Vaihingen (rkü). Von wegen Treibhauseffekt – wer in diesem Winter ein Gewächshaus heizen muss, weil er mit seiner Gärtnerei darauf angewiesen ist, hat ungewöhnlich hohe Energiekosten. Der Winter ist nicht nur knackig kalt, sondern die Kälte hat auch Ausdauer. Zudem machte sich im trüben Januar die Sonne rar.
Wenn die Sonne scheint, sind Gewächshausbesitzer fein raus. Die auffälligen Glaskonstruktionen der Gärtnereibetriebe sind so aufgebaut, dass die Sonnenstrahlung das Innere schnell aufwärmt und die Saat zum Keimen oder Pflanzen zum Austreiben bringt. Doch gerade in dieser Phase sind die Gewächse sehr empfindlich und sollten vor plötzlichen Temperaturunterschieden geschützt werden. Das bedeutet für die Betreiber der Gewächshäuser, dass sie immer dann, wenn die Sonne fehlt, kräftig nachheizen müssen. Also nachts oder an trüben Tagen. Andere Pflanzen brauchen es nicht ganz so warm, sollten aber auch nicht gerade einfrieren. Um sie durch den kalten Winter zu bringen, ist der Energieaufwand nicht ganz so hoch.
Etwa 20 Prozent der Betriebskosten der Gärtnerei Dobler in Sersheim entfallen auf die Energiekosten, rechnet Inhaber Thomas Dobler vor. „Das ist nach den Lohnkosten der größte Faktor.“ Bis zum Jahreswechsel habe er schon eine Steigerung um etwa zehn Prozent festgestellt. Diese Quote, so schätzt er, dürfte sich durch den ganzen Winter 2009/2010 ziehen. Was ihn ärgert: der trübe Januar. „Da haben wir sogar tagsüber heizen müssen“, erinnert sich Dobler. Mehrere 10000 Liter Öl muss er Winter für Winter für die Heizungsanlage einkaufen.
Auch sein Kollege Bernd Beutler aus Horrheim ist nicht begeistert, wenn er an den Januar zurück denkt. „Da war es dunkel. Darum sind wir mit den Rosen jetzt drei Wochen hinterher.“ Rosen machen bei der Gärtnerei Beutler einen großen Anteil des Geschäfts aus. „Normalerweise fahren wir Mitte Januar die Temperaturen im Rosen-Gewächshaus von drei bis vier auf 16 bis 18 Grad Celsius hoch. Aber das hatte dieses Jahr keinen Sinn, weil es kein Licht gab.“ Im Gewächshaus der Lilien lohne sich eine künstliche Beleuchtung, so Beutler, doch bei den Rosen sei dies nicht wirtschaftlich.
Und die Preise für Blumen? „Die haben eher eine fallende Tendenz“, sagt Beutler mit Blick auf einen globalisierten Markt. Die höheren Energiekosten des kalten Winters an die Kunden weiterzugeben, hält er für illusorisch. „Wenn es in drei Wochen warm ist, will keiner mehr etwas davon wissen. Die Mehrkosten müssen wir wohl schlucken.“ Sein Kollege Dobler sagt, dass sich die Preise auf dem Großmarkt bereits deutlich erhöht hätten, so seien beispielsweise Rosen derzeit erheblich teurer als in den vergangenen Wintern.
Gestern war es mollig warm in den Gewächshäusern am Ortsrand von Horrheim. Der Schnee ist inzwischen von den Dächern gerutscht. „Runterfegen kann man ihn nicht, also haben wir etwas mehr geheizt“, berichtet Beutler. Zu schwer geworden sei die weiße Last für die Konstruktionen zwar nicht, doch habe man aufpassen müssen. Um während der kalten Nachtstunden nicht zu viel Wärme durch die großen Glasflächen zu verlieren, nutzen sowohl Dobler als auch Beutler zwei technische Hilfsmittel. Zum einen sind die Außenwände im Winter mit einer zwei Zentimeter dicken Luftpolsterfolie als Isolierschicht versehen. Außerdem sind „Energie-Schirme“ eingebaut, faltbare Reflektoren aus Aluminium, die man abends ausfahren kann. Dann bleibt die Wärme, die von den Heizrohren in Bodennähe abstrahlt, länger im Innenraum. Nur tagsüber müssen die Reflektoren zusammengefaltet sein, um Licht und Wärme nach innen zu lassen.
