Dienstag, 22. Mai 2012

Klosterkirche geschlossen




Die Klosterkirche in Maulbronn. Foto: p
Die Klosterkirche in Maulbronn. Foto: p

Maulbronn (gf). Die Klosterkirche in Maulbronn bleibt voraussichtlich vom 4. Oktober 2010 bis Mai 2012 wegen Sanierung komplett geschlossen. 5,3 Millionen Euro will das Land in das Bauwerk und in eine neue Orgel investieren.
Nutzer der Klosterkirche ist im juristischen Sinne das Evangelische Seminar und die evangelische Kirchengemeinde, die im Unesco-Weltkulturerbe ihre Gottesdienste abhält, ist sozusagen der „Untermieter“ der Internatsschule. Der Eigentümer der Anlage jedoch ist das Land Baden-Württemberg, das den Löwenanteil der Unterhaltungskosten trägt. Und das sind Millionenbeträge.
Bereits vor Jahren wurden im Bereich des Chores umfangreiche Arbeiten durchgeführt, jetzt geht es darum, den Rest der Kirche zu sanieren und deren imposantes Gewölbe instand zu setzen. „Vorrangig geht es um den Erhalt der Bausubstanz“, sagt Gerhard Habermann, Abteilungsleiter der zuständigen Landesbehörde Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Ein Bauausschuss, dem Vertreter des Landes, der Seminarstiftung und der evangelischen Kirchengemeinde angehören, koordinieren das Projekt. Ein Fachbüro erfasst sämtliche Gebäude und erstellt eine umfangreiche Dokumentation. Habermann: „Es geht um den Ist-Zustand des Klosters Maulbronn.“
Es folgen umfangreiche Eingriffe, die sich über 19 Monate hinziehen könnten. Unter anderem bereitet die Statik der Empore für die Orgel, die erst 1972 eingebaut wurde. Sorgen. Im Zuge der Umbauarbeiten soll die Klosterkirche auch gleich eine neue Orgel erhalten.
Was das Instrument betrifft, gilt der Vertrag des Landes mit dem Seminar von 1928 – und dort steht, dass das Land nur für eine Orgel mit 21 Registern zuständig ist. Doch die heutige Walker-Orgel hat 35 Register. Für die Differenz müsste in diesem Fall laut der Vereinbarung die evangelische Kirchengemeinde aufkommen.
Laut Gerhard Habermann wird der spezielle Orgelausschuss im März über ein Leistungsverzeichnis entscheiden und weitere Details im Zusammenhang mit der neuen Orgel klären. Nächster Schritt ist dann die Aufforderung an Orgelbauwerkstätten, ihre Angebote abzugeben.
Das Land rechnet mit Kosten von 1,26 Millionen Euro als Beitrag zur neuen Orgel und für die statische Aufbereitung der Orgel-Empore. Gerhard Habermann: „Erst wenn das Finanzministerium Baden-Württemberg die finanziellen Mittel freigibt, können wir mit der Sanierung beginnen.“
„Wir haben eine große Wunschliste“, stellt im Vorfeld des Eingriffs der Maulbronner Pfarrer Ernst-Dietrich Egerer fest. Dazu gehört eine bessere Beleuchtung der Kirche. Weiterhin wünscht sich die Gemeinde fest installierte Lautsprecher und mehr Stromquellen im Kirchenraum. Wünschenswert, so Egerer, sei auch eine Toilette in der Nähe der Klosterkirche. „Heute müssen die Leute über den Hof gehen.“
Eine Sanierung der Orgel Baujahr 1972 sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht ratsam, sagt Egerer. Das Instrument sei im Übrigen „handwerklich nicht gut gemacht“. Die Kosten für eine Generalüberholung lägen bei etwa 300000 Euro, ein neues Instrument koste ca. 800000 Euro.
Das „geistige Zentrum“
des Schulbetriebs
geht verloren
Die monatelange Schließung der Klosterkirche sei „eine Herausforderung für die Kirchengemeinde“, macht Egerer klar. Die Winterkirche, die als Ersatz dienen muss, biete nur Platz für 300 Besucher. Wo die großen Weihnachtsgottesdienste oder die Konfirmation gefeiert werden sollen, habe der Kirchengemeinderat noch nicht entschieden. Dem Evangelischen Seminar geht, wie Ephonus Tobias Küenzlen sagt, mit dem Kirchenraum vorübergehen das „geistige Zentrum“ des Schulbetriebs verloren.
Massive Folgen hat die Sperrung der Kirche auch für die hochkarätigen „Maulbronner Klosterkonzerte“. Zwar könnten kleinere Konzertveranstaltungen in anderen Räumen der Anlage – vorrangig im Laienrefektorium – stattfinden, sagt die Mitorganisatorin Britt Mogge, doch Probleme gebe es mit den oratorischen Werken in großer Besetzung.
Ebenfalls umstellen – oder bis Mai 2012 gedulden – müssen sich die Brautpaare. Zwischen 20 und 25 kirchliche Hochzeiten finden in der Klosterkirche jedes Jahr statt, die sich als außergewöhnliche Kulisse auch bei auswärtigen Brautpaaren großer Beliebtheit erfreut.




Seitenanfang