Dienstag, 22. Mai 2012

Reiselust ist größer als der Urlaubsetat




Reiselust ist größer als der Urlaubsetat
USA und Spanien stehen hoch im Kurs – Nachfrage nach Kreuzfahrten ist geradezu explodiert

Vaihingen (rkü) – Ist die Reiselust der Deutschen auch in Krisenzeiten ungebrochen oder muss bei drohendem Arbeitsplatzverlust zuerst der lieb gewonnene Urlaub dran glauben? VKZ-Reiseexperte Matthias Schneider erklärt, dass die Angelegenheit etwas differenzierter zu betrachten ist. Trotz spürbarer Zurückhaltung stehen unter anderem Spanien, die USA und Kreuzfahrten bei Urlaubern hoch im Kurs.

„Spanien ist ein Klassiker“, sagt Schneider. „Seit der Präsidentenwahl sind Reisen in die USA auch wieder sehr beliebt. Und die Nachfrage nach Kreuzfahrten ist geradezu explodiert.“ Unterm Strich sei die Kundschaft bei ihren Buchungen aber etwas zurückhaltender. Viele Menschen im Raum Vaihingen sind direkt oder indirekt von der Automobilindustrie abhängig. Die Sorge um den Arbeitsplatz oder Einschränkungen durch Kurzarbeit machen sich da auch beim Urlaubsbudget bemerkbar. Die Reisebranche muss zudem Einbußen im Bereich der Geschäftsreisen hinnehmen. Manche Reisen nach Fernost werden ganz gestrichen, weil schon vorher klar ist, dass derzeit keine Aufträge zu holen wären. Andere Geschäftsleute fliegen trotzdem. „Aber die fliegen dann vielleicht nicht mehr Business, sondern Economy“, sagt Matthias Schneider.

Gleichwohl seien Reisen aus der oberen Preisklasse immer gefragt. Jedoch vorwiegend bei der Klientel, die nicht ganz so aufs Geld schauen muss oder deren Einkommen nicht von einer eventuell unsicheren Arbeitsstelle abhängt. Bei jungen Familien, die oft auch noch eine Wohnung oder ein Haus abzahlen müssen, sieht die Sache anders aus. „Da gibt es ganz klar ein Budget“, erklärt Schneider. „Und da zählt der Gesamtpreis für den Urlaub.“ Beispielsweise in Ägypten könne der Reisende auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zählen. Das nordafrikanische Land sei schon kurz nach schweren Bombenanschlägen wieder sehr gefragt gewesen. „Ägypten hat ein Alleinstellungsmerkmal: Wer die Pyramiden sehen will, kann nicht einfach woanders hinfahren. Außerdem ist es ein Taucher- und Schnorchlerparadies.“
Inwieweit die Reisebranche im Hinblick auf sinkende Nachfrage insgesamt die Angebote verknappt, lässt sich auch für den Experten noch nicht abschätzen. Fluglinien haben bereits Flüge gestrichen. Angesichts der Unsicherheiten könnte Schneiders Ansicht nach zum Problem werden, dass viele Menschen relativ kurzfristig ihren Urlaub planen wollen. „Auch durch die festgelegten Werkschließungen oder Betriebsferien werden bestimmte Zeiten vorgegeben.“ Darum sei davon auszugehen, dass es schwierig wird, kurzfristig das gewünschte Angebot zu ergattern. Ebenso wie das Auto sei der Urlaub für viele Menschen ein wichtiges Gut, das nicht geopfert werden soll.

Schwäbisches Meer statt Mittelmeer – ist Urlaub in Deutschland eine preisgünstige Alternative? „Was man bei einer kurzen Anfahrt spart, kann durch höhere Hotelpreise schnell wieder ausgeglichen werden“, weiß der Reiseexperte. Reisen in den Süden, etwa nach Spanien oder in die Türkei, bräuchten nicht teurer zu sein. Dennoch gebe es einen Trend zu Städtereisen innerhalb des Bundesgebiets. „Zum Beispiel mit der ganzen Familie nach Hamburg, und als Sahnehäubchen wird dann das Musical ‚König der Löwen‘ besucht.“ Dafür gebe es den großen Sommerurlaub vielleicht erst wieder im Folgejahr.

Urlaub in Deutschland macht bei den Buchungen im Reisebüro nur einen sehr geringen Anteil aus. Das liegt daran, dass Reisende und Gastgeber die gleiche Sprache sprechen und dass es in Deutschland das vertraute, einheitliche Rechtssystem gibt. Warum das von Bedeutung ist, verdeutlicht Schneider an einem Beispiel: „Versuchen Sie doch mal, das Geld zurückzubekommen, wenn eine Mietwagenfirma aus dem Ausland nachträglich noch etwas abgebucht hat.“
Ein Grund dafür, insbesondere Auslandsreisen nicht auf eigene Faust zu buchen, sondern übers Reisebüro zu gehen. „Es ist eben ein Unterschied, ob man sich einmal im Jahr mit seinem eigenen Urlaub beschäftigt oder ob Fachleute das ganze Jahr mit dieser Materie befasst sind.“ Schon beim Auswählen der Fluggesellschaft, des passenden Mietwagens oder der günstigsten Reiseverbindung sei dies hilfreich. Besonders wichtig werde das Reisebüro als Ansprechpartner immer dann, wenn im Urlaub irgend etwas nicht so gelaufen sei wie vereinbart.

Einen Tipp hat Matthias Schneider für alle Reisenden parat: Reiserücktrittversicherungen schließen seit wenigen Jahren auch die Kündigung des festen Arbeitsverhältnisses als Rücktrittsgrund mit ein. Ein Versicherungspartner des VKZ-Reisebüros lässt mittlerweile sogar Kurzarbeit als Grund gelten. Das gibt auch in unsicherer Zeit immerhin ein Stück weit Planungssicherheit.




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