Dienstag, 22. Mai 2012

Gefahr auf dem Viadukt




19/02 2009

Gefahr auf dem Viadukt

Bruch in der Dehnfuge. Foto: Arning
Bruch in der Dehnfuge. Foto: Arning

Schwieberdingen (aa) – Die beiden Monteure der Fachfirma aus München schütteln den Kopf. Das haben sie auch noch nie gesehen. Und sie wagen es sich kaum auszudenken, was hätte geschehen können, wenn zum Beispiel ein Motorradfahrer gegen das hochstehende Eisenteil auf dem Glemstalviadukt gefahren und vor ein entgegenkommendes Fahrzeug geschleudert worden wäre…
Der Polizeibericht liest sich gewohnt nüchtern: „Im Bereich des Glemstalviadukts ragte am Dienstag eine Metallleiste auf die Fahrbahn, die sich aus einer Dehnfuge gelöst hatte. Gegen 7 Uhr fuhren über diese mehrere Fahrzeuge, wodurch die Reifen aufgeschlitzt wurden…“ So war es in der Tat. Die Metallleiste war aber ein handfester Eisenträger, ein T-Stück, das über zehn Zentimeter aus der Dehnfuge ragte. „Es hat einen Schlag getan, dass ich dachte, da ist ein großes Loch“, beschrieb es ein Autofahrer, der gegen 7 Uhr auf dem Weg zur Arbeit nach Vaihingen war. Es war jedoch das Gegenteil von einem Loch.
„Wir haben bisher zehn Meldungen von Geschädigten“, ist aus dem Polizeirevier Vaihingen zu erfahren. Es handle sich zum einen um geplatzte Reifen, zum anderen um sonstige Beschädigungen an den Autos. Das herausragende Eisenteil war in der Morgendämmerung bei Scheinwerferlicht erst sehr spät zu erkennen. Es ist im Nachhinein fast ein Wunder, dass nichts weiter passiert ist und die Autofahrer nach der Kollision mit dem Metallteil die Spur halten konnten.
Am Dienstagvormittag hat die Polizei aus Vaihingen die Bruchstelle an der westlichen Seite der Brücke (Fahrtrichtung Vaihingen) abgesperrt. Es wurde eine Ampelanlage installiert – was postwendend zu langen Staus geführt hat.
Gestern um die Mittagszeit begann eine Spezialfirma aus München mit der Reparatur. Die beiden Monteure nehmen an, dass die auf Federn gelagerte Eisenschiene in der Dehnfuge im Laufe der Jahre „mürbe“ geworden ist. Sie gehen davon aus, dass die Federn herausgebrochen sind und es dadurch mit der Zeit zum Bruch des Trägers kam. „Das kann durchaus mal vorkommen“, meinten sie, „dass aber das Eisen so hoch aus der Fahrbahn ragt, ist uns noch nicht untergekommen.“ Die Experten schnitten den beschädigten Träger auseinander und werden ein 60 Zentimeter langes Ersatzstück einbauen. Mit dem Abschluss der Arbeiten ist nicht vor heute Nachmittag zu rechnen. Autofahrer müssen sich also im Berufsverkehr auf Stauungen einstellen.
Im Januar war bei einer Routineprüfung ein Brückenschaden am westlichen Fahrbahnübergang festgestellt worden. Als Sofortmaßnahme zur „Verlangsamung“ des Schadensverlaufs galt ab 28. Januar eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h. Man werde „mit Hochdruck“ die Reparatur vorbereiten, hieß es damals.
Der vom Schaden betroffene Teil des 1962 erbauten Viadukts – ein wasserdichter Fahrbahnübergang – wurde im Sommer 1990 an beiden Brückenenden eingebaut. Bei einer 2004 durchgeführten Brückensanierung wurden Verschleißteile, insbesondere das die Längenänderungen ausgleichende Gummiprofil, erneuert. Bei dem beschädigten Fahrbahnübergang handelt sich um ein flexibles, aber mittragendes Übergangsteil innerhalb der beidseitig einbetonierten Stahlkonstruktion.
Die damalige Baufirma sowie der Hersteller des Fahrbahnübergangs existieren nicht mehr. „Die Nachfolgerfirma erarbeitet derzeit unter Hochdruck Reparaturpläne, die auf die damalige Übergangskonstruktion passen“, hieß es am 28. Januar in einer Pressemitteilung. Nach der Plangenehmigung durch das Regierungspräsidium Stuttgart werde der Schaden umgehend behoben.
Hat man sich zu lang Zeit gelassen? Beim Regierungspräsidium und der Fachstelle in Besigheim macht man darauf aufmerksam, dass es für die Sonderanfertigung des Übergangs in Deutschland nur drei Fachfirmen gebe und man eine Vorlaufphase von acht Wochen einkalkuliert habe. Es sei nicht abzusehen gewesen, dass es so schnell zu einem Bruch kommen würde. Ab heute Abend wird die Geschwindigkeit übrigens auf 30 km/h begrenzt.
Die Polizei in Vaihingen sucht noch weitere Autofahrer, die am Dienstag auf der Brücke Beschädigungen an ihren Fahrzeugen erlitten haben, Telefon (07042) 9410. Wer kommt für die Schäden auf? Die Meldungen gehen an das Regierungspräsidium Stuttgart, Ruppmannstraße 21, Abteilung 4, 70565 Stuttgart.




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