Mühlhausen (rkü). Landauf, landab wird am Faschingsdienstag Kinderfasching gefeiert. Doch seit Jahrzehnten gibt es eine Ausnahme von dieser Regel. Mühlhausen im Enztal scheint jeweils an diesem Datum die Rolle des kleinen gallischen Dorfs einzunehmen, das in den Asterix-Erzählungen immer aus der Reihe fällt. Denn in Mühlhausen war gestern Kinder- und Jungschartag.
Mehr als 200 Kinder und Jugendliche waren ins Enztal gekommen, um das Kontrastprogramm zum sonst üblichen Kinderfasching zu erleben. Einen Tag, an dem sich alles um den Glauben an Gott und um Erlebnisse in der Gemeinschaft drehte. Im Gemeinschaftshaus und in der Enztalhalle fanden zwei Veranstaltungen statt, die zwar gemeinsam organisiert, aber völlig voneinander getrennt durchgeführt wurden. Unterscheidungsmerkmal war einfach das Alter der Teilnehmer. Während sich der Jungschartag in der Halle an die Neun- bis 14-Jährigen richtete, waren beim Kindertag im Liebenzeller Gemeinschaftshaus die Fünf- bis Achtjährigen genau richtig. Beide Veranstaltungen wurden von jeweils etwa 30 Mitarbeitern betreut. Die Enztalhalle glich gestern einer riesigen Baustelle. Rot-weißes Absperrband, Leitern, Farbeimer, Umleitungsschilder, Verkehrsleitkegel und Warnlampen boten das passende Ambiente für den Tag unter dem Motto „Achtung Baustelle – betreten erwünscht“. Es ging unter anderem darum, wie die Jugendlichen ein Haus Gottes bauen würden.
Als kleine Einstimmung bekamen sie die Aufforderung: „Wir sind so viele, da bauen wir gleich eine ganze Stadt. Stapelt euch aufeinander, seid kreativ – drei Minuten ab jetzt!“ Immer wieder im Lauf des Tages waren die Teilnehmer zum Mitmachen eingeladen, ob bei den gemeinsamen Liedern oder bei der Arbeit in Kleingruppen. Am Nachmittag war der Missionar Karl-Heinz Schmuderer zu Gast in der Enztalhalle und berichtete von seiner Arbeit in Sambia. Eines war beiden Veranstaltungen in Mühlhausen gemein: Nachmittags durften sich die Kinder auf einer Spielstraße austoben. Der Kindertag im Gemeinschaftshaus war mit rund 100 Teilnehmern ebenfalls gut besucht. Dort galt das Motto „Du bist wichtig“. Als Beispiel nahmen die Mitarbeiter in ihrem Anspiel eine Geschichte aus der Bibel. Mose hatte einen Auftrag von Gott erhalten, doch es fehlte ihm das nötige Selbstvertrauen für die Umsetzung. „Ich mache nichts richtig“ als Grundlage sei der völlig falsche Ansatz, erläuterte Gemeinschaftspastor Andreas Geissinger (Großglattbach), dessen Kollege Markus Kersten für das Anspiel verantwortlich war. „Am Beispiel von Mose sollen die Kinder erkennen: Gott hat dich gemacht und schickt dich los. Du bist wichtig – Gott braucht jeden.“ Bei gemeinsamen Liedern und Spielen erlebten die jungen Teilnehmer einen Tag, der sich völlig von dem unterschied, was viele ihrer Altersgenossen gestern erlebten.
