Vaihingen (my). Mit einer gewissen Reserviertheit und der unausgesprochenen Frage: „Was soll schon dran sein an dem Typ mit dem roten Stirnband?“ traten am Donnerstag die Schüler des Friedrich-Abel-Gymnasiums Vaihingen den Weg in die Stadthalle an.
Ihre Eltern hatten den zweistündigen Unterrichtsausfall organisiert, sie hatten Sponsoren wie die Kreissparkasse Ludwigsburg, die Enztalbank und den Lions-Club Vaihingen gewonnen, um die Veranstaltung finanzieren zu können, die am Vor- und Nachmittag für die einzelnen Klassenstufen stattfand und am Abend eine Information für die Eltern mit einschloss. Und nun schien auf den ersten Blick nichts Anderes geboten zu sein als ein schlanker junger Mann im sportlichen Outfit mit rotem Stirnband und Mikrofon.
Recht unspektakulär präsentierte sich Christian Bischoff, Motivationstrainer und ehemals jüngster Basketball-Bundesliga-Spieler aller Zeiten. Aber gerade das machte schließlich alles einfacher, unkomplizierter und ermöglichte die Konzentration auf die Sache. Und die hieß: „Mach den positiven Unterschied!“
Spielend hatte Christian Bischoff im Handumdrehen die anfängliche Skepsis abgebaut. Selbst fast fünfhundert Schüler der oberen Klassenstufen in einer voll besetzten Stadthalle hinderten ihn nicht daran, Nähe aufzubauen und zu erreichen, dass jeder Einzelne sich angesprochen fühlte. „Wir sagen ‚Du' zueinander!“, stellte er von vornherein klar und überwand mit ein paar flapsigen Sprüchen und viel Körpersprache im Nu die Distanz zwischen Podium und Publikum.
Am Beispiel der Geschichte von Aidan, einem elfjährigen Briten, der sich durch tägliches Training selbst das Tanzen beigebracht hatte, führte Christian Bischoff den Schülern vor Augen, was man mit Selbstdisziplin erreichen kann. „Das ist das Fundament der ‚Mach den positiven Unterschied-Pyramide'“, erklärte Bischoff und kaum einer wollte das ernsthaft bestreiten.
Auch Konzentration gehöre dazu, lernten die Schüler, ebenso wie ein positiver Umgang miteinander zur Stärkung des Selbstvertrauens, gepaart mit dem Vorsatz, sein Bestes geben zu wollen. „Das kann für den einen mit einer Eins honoriert werden, für den anderen ist nicht mehr drin als eine Drei“, meinte Bischoff. Aber das Entscheidende dabei sei, dass man sich nicht von Fehlern entmutigen lasse und in der Vorbereitung wirklich alles geleistet habe, was man leisten konnte, denn das sei die über alles entscheidende Selbstdisziplin: „Tu, was du tun musst, in dem Moment, wo du es tun musst!“
Um solche Leitsätze nicht nur theoretisch zu verankern, durften die Schüler auch gleich spielerisch ausprobieren, was gemeint war. Dazu diente zum Beispiel die Anweisung, Liegestützen zu machen. Sonst ein mit viel Gemurre verbundener Programmpunkt im Sportunterricht, aber in der Stadthalle gab’s keinen, der nicht alles zu geben versuchte – sein Bestes eben!
Theorie- und praxisbezogene Übungen gipfelten schließlich in der Aufforderung an jeden Einzelnen, sich ganz persönliche Ziele zu setzen. Basierend auf dem bereits erworbenen Selbstvertrauen sollte jeder schriftlich fixieren, was er in diesem Jahr erreichen wollte und vor allem mit welchem Einsatz. „Hängt diesen Zettel bei euch zu Hause auf!“, riet Christian Bischoff, „dort, wo ihr ihn jeden Tag angucken müsst!“
So sollte sich Nachhaltigkeit einstellen und die nötige Selbstdisziplin möglich werden, hofft der Motivationstrainer, dessen rotes Stirnband dem gleichen Zweck diente: „Nach sieben Wochen könnt ihr euch nicht mehr an meinen Namen erinnern, aber an das, was der Typ mit dem roten Stirnband gesagt hat“, prophezeite er.
Und was er gesagt hatte, fanden denn die meisten trotz anfänglicher Skepsis ziemlich gut: „Ich werd jetzt mehr üben!“, nahm sich nicht nur Leah aus der fünften Klasse am Ende vor.
