Schnegga-Fasnet
Aurich (aa). Die vier Minuten Verspätung seien verziehen. 20.15 statt 20.11 Uhr, was soll’s bei einer Faschingsveranstaltung. Und Schnecken sind ja eh ein wenig langsamer. Doch dann geht es gleich heftig zur Sache in Aurich bei der 18. Schnegga-Fasnet. „Everybody Needs Somebody to Love“ – der Blues-Brothers-Hit soll die Stimmung anheizen. Jens Frölich und Franz Rösch tanzen über die Bühne. Von wegen lahme Schnecken! Das Schlachtruf-Echo aus dem Saal klingt zwar noch etwas verhalten, aber das wird von Minute zu Minute besser.
Es gibt noch vereinzelte unbesetzte Plätze im mit Schutzfolie ausgelegten Saal. „Doch das wird sich geben“, ist Rösch zuversichtlich. Er soll recht behalten. Bühne frei für die acht Marionetten der Gymnastikgruppe von Margit Hiel. Es geht offensichtlich auch ohne Hektik an den Steppbrettern. „Puppet on a string“ eben. Das Tanzmariechen der „Würmlesbader“ aus Bietigheim-Bissingen hat die Bühne für sich alleine. So beweglich sollte man noch sein! Beim Tanzpaar der „Würmlesbader“ hat der junge Mann die Anteilnahme ganz auf seiner Seite. Die Partnerin über Kopfhöhe zu befördern, erfordert Muckis. Zwischendurch fällt mal die Spanische Wand, die den Bühnenaufgang verdecken soll, zusammen. Aber das wird mit Humor genommen. Wie es auch die spanischen Putzfrauen der Jazztanzgruppe nehmen. Margit Hiel ist offensichtlich nie um Ideen verlegen. Dass sich Franz Rösch eingeschmuggelt hat, gibt der Schau eine gewisse Würze.
Bollywood ist auch in Aurich ein Begriff. Und wenn man indische Film-„Kunst“ mit gallischen Comicfiguren mixt, kann durchaus eine sehenswerte Bühnendarbietungen entstehen. Margit Hiels Jazzgymnastikfrauen haben es bewiesen – wieder mit Franz Rösch. „Aber jetzt reicht es“, gesteht der ein, als abschließend die Schlümpfe ohne ihn über die Bühne jumpen. Diese Gruppe ist eine Besonderheit der Auricher Schnegga-Fasnet. Die Herrschaften treten nur zu dieser Veranstaltung auf; sie gehören auch keiner bestimmten Übungsgruppe des TSV an. Mit Dorothea Wolf-Arendt üben sie ab Weihnachten ihre Schau ein und lassen sich dann jeweils als Highlight feiern. Dass die Zugabe etwas kürzer ausgefallen ist, wird verziehen. Die Puste war schon stark gefordert.
Bevor wir’s vergessen. Drei Damen der Gymnastikgruppe zappen sich zwischen Sport- und Kochsendungen durchs Fernsehprogramm, berichten von Damenbrustschwimmen, ins Wasser fallenden Knödeln, Elfmetern, Sauerkraut und 100-Meter-Rekorden.
21.35 Uhr. Das Bühnenprogramm ist zu Ende. Tanzparty mit „no problem“ ist jetzt angesagt. Der Saal ist inzwischen fast überfüllt. Ordensverleihung. Draußen vor der Tür sammeln sich die Guggenmusiker aus Murr und schrauben im Licht von Autoscheinwerfern ihre Trommeln zusammen. Sie kommen gerade aus Tamm und müssen noch weiter nach Erdmannhausen. Fasching ist für sie fast Stress. Zum Glück liegt kein Schnee mehr. Rutschende Schnecken machen nur im Saal Spaß.
Lumpenball Riet
Riet (jäh). Mit einem Potpourri aus Gardetänzen, Büttenreden, Sketchen, aber auch Abstechern in die deutsche Unterhaltungsindustrie hat der SV Riet am Samstag seinen 24. Lumpenball gefeiert. Dabei durften nicht nur „Wicky und die starken Männer“ ihre Muskeln spielen lassen. Nein, auch heiratswillige Bauern auf Frauensuche kamen zum Einsatz.
