Dienstag, 22. Mai 2012

Teurer Brandfall






Hier soll die Realschule einen Veranstaltungsraum erhalten. Foto;: Arning
Hier soll die Schule einen Veranstaltungsraum erhalten. Foto: Arning

Vaihingen (aa). Der Brand am 14. Oktober in der Ferdinand-Steinbeis-Realschule hat eine Sanierungslawine ausgelöst: Alleine der städtische Anteil an den Kosten für die Umsetzung des Brandschutzkonzeptes summiert sich auf rund 623000 Euro. Es sollen bis 2013 insgesamt vier selbstständige Bauabschnitte gebildet werden. Der Gemeinderat hat gestern Abend zugestimmt.
Das Feuer im WC-Bereich des Erdgeschosses hatte eine starke Verunreinigung durch Rußpartikel nach sich gezogen. Es mussten Holzdecken in den Fluren und Systemdecken im Treppenhaus und teilweise auch in Klassenzimmern demontiert und entsorgt werden. Das gesamte Gebäude wurde einer grundlegenden Reinigung unterzogen. Seit Mitte November findet ein großer Teil des Unterrichts in Containern statt. „Das war die beste Lösung“, meint Rektor Olaf Büscher, „auch wenn es natürlich nicht optimal ist. Die Container sind eng und hellhörig. Das fördert das Konfliktpotenzial.“
Zur Prüfung der aktuellen brandschutztechnischen Anforderungen erstellte ein Ingenieurbüro aus Calw ein Brandschutzkonzept für die 1972 erbaute und 1985 erweiterte Schule. Darin wird unter anderem festgehalten, dass die Zugänglichkeit der Klassenzimmer im Ernstfall bis auf eine Ausnahme durch Leitern möglich ist. Für die Hausmeisterwohnung im zweiten Obergeschoss muss eine mobile Leiter im Außenbereich des Daches deponiert werden. 1996 wurde das offene Treppenhaus aus Brandschutzgründen mit sogenannten F30-Elementen (Feuerwiderstandsklasse F30: Das Bauteil erfüllt im Brandfall mindestens 30 Minuten seine feuerhemmende Funktion) von den Fluren getrennt; zudem wurde eine Rauch- und Wärmeabzugsanlage eingebaut.
Laut Gutachten sollen nun die Wände, Lüftungskanäle, Installationsschächte und Glaselemente der Rettungsflure und der Treppenräume auf F30 ertüchtigt werden, Holzdecken sollen verschwinden. Es wird die Bildung von Rauchabschnitten im ersten und zweiten Obergeschoss und der Einbau rauchdicht schließender Türen empfohlen.
Im ursprünglichen Konzept war zwischen Foyer und Musiksaal eine feste Brandschutzwand vorgesehen. Dagegen hat sich die Schulleitung in Absprache mit dem Elternbeirat vehement gewehrt. Der Wunsch ist die Nutzung von Foyer und Musiksaal als ein großer Veranstaltungsraum – wie es das Konzept der Schule eigentlich vorsieht. Da die alte Faltwand jedoch seit vielen Jahren defekt war und die Bitten auf Ersatz nicht erhört worden waren, hatte man sich wohl oder übel mit dem Problem abgefunden. Doch jetzt soll die Möglichkeit zur Schaffung eines größeren Veranstaltungsraumes (für Schultheater, Schüler-Disco, Weihnachtsfeiern, Info-Veranstaltungen…) genutzt werden. Die Frage der Notwendigkeit stehe völlig außer Zweifel, hat Rektor Olaf Büscher an Oberbürgermeister Gerd Maisch geschrieben. Jede weiterführende Schule in Vaihingen (und in der Umgebung) verfüge über einen Veranstaltungsraum – nur die FSR nicht. In die benachbarte Stadthalle auszuweichen, sei keine Lösung („völlig unverhältnismäßiger Aufwand“). Bei Gerd Maisch ist Büscher offensichtlich auf offene Ohren gestoßen. Er hat sich die Situation vor Ort angesehen und den Vorschlag aus der Schule unterstützt. Rektor Büscher musste erst gar nicht seine Unterschriftenliste, die er wohlweislich schon bei den Eltern eingesammelt hat, auspacken. Die Mehrkosten, die durch den Wiedereinbau der Faltwand entstehen und die Schaffung einer „Versammlungsstätte“ mit allen Konsequenzen auslösen (Flucht-, Rettungs- und Bestuhlungspläne, netzunabhängige Notbeleuchtung, Fenstertausch im Musiksaal) werden mit 54000 Euro beziffert.
Auf 404000 Euro werden die Kosten geschätzt, die in diesem Jahr für den ersten Bauabschnitt bei der Stadt hängen bleiben. Von der Versicherung sind bereits angefallene Kosten in Höhe von rund 212000 Euro für den Rückbau, die Baureinigung und die Containermiete übernommen worden. Die Planungen für 2011 (erstes Obergeschoss und Erdgeschoss) sehen Kosten von 76000 Euro vor (Beplankung Flurwände in den Klassenzimmern mit F30-Material), für 2012 (UG) sind 97000 Euro kalkuliert, für 2013 (Anbau) nochmals 46000 Euro. Die Arbeiten sollen in den Ferien ausgeführt werden und den Schulbetrieb nicht behindern. Die erste Sanierungsaktion wird nach Lage der Dinge bis zu den Sommerferien 2010 beendet sein. Der Rektor macht sich derzeit bereits Gedanken über ein Einweihungsfest.
Ob die Stadt in dieser Angelegenheit zivilrechtliche Schadensersatzansprüche wird geltend machen können, ist noch nicht geklärt. Ein 13-Jähriger ist als Tatverdächtiger ermittelt worden. Er kann, da strafunmündig, strafrechtlich nicht belangt werden. Die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Es wird davon ausgegangen, dass der Tatverdächtige nicht alleine war. Sollten weitere Verdächtige ermittelt werden und diese das 14. Lebensjahr erreicht haben, wird das Ergebnis der Staatsanwaltschaft Heilbronn zur Entscheidung über eine Anklageerhebung vorgelegt.


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