebots übernehmen kann“, sagte Katjana Wicker. Dies geschehe durch Teilnahmen an Messen wie der CMT, die Baden-Württemberg Weinclassics, weitere Großveranstaltungen, Prospektservice und vieles mehr. Der KST erhöhe den Bekanntheitsgrad der Region und setze sich für die Verbesserung des touristischen Angebots ein. Im Detail mache der Verein auf die Weinanbieter der Region aufmerksam, veröffentliche die Öffnungszeiten der Weinstuben und Besenwirtschaften, biete Eintragungen im Gastgeberverzeichnis an, weise auf Sehenswürdigkeiten hin und, und, und… Beispiele hierfür seien die Broschüren „Weinlandschaft Kraichgau-Stromberg“, „Tour de Wein“ und „Weinerlebnisplaner“.
Im Rahmen der Bezirksversammlung wurde Bastian Walz vom gleichnamigen Weingut in Ensingen für seine 25-jährige Tätigkeit als Berichterstatter für das Statistische Landesamt Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Ehrung nahm Landrats-Stellvertreter Dr. Utz Remlinger vor.
