Großglattbach (rkü). Die Klärteiche in den Auwiesen von Großglattbach werden seit Jahrzehnten vom Angelsportverein Platte als Fischteiche genutzt. Die Angler klagen über zunehmende Verschlammung und machten den Vorschlag, die Teiche mit einer Belüftung für 13000 Euro zu sanieren. Stattdessen wurde jetzt eine Sömmerung beschlossen, das Austrocknen des Schlamms.
Nach dem Bau der Kläranlage in Großglattbach entstanden auch die zwei Teiche, in die das Wasser zum Nachklären eingeleitet werden sollte, bevor es in den Glattbach gelangte. Seitdem rund drei Jahrzehnten sind dort die Angler aktiv und nutzen die Gewässer als Fischteiche. Dafür bezahlen sie eine Pacht von 300 Euro jährlich. Je älter die Teiche wurden, umso seichter wurden sie auch. Schlammablagerungen waren in den Augen der Fischer auch schuld daran, dass ein Eck verlandete, in dem es zunächst Schilfbewuchs gegeben hatte. „Das war ein wunderbares Schilf-Eck mit Laichmöglichkeiten für die Karpfen“, sagte Rudi Schneider, der Vorsitzende des Angelsportvereins.
Um dem Schlamm zu Leibe zu rücken, schlugen die Angler vor, vorübergehend ein Belüftungssystem zu installieren und so zusätzlichen Sauerstoff ins Wasser einzutragen. Eine entsprechende Fachfirma hat die Teiche bereits untersucht und ein Angebot über 13000 Euro vorgelegt. Der Abwasserzweckverband Glattbach und Kreuzbach hatte angesichts der erheblichen Kosten, die letztlich auf die Gebührenzahler umgelegt würden, beim Umweltamt des Landratsamts Enzkreis eine zweite Meinung eingeholt. Angelika Gross, die für Abwasser und Gewässer zuständig ist, schlug vor, das Schlammproblem mit einer Sömmerung anzugehen. Hierbei wird das Wasser aus Teichen abgelassen, so dass der Teichboden für einen Zeitraum von mehreren Monaten trocken fällt – beispielsweise einen Sommer lang. Allerdings könnte passieren, weil die Teiche schon 27 Jahre lang nicht trocken gefallen sind, dass ein Sommer nicht reicht und noch der Winter angehängt werden muss. Gross wies bei ihrem kurzen Sachvortrag auch auf mögliche Nachteile der bislang wenig erprobten Methode mit der Belüftung hin.
Bei der Versammlung des Zweckverbands am Mittwochabend wurde schnell klar, dass nicht erhebliche Mittel für die Gewässersanierung aufgewendet werden sollen. „Es ist undenkbar, dass ich 13000 Euro für eine Maßnahme ausgebe, von der das Umweltamt sagt, dass sie nicht sinnvoll ist“, unterstrich Karlheinz Oehler. Der Wiernsheimer Bürgermeister ist Vorsitzender des Zweckverbands. Gemeinderat Dr. Achim Stuible ergänzte: „Wenn wir die 13000 Euro ausgeben, haben wir mit großer Wahrscheinlichkeit ein Ergebnis, das schlechter ist als beim Sömmern.“
Auch die Angler können sich offenbar mit dieser Lösung anfreunden. „Ich bin dafür, dass man das alte Verfahren des Sömmerns aufgreift“, sagte auch der Vorsitzende Schneider nach der Beratung. Da es zwei Teiche in unmittelbarer Nachbarschaft gibt, soll in den kommenden zwei bis drei Jahren (je nach Erfolg der Maßnahmen) jeweils einer trocken gelegt werden, während der andere mit Fischen besetzt bleiben kann. So können die Angler weiter ihrem Hobby frönen und haben noch einen geldwerten Vorteil: „Ich schlage vor, dass wir auf die Pacht von 300 Euro während der gesamten Dauer der Maßnahmen verzichten“, sagte Oehler. Dafür gab es einhellige Zustimmung. Ob der Teichboden dann auch noch durch Ausbaggern tiefer gelegt werden soll, bleibt abzuwarten.
