Illingen (elf) – Seit 70 Jahren lebt Egon Kreb in der Luigstraße in Illingen und hat in dieser Zeit gelernt, sich dort mit Gegebenheiten wie Bahnlinie, nahe gelegener Industrie und benachbartem Supermarkt zu arrangieren. Doch was er neuerdings beim Blick aus dem Schlafzimmerfenster präsentiert bekommt, möchte er so nicht hinnehmen: Container, Schrott und alte Autos. Gemeinsam mit seinen Nachbarn wehrt sich Kreb nun gegen die Zustände vor seiner Haustüre.
So viel ist klar: In einer Idylle haben Egon Kreb und seine Frau Ulla die wenigste Zeit gelebt. In der Luigstraße hat es schon immer Gewerbe und Industrie gegeben. Und gerade mal einen Steinwurf von Krebs Haustüre entfernt verläuft die Bahnlinie, auf der neben dem Nahverkehrszug und dem Intercity auch zahlreiche Güterzüge unterwegs sind. Um so mehr freuten sie sich gemeinsam mit ihren Nachbarn über den Grünstreifen auf der gegenüberliegenden Straßenseite, der ihnen nicht nur eine angenehme Aussicht bot, sondern auch eine Art Schutzwall gegen die Bahnlinie war. „Nach dem Krieg ist das Gelände zur Nutzung als Kleingärten freigegeben worden“, erinnert sich der rüstige 79-Jährige. Anschließend sei das Gelände lange Jahre brach gelegen, bis es im Rahmen des Schnellbahntrassenbaus eingezäunt und als Materiallager für die Bahn genutzt wurde. Anschließend war es wieder reines Grünland, das – immer noch im Besitz der Bahn – von den Anwohnern gepflegt worden war. Büsche und sogar einen Baum hat Egon Kreb dort gepflanzt. Doch damit war Schluss, als die Gemeinde Illingen den Grünstreifen vor wenigen Jahren von der Bahn abgekauft hatte, in rund ein halbes Dutzend Parzellen aufteilte. Diese Grundstückseinheiten hat die Gemeinde weiterverkauft und einer Nutzung als Gewerbegebiet zugeführt. Das Ergebnis: Wo früher Bäume und Büsche standen, stehen heute Container und alte Autos.
„Wo bleibt die vorausschauende Planung?“, möchte Kreb wissen. Nur wenige Meter weiter habe die Gemeinde Illingen mit dem Erwerb des Luigareals dafür gesorgt, dass eine hässliche Industriebrache verschwindet. Vor seiner Haustüre seien zu Lasten der Anwohner genau die gleichen Zustände geschaffen worden, die man auf dem Luigareal beseitigt hat. „Hier hat man es versäumt, den Unternehmen Auflagen zu machen, die solche Zustände nicht erlauben“, sagt Kreb. Seine Tochter Ingrid Oberlander, die im benachbarten Haus wohnt, pflichtet ihm bei: „In Illingen gibt es genügend andere Gewerbeflächen, wo man diese Unternehmen hätte ansiedeln können.“
Ein weiterer Dorn im Auge der Anwohner in der Luigstraße ist der Lkw-Verkehr, der mit der Ansiedlung der Spedition Winner im vergangenen Jahr erheblich zugenommen hat. Die gesundheitliche Belastung durch die vielen 40-Tonner und die Aussicht auf Container, Müll und Schrott würden nicht nur die Bewohner der Luigstraße stören. Potenzielle Interessenten für den Kauf eines Grundstücks auf der Nordseite des Luigareals würden sich bei den Zuständen bestimmt schwer tun, dort zu investieren. Kreb fordert daher von der Gemeinde die Errichtung einer zwei bis drei Meter hohen Hecke auf dem Nordstreifen der Luigstraße. Die Zufahrt zu den Grundstücken könne durch schmale Einfahrten unterbrochen werden. Außerdem sollten die Gewerbebetriebe, die mit alten Autos und Abfall handeln, „zwingend kontrolliert“ und die entsprechenden Vorschriften auch eingehalten werden. Auf die Geschwindigkeitsbeschränkung (30 km/h) müsse mehr hingewiesen werden. Den Forderungen wollen Kreb und seine Nachbarn mit einer Unterschriftenliste Nachdruck verleihen.
„Es sieht schon etwas rustikal aus“, gibt Bürgermeister Harald Eiberger zu, beruft sich aber auf den Bebauungsplan. Auf einem Gewerbegebiet seien entsprechende Lagerungen erlaubt. „Gewerbe bringt Belastungen mit sich“, findet Eiberger und weist darauf hin, dass die Grundstücke von jedem, also auch von den Anwohnern hätten gekauft werden können. Auch ein Bebauungsplan komme „nicht über Nacht“. Bei der jüngsten Änderung des Plans seien von den Anwohnern keine Einwände gekommen. Wenn sich jemand nicht an die Vorgaben des Bebauungsplan halte, könne man eine Lösung finden. Eine ständige Kontrolle der Betriebe sei vom Gewerbeaufsichtsamt personell nicht zu leisten. Anzeigen würden allerdings nachgegangen. Eiberger verspricht allerdings: „Wir werden unseren Teil dazu beitragen, das hinzukriegen.“
Zum Verkehr auf der Luigstraße: In der Gemeinde Illingen gebe es Straßen, die wesentlich stärker belastet seien als die Luigstraße, so der Rathauschef. Außerdem müssten auch räumlich zurückliegende Gewerbebetriebe erreichbar sein. Zur Errichtung einer Hecke entlang der Nordseite der Luigstraße: „Es stellt sich die Frage, wie lange eine Hecke benötigt, bis sie die gewünschte Höhe erreicht hat“, so Eiberger. Wenn eine entsprechende Fläche zur Bepflanzung vorhanden sei und der Gemeinderat das Vorhaben wolle, „kann man das umsetzen“.
Egon Kreb und seine Mitstreiter drücken derweil aufs Tempo: „Für eine schnelle Behebung dieses Illinger Schandflecks wären wir sehr dankbar.“
