Dienstag, 22. Mai 2012

Schnee satt




Ein Räumfahrzeug der Straßenmeisterei. Foto: Rücker
Ein Räumfahrzeug der Straßenmeisterei. Foto: Rücker

Vaihingen (sr) – Es schneit und schneit und nimmt kein Ende. „Momentan haben wir die Lage noch im Griff“, sagt Peter Rudolph, Leiter der Straßenmeisterei in Vaihingen. Beim Bauhof der Stadt besteht keine Aussicht auf Salznachschub.
  Dem skeptischen Blick in Richtung Fahrbahn setzt Peter Rudolph, Leiter der Straßenmeisterei in Vaihingen ein „wir haben Winter und es schneit“entgegen. Die Landstraße 1125 von Vaihingen nach Großglattbach ist von einer Lage Restschnee bedeckt.
Rudolph rührt mit dem Fuß in der matschigen Pampe herum. „Gut befahrbar“, lautet sein Urteil. Wäre hier nicht schon geräumt und mit Salz gestreut worden, hätte sich eine geschlossene Schneedecke gebildet, die schnell richtig glatt geworden wäre, so der Fachmann. Seit 3.30 Uhr sind die Fahrer der Straßenmeisterei mit sieben Fahrzeugen im Einsatz. 250 Kilometer Strecke sind zu räumen. Gibt’s noch Salz? „Ja!“, antwortet Rudolph. Nur wenn vier Tage am Stück Schnee fallen würde, „bekommen wir auch ein Problem. Wir sind glücklich, wenn’s nicht durchschneit“. Im Landkreis Ludwigsburg können momentan alle drei Straßenmeistereien noch auf ihre Salzvorräte zurückgreifen. Für die Fahrer sei die Wetterlage im Moment schon anstrengend,aber Verzweiflung mache sich noch nicht breit. „Das mögen die“, unterstellt der Straßenmeisterei-Chef in grenzenlosem Optimismus gar seinen Fahrern.
Beim Bauhof in Vaihingen sind die Mitarbeiter beim Räum- und Streudienst ebenfalls früh auf den Beinen. Um drei Uhr beginnt für die Fahrer der Räumfahrzeuge der Dienst, die Handräumer gehen um 4.30 Uhr in den winterlichen Kampf. Die Stadt verfüge noch über ein kleines Resthäuflein Salz, das an Steigungen und in Kreuzungsbereichen zum Einsatz kommt, berichtet Vaihingens Pressesprecherin Martina Fischer. Ansonsten sind die Salzvorräte erschöpft (wir haben berichtet). Teilweise sei gestern der Eindruck entstanden, dass nicht mehr geräumt werde. Das sei nicht der Fall, es werde geräumt und Splitt gestreut, „so sehen die Straßen dann aus“, bringt es Fischer auf den Punkt. Auch bei den Handräumern komme nun vermehrt Splitt zum Einsatz. Fischer: „Es wird geräumt, dann Splitt gestreut, dann können rund fünf Zentimeter Schnee draufschneien und es ist durch den Splitt weiterhin begehbar.“
 Aussicht auf Salznachschub hat die Stadt Vaihingen nicht. Der Salzlieferant müsse passen, theoretisch bestünde die Möglichkeit aus Österreich, Slowenien oder China Salz zu ordern. Allerdings seien die Aussagen zur Lieferzeit sehr vage und besonders abschreckend wirke der Preis. Mit 230 Euro pro Tonne wäre rund das Vierfache des sonstigen Preises zu berappen. Und auch die Qualität sei nicht zwingend genauso hoch wie bei deutschem Streusalz.
Nicht zu beneiden sind die Busfahrer, die ihre Riesenfahrzeuge durch die Winterlandschaft manövrieren müssen. Der 18 Meter lange Gelenkbus der Linie 595 Hochdorf-Vaihingen habe es gestern Morgen für die Schülerbeförderung gerade noch von Riet nach Hochdorf hoch geschafft, wenn auch mit Verspätung, berichtet Benjamin Flattich, Disponent bei Flattich-Reisen in Riet. Dafür musste einer der beiden Schülerbusse der Linie Eberdingen-Vaihingen kapitulieren.
Am Buckel von Riet nach Nussdorf steckten schon die ersten Fahrzeuge fest, da war kein Durchkommen in Sicht. Letztendlich liege die Entscheidung, ob er sich eine Fahrt zutraut oder nicht, im Ermessen des einzelnen Busfahrers. Eine Art Notfallplan, um die Schüler oder Eltern zu benachrichtigen gebe es seither nicht. Glücklicherweise lassen sich die Tage, an denen Schneenotstand herrscht, an einer Hand abzählen. Winterreifen haben die Flattich-Busse alle und wenn’s ganz schlimm kommt, liegen Schneeketten für zwei Busse bereit.
Von sechs witterungsbedingten Unfällen im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Vaihingen von 5.30 Uhr bis mittags berichtet Peter Widenhorn, Pressesprecher der Polizeidirektion Ludwigsburg. Generell würden die Autofahrer ihre Fahrweise schon an die Straßenverhältnisse anpassen. Widenhorn: „Wir sind froh, wenn die Leute mit Abstand und langsam fahren.“ Lieber später ankommen, dafür aber heil.




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