Vaihingen (aa). Montag, 1. Februar 2010. Erster Arbeitstag für die neue „Finanzministerin“ im Rathaus Vaihingen. Melanie Lerche (32) ist die Nachfolgerin von Jürgen Liegmann (63). Bis 26. Februar, dem letzten Arbeitstag von Liegmann, hat Vaihingen eine Kämmerer-Doppelspitze.
„Ich will meine Nachfolgerin mit den Vaihinger Besonderheiten vertraut machen“, schmunzelt Liegmann, der am 1. August 1987 seine Arbeit als Fachbeamter für das Finanzwesen aufgenommen hat. Zuvor war er in Böblingen Leiter des Schul- und Sportamtes gewesen. Spannende Jahre habe er in Vaihingen erlebt, meint Liegmann. Vier Sparrunden seien zwischen 1992 und 2006 zu bewältigen gewesen. „Es war schön, dass bei mir auch die Kultur dabei war, das hat doch Farbe in die Arbeit gebracht“, meint Liegmann, der sich vor allem gerne an die von Wiebke Richert angestoßenen Projekte erinnert. Und die Schulangelegenheiten habe er mit großem Spaß und Befriedigung betreut: „Ich glaube schon, dass die Bildungslandschaft in Vaihingen in den letzten Jahren ein Stück weit nach vorne gebracht wurde und wir die Vorgaben zeitnah umgesetzt haben.“ Seine Nachfolgerin kann er nur den Tipp geben, wie er eine Vertrauensbasis zum Gemeinderat zu suchen: „Ich habe das Gremium zum Beispiel nie vor einen vollendeten Haushalt gestellt. Alle Dinge sind im Vorfeld in einem engen Wechselspiel besprochen worden. In den eigentlichen Haushaltsberatungen mussten keine Sachentscheidungen mehr getroffen werden.“
Melanie Lerche muss sich die Beziehungen erst noch aufbauen. Die ersten beiden Tage in Vaihingen waren natürlich geprägt von einer Fülle von neuen Gesichtern und ersten Besprechungen. Jürgen Liegmann hat sein Büro im Gebäude Marktplatz 4 geräumt und ist ins „Altenteil“, „einem Zimmerle hinten im Haus“ gezogen. Große Veränderungen sind nicht vorgesehen; der Bodenbelag im Dienstzimmer ist neu (Liegmann: „Man braucht einen festen Boden unter den Füßen“), das Inventar, wohl noch aus den Zeiten von Stadtkämmerer Wilhelm Rappold stammend, wird bleiben, nur einen neuen Schreibtischstuhl soll es geben. „Das passt schon“, sagt Melanie Lerche. Die junge Frau ist in Albstadt aufgewachsen und hat dort ihre Ausbildung absolviert. Studiert hat sie an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. Seit 2001 war die ledige Beamtin bei der Gemeinde Kirchheim am Neckar (5200 Einwohner) beschäftigt und dort für das Finanzwesen zuständig. 19 Bewerbungen hatte es um die A-15-Stelle im Vaihinger Rathaus gegeben. Melanie Lerche war am 21. Oktober vom Gemeinderat gewählt worden.
„Die neue Arbeit in Vaihingen wird sicher spannend“, freut sich die Kämmerin in Anlehnung an das Zitat von Liegmann. Eine der Herausforderungen wird dabei die Umsetzung des neuen Haushaltsrechts zum 1. Januar 2012. Von den Problemen des Haushaltsausgleichs ganz zu schweigen. An die Bezeichnung Kämmerin muss sie sich erst noch gewöhnen, „bisher war mir die männliche Bezeichnung geläufiger“.