„Äbbelle, äbbelle, hoi, hoi, hoi!“ Mit einem dreifachen Schlachtruf wurde die Faschingszeit aus ihrem eisigen Winterschlaf gerissen, denn pünktlich um 19.33 Uhr war es wieder soweit. Die mit bislang nur einer Unterbrechung schon zur Tradition gewordene Veranstaltung zog in diesem Jahr rund 350 Gäste in die Strudelbachhalle. Michael Bauer besorgte wieder die Überleitungen.
Zunächst lockte der Ruf des Urwalds. Doch statt den Gepflogenheiten des Dschungelcamps legte die Jazz-Dance-Gruppe der Elf- bis Vierzehnjährigen eine von der Trainerin Evi Anastasiou choreografierte Hip-Hop-Nummer hin. Hüpfen, Strecken, die Arme hoch… Mit „Jungle Drum“ von Emilia Torrini wurde unverkennbar der richtige Urwaldsong gewählt; mit einer Kostümauswahl, die vom Leoparden bis zum Paradiesvogel reichte, die entsprechende Verkleidung.
Grünes Hütchen, rotes Sakko, gelbe Strümpfe – für ihren diesjährigen Auftritt beim Lumpenball hatte sich die Witwe Waiberle extra in Schale geworfen. Schließlich will Mann als Frau gut aussehen zur Faschingszeit. Mit seiner Büttenrede sollte Roland Dieterle für den ersten komödiantischen Abschnitt des Abends sorgen. Dabei berichtete der Feuerwehrkommandant des Ortes unter anderem von Erlebnissen beim Leichenschmaus („Steht die Frau am Grab und kichert, war der Gatte gut versichert“) oder auf der Schönheitsfarm, nymphomanischen Tendenzen oder wie sie den Oberbürgermeister von Vaihingen auf eine Tasse Kaffee einladen wollte („Das Geld wäre mir lieber – wir müssen ja schließlich sparen“).
Der Besuch der Elferratsgarde vom Frohen Faschingsclubs Gerlingen war eine echte Premiere in Riet. Deren spektakulärer Showtanz hatte in etwa das Thema „Wenn Oma in die Disco geht“ – DJ am Mischpult, Polizeirazzia und improvisierte Gefängniszelle inklusive. Und zum Schluss gab es eine menschliche Pyramide.
Auf zünftige Unterhaltungsmusik hingegen setzten die vier Strudelbachsänger, die altbekannte Stimmungsschlager wie „Schöne Maid“, „In München steht ein Hofbräuhaus“ oder den Standardsong einer jeden Veranstaltung – die „Rieter Polka“ – zum Besten gaben.
Mit der Aufführung eines Sketches der Abteilung für Breitensport, bei dem es um gestohlene Kleidungsstücke ging, wurde der erste Teil des Unterhaltungsprogrammes beschlossen. Den Auftakt zur Runde zwei absolvierte die Garde des SV, deren Choreografie von Simona Gröner stammt. Unterstützung erhielten die Mädels dabei von den Kindern aus der Jazztanzgruppe. Die nächste halbe Stunde gehörte den Guggenmusikern der „Fleggafetzer“ aus Hochdorf, die gemeinsam mit den „Greaninger Gassarutscher“ den Lärmpegel heftig anschwellen ließen.
Laut und heftig war der Auftritt des Männerballetts der Fußballabteilung. Inspiriert vom Bully Herbig-Film „Wicky und die starken Männer“ stürmten zehn Jungs in Wikingerkostümen die Bühne, um ihre wilde Showeinlage aufzuführen. „Hey, was geht ab?“ wird sich sicher nicht nur so mancher im Publikum gefragt haben, nein, es war auch der Titel des Songs, der diese Nummer musikalisch umrahmte. Auch die nächste Darbietung blieb dem Metier der deutschen Unterhaltungsindustrie treu: „Bauer sucht Frau“ hieß es, als drei Rieter Mannsbilder sich auf Damenfang begaben. Groß war die Auswahl schon: von der biederen Hausfrau über die Zicke bis hin zur Discomaus im knappen Leopardendress war für jeden Geschmack was dabei. Als Moderatorin – oder besser als bayerisches Cowgirls – führte Sara Gröner durch dieses Revueprogramm, das erneut sowohl aus Showtänzen als auch aus bekannten Schlagern bestand.

