Dienstag, 22. Mai 2012

ERfolgreiche Typisierungsaktion






484 Spendewillige wurden in Illingen typisiert. Foto: Arning
484 Spendewillige wurden in Illingen typisiert. Foto: Arning

Illingen (aa). Die Aktion ist generalstabsmäßig organisiert. In Illingen hängen an allen wichtigen Kreuzungen Wegweiser: hier geht es zu „Hilfe für Helmut und andere“. 484 Menschen ließen sich gestern in der Stromberghalle typisieren. Die Macher von der Jedermanngruppe des SV Illingen können stolz auf ihre Idee sein.
Beate Mayer von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Tübingen hat schon viele derartige Aktionen mitgemacht. Doch vom Engagement in Illingen ist sie hoch begeistert. Das sagt sie nicht nur aus Höflichkeit. „Es ist alles perfekt organisiert. Besser könnte es nicht laufen.“ Und der Illinger Arzt Dr. Udo Beller, mit dem insgesamt sieben örtliche Mediziner in zwei Schichten in der Halle Dienst tun, sieht es von der ganz pragmatischen Seite: „Wunderschöne Venen haben die Leute.“ Es gab – wenigstens bei ihm – kaum Probleme mit der Suche nach der geeigneten Abnahmestelle für die fünf Milliliter Blut, die für die Typisierung benötigt werden.
Die Gäste der Aktion werden von einer Spenderwiese begrüßt. Riesige Scheck-Kopien hängen an den Tischen. Eine ganze Wand ist mit Zeitungsausschnitten bepflastert. Es hat sich viel bewegt seit die Jedermänner um Günther Rollinger und Wolfgang Kwiatkowski Anfang Dezember an die Öffentlichkeit gegangen sind. Ihrem Mitglied Helmut wollten sie helfen. Er leidet an Leukämie. Nur eine Stammzellentransplantation kann das Leben des 57-Jährigen retten. Für Helmut wurde inzwischen ein geeigneter Spender gefunden. Für ihn beginnt am Montag der medizinische Countdown im Krankenhaus Ludwigsburg. In der kommenden Woche soll im Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart der Katheter gelegt werden, dann folgt in der Uni-Klinik Heidelberg eine Chemotherapie, am 23. Februar ist der Eingriff geplant. An der Türe zum Saal der Stromberghalle hängt ein Bild von Helmut. Er hat persönlich Worte hinzugefügt, bedankt sich bei allen, die unermüdlich im Einsatz sind und bei den Spendern für die Bereitschaft, sich typisieren zu lassen.
Schon um 11 Uhr strömen die Besucher. Unter ihnen ist auch Bürgermeister Harald Eiberger mit Frau. Es gibt mehrere Anmeldetische; die Helfer des SV Illingen sind im Voraus geschult worden. Die Daten werden zur Sicherheit nochmals mit dem Röhrchen abgeglichen. In der Spendenschachtel liegen nur Scheine. Ein nagelneuer 500-Euro-Schein ist am Morgen aus Oberriexingen dazugekommen. Bürgermeister Werner Somlai hat ihn persönlich überbracht, denn er und Helmut haben früher beim TSV miteinander Fußball gespielt. Da war es für die Oberriexinger Sportler Ehrensache, sich zu engagieren.
Woher kommen die Spender? Aus dem Umkreis von gut 20, 30 Kilometern, erzählen die Helfer. Sogar aus Stuttgart seien welche da gewesen. Viele Vaihinger sind dabei. Die Quote Männer:Frauen wird auf 60:40 geschätzt. Aber das kann täuschen. Beim Besuch der VKZ sind deutlich mehr Damen als Männer im Saal.
Von fünf Teams wird das Blut abgenommen. Vier Ärzte sind in der ersten Schicht dabei, drei in der zweiten. Dazuhin steht Fachpersonal aus dem Krankenhaus Mühlacker zur Verfügung – ehrenamtlich. Die SVler haben zwei Schichten auf die Beine gestellt (rund 40 Leute) und freuen sich, dass es ihnen nicht langweilig wird. Bis um 14 Uhr sind schon rund 260 Spender im Saal gewesen.
20000 Euro wollten die Jedermänner mit ihrer Aktion einnehmen, um 400 Typisierungen zu erreichen. „Das Ziel wurde erreicht“, meldet Günther Rollinger. Das Spendenkonto stand am Samstag bei rund 17000 Euro; dazu kommen die 500 Euro aus Oberriexingen, die Einnahmen aus dem Konzert in der evangelischen Kirche am Samstag (geschätzt 1500 Euro) und weitere 4000 Euro Spenden am Sonntag.
In der deutschen Knochenmarkspenderdatei sind derzeit rund 2,5 Millionen Spender registriert; sie ist damit weltweit die größte. Dennoch hofft jeder fünft Leukämiepatient, der auf eine Transplantation wartet, vergeblich auf einen geeigneten Spender. Helmut hat Glück gehabt.
Die Registrierung eines potenziellen Lebensspenders kostet rund 50 Euro – deshalb wird unermüdlich um Spenden geworben. „Und wir sind glücklich, wenn sich eine so engagierte Gruppe wie in Illingen zusammenfindet“, kommt das Lob der DKMS-Vertreterin Dass der Bedarf dringend notwendig ist, machen 11000 Leukämiefälle im Jahr deutlich. Darunter sind 7000 Kinder.

Wer noch spenden will: DKMS Konto 7799330, Sparkasse Pforzheim Calw, BLZ 666 500 85. Infos: www.dkms.de


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