Dienstag, 22. Mai 2012

Baumfällung mit Hubschrauber steht bevor




Baumfällung mit Hubschrauber steht bevor
Rund um das Wahrzeichen der Stadt Mühlacker drohen Bäume vom Steilhang auf Häuser zu stürzen

Mühlacker (rkü) – Mit einem Kostenaufwand von etwa 50000 Euro sollen in den kommenden zwei Wochen 100 Bäume rund um die Burgruine Löffelstelz in Mühlacker gefällt werden. Weil die meisten von ihnen direkt an der Kante einer 60 Meter hohen Felswand stehen, muss für die Aktion ein Hubschrauber eingesetzt werden.

„Uns ist nichts anderes eingefallen“, begründet Guido Wölfle vom Enzkreis-Forstamt den großen Aufwand für die Fällaktion. „Die Bäume werden mit einem Stahlseil am Hubschrauber befestigt und dann erst mit dem Trennschnitt gefällt. Der Hubschrauber fliegt sie direkt aus dem Hang auf eine benachbarte Wiese, wo sie zu Brennholz verarbeitet werden.“ Das sei nötig, um die Gefährdung der Häuser und ihrer Bewohner am Fuß der Felswand zu minimieren. Es komme nicht in Frage, die Bäume mit einer Seilwinde nach oben aus dem Steilhang zu ziehen. „In dem Hang sind so viele alte, eingefallene Weinbergmauern, die durch das Schleifen der Bäume gelockert würden“, erläutert der Forstexperte. Das ergäbe nicht nur in den Tagen um die Fällaktion eine Gefahr durch Steinschlag. Auf Jahre hinaus wären die Anwohner bedroht: „Bei jedem Starkregen käme es zur Erosion und es könnten sich wieder Steine lösen.“ Darum sei die sauberste Lösung, die Bäume mit dem Hubschrauber aus dem Hang zu heben.
Da es sich um Stadtwald handele, müsse die Stadt Mühlacker für die enormen Kosten aufkommen. Allein der Hubschraubereinsatz soll etwa 20000 Euro kosten. „Normalerweise kostet es uns fünf bis zehn Euro, einen gefällten Baum aus dem Wald ziehen zu lassen“, rechnet Wölfle vor. Umgerechnet auf die 60 bis 70 Bäume, die der Hubschrauber bewegen soll, wären es an der Löffelstelz etwa 300 Euro pro Baum. Die übrigen 30 Bäume werden oberhalb des Steilhangs auf herkömmliche Weise gefällt.
Im Zusammenspiel mit dem Hubschrauber kommen zwei Teams aus jeweils zwei Industriekletterern mit Spezialausbildung zum Einsatz. Sie sind dafür zuständig, die Baumkronen an das Stahlseil anzubinden, das aus der Luft herabschwebt. Erst danach werden die angesägten Stämme vollends durchgesägt, so dass die Bäume zu keiner Zeit in den Hang fallen und Folgeschäden verursachen können.
Der Hubschrauber hat eine Tragfähigkeit von 750 Kilogramm. „Das reicht voraussichtlich für drei Viertel der betroffenen Bäume aus“, schätzt Wölfle. „Größere Bäume können mehr als eine Tonne wiegen, die müssen dann auf zwei Portionen gefällt und abtransportiert werden.“ Der Einsatz eines größeren Hubschraubers wäre auch denkbar gewesen, doch angesichts der etwa dreimal so hohen Kosten wurde darauf verzichtet. Das Regierungspräsidium hatte zuvor einem dritten, günstigeren Anbieter die Flugerlaubnis für den Einsatz verwehrt. Dessen Hubschrauber hätte nur einen Motor gehabt, aus Sicherheitsgründen sind so nah am bebauten Gebiet aber nur zweimotorige Maschinen zulässig.
Die betroffenen Eschen, Eichen und Akazien sind laut Wölfle etwa 70 Jahre alt. „Früher waren in dem Hang Weinberge. Seit die nicht mehr genutzt werden, holt sich die Natur den Hang zurück.“ Aufgrund der starken Naturverjüngung sieht der Förster kaum Bedarf, nach der Fällung Anpflanzungen vorzunehmen. „Das wird nur an wenigen Stellen nötig sein. Wir werden dann aber keine Bäume mehr pflanzen, sondern nur noch Sträucher wie Schneebälle oder Pfaffenhütchen.“ Die Bäume hatten ursprünglich die Funktion, mit ihren Wurzeln den Hang zu festigen. Doch je größer die Kronen wurden, die Bäume teils auch in Schräglage gerieten, umso höher wurde die Gefahr eines Absturzes.
Während der Arbeiten, die am Mittwoch (25. Februar) beginnen sollen, werden die Wege im betroffenen Bereich rund um die Burgruine gesperrt. Für die Dauer des Hubschraubereinsatzes, voraussichtlich am 3. März, rät Joachim Ertl vom Amt für Grundstücks- und Gebäudemanagement den Anwohnern, lieber ins Hallenbad oder in eine Gaststätte zu gehen als in ihren Hof zwischen Haus und Felswand. „Entsprechende Gutscheine für die 100 Bewohner der 30 betroffenen Häuser haben wir ausgestellt.“
Schaulustige sollten auf Dürrmenzer Seite den Dammweg oder die Schulstraße nutzen, um die spektakulären Arbeiten zu verfolgen. Der Hubschraubereinsatz soll den ganzen Tag über dauern.




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